Doppeljubiläum mit Fahrzeugen und Instrumenten gefeiert

Mitglieder der Jugendfeuerwehr, die die Jugendflamme 1 bzw. 2 überreicht.Foto: gt

Oberursel (gt). Vor 125 Jahren, am Freitag, 1. März 1901, wurde in Stierstadt die Freiwillige Feuerwehr durch 33 Stierstädter Männer gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt besaß die Gemeinde nur eine alte Landwehrspritze, welche von 24 Mann durch Hebeldruck bedient werden musste. Daraufhin kaufte man einen Schlauchwagen mit Hydrantenanschluss und eine neun Meter lange Feuerwehrleiter. 25 Jahre später, als die Wehr ihr 25-jähriges Jubiläum feierte, wurde die Musikabteilung gegründet.

So ergab sich, dass in diesem Jahr die Feuerwehr Stierstadt ihr 125-jähriges Jubiläum und gleichzeitig der Musikzug sein 100-jähriges Jubiläum feierten. Beide wurden am Pfingstwochenende rund um die Wache in der Gartenstraße gefeiert. Vor der Wache hatte man ein großes Festzelt aufgebaut; dort begann das Wochenende am warmen Freitagabend mit einem Auftritt der Gruppe „PFUND“. Mit Roxettes „The Look“ ging es los, und auch wenn das Publikum etwas Zeit brauchte, bei den Temperaturen zur Musik warm zu werden, spätestens bei Tracy Chapmans Hit „Talkin‘‚ Bout A Revolution“ bebten sowohl die Bühne als auch der Zeltboden!

Viele Gäste zogen es vor, draußen zu sitzen, und dafür hatte die Feuerwehr ebenfalls vorgesorgt. Rund um den frisch bemalten Stierbrunnen hatte man einen Sommergarten mit extra angefertigten Liegestühlen angelegt.

Am Samstag standen zwei neue, mit Girlanden geschmückte Feuerwehrfahrzeuge direkt vor dem Zelt. Die neue Drehleiter ist, wie die neue Leiter der Wache Mitte, 30 Meter lang und erreicht Gebäude bis zu 23 m Höhe, wenn sie 12 m von ihnen entfernt positioniert ist. Allerdings hat sie am Steuersitz eine zusätzliche Schutzhaube. Die Leiter hatte vor Kurzem im Zimmersmühlenweg ihren ersten Einsatz. Das neue Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, kurz HLF, ist baugleich mit dem anderen neuen Fahrzeug bei der Wache Mitte und wird den aktuellen HLF in Stierstadt ersetzen.

Nicht nur die Kameraden aus Stierstadt hatten sich in den vergangenen Wochen für die neuen Fahrzeuge weitergebildet, auch 19 Mitglieder der Jugendfeuerwehr aus verschiedenen Stadtteilen hatten sich auf die Prüfungen der „Jugendflamme“ der Stufen 1 und 2 vorbereitet. Dazu mussten sie sich mit diesen und anderen Fahrzeugen auseinandersetzen. So gehörte es dazu zu wissen, dass die Drehleiter den Funkrufnamen „Florian Oberursel 6–30“ bekommen hatte, oder eben in der Wehr Mitte 1–30. Außerdem wurden ihre Kenntnisse in Erster Hilfe geprüft, sie mussten eine Axt einbinden, die Unterschiede und Funktionen der verschiedenen Feuerlöscherarten kennen und ein Standrohr setzen können.

Bei der feierlichen Eröffnung des Nachmittags begrüßte Vorsitzender Dennis Becker die Feuerwehren aus Spetzerfehn und Droyßig. Es war die Feuerwehr aus Droyßig, die Stierstadt vor 35 Jahren den umgebauten „Feuerwehr-Trabbi“ geschenkt hatte, den man oft auf Festen in der Stadt sieht. Bürgermeisterin Antje Runge überbrachte die Glückwünsche der Stadt Oberursel und betonte, wie wichtig die Ausbildung, die Fahrzeuge und auch die Gebäude der Feuerwehr für die Stadt sind. Sie bedankte sich bei den Kameraden für ihren Einsatz und dafür, dass sie ihr eigenes Leben für die Oberurseler riskieren.

Sie lobte auch die Möglichkeit für Kinder, beim Musikzug ein Instrument zu lernen, und erklärte, dass Oberursel durch seine vielen Musikzüge von anderen Städten im Umkreis beneidet wird.

Brunnenkönigin Emily I., selbst Mitglied bei der Feuerwehr in Oberstedten, überreichte ihren Bembel und bekam ein Exemplar der Stierstädter Chronik geschenkt.

Anschließend überreichte Kreisjugendfeuerwehrwart Maximilian Böttrich zwei Auszeichnungen der Jugendflamme 1 und sechs Auszeichnungen der Jugendflamme 2 an Mitglieder der Jugendfeuerwehr aus Stierstadt sowie je fünf Auszeichnungen der Jugendflamme 2 an Mitglieder der Wehr Mitte und sechs an Mitglieder der Wehr Bommersheim.

Nun ging es nach draußen zur feierlichen Schlüsselübergabe der neuen Fahrzeuge. Feuerwehrdezernent Jens Uhlig erklärte, dass man bewusst baugleiche Fahrzeuge innerhalb der Stadt gekauft habe, um die Wartung zu vereinfachen und damit sie bereits bekannt sind, wenn Kameraden bei anderen Wehren unterstützen. Stadtbrandinspektor Valentin Reuter bedankte sich bei den Wehren Stierstadt und Mitte für das Ausbildungskonzept für die neuen Fahrzeuge und erklärte, dass man mit der neuen Hinterradzusatzlenkung bei der Drehleiter in den Stierstädter Altstadtgassen noch üben wolle. Pater Matthäus OFM segnete beide Fahrzeuge mit Weihwasser.

Ein besonderes Geschenk hatten auch Mathilde Krücke und Kerstin Fröhlich von der Kenia Kinder Hilfe dabei: Sie überreichten Fotos von einem Ziegenbock für die Feuerwehr und einem Ziegenmädchen für den Musikzug an Dennis Becker und Peter Hieronymi. Die eigentlichen Ziegen, die der Verein zu den Jubiläen schenkt, leben am Waisenhaus in Langobaya in Kenia.

Vielseitiges Programm

Am Nachmittag gab es zwei musikalische Auftritte auf der Bühne. Zuerst spielte der Nachwuchs des Feuerwehrmusikzugs unter der Leitung von Jinhyoung Kim. Unter anderem spielten sie die Melodien aus den Filmen „Die Stunde des Siegers“, „Chariots Of Fire“ und „Fluch der Karibik“ sowie Beethovens neunte Symphonie. Anschließend unterhielt das Blasorchester des TV Stierstadt die Gäste unter der Leitung von Hans-Günter Labahn. Am späteren Nachmittag wurden langjährige Mitglieder der Feuerwehr geehrt. Für die kleinen Gäste gab es am Parkplatz neben dem Friedhof eine Kindermeile. Hier fand man die Kinderwache mit den Bobby Cars, aber auch Kinderschminken und einen Stand zum Thema Brandschutzerziehung. Wer wollte, konnte im Sand nach Halbedelsteinen suchen. Es gab außerdem gemütliche Sitzwürfel im Schatten und Popcorn.

Die Jugend des THW aus Bad Homburg hatte ein Dreibein aufgestellt und darunter einen Spreizer gehängt. Damit sollte ein Tennisball von einem Verkehrsleitkegel zum anderen gebracht werden. Außerdem hatten sie Atemschutzattrappen, die mit ausgemusterten Trägern ausgestattet waren. Damit konnten Kinder die aufgebaute Atemschutzstrecke ausprobieren. Schließlich warb ein Stand des Musikzugs für die offene Probe am Donnerstag, 18. Juni, und bot die Möglichkeit, die Instrumente aus nächster Nähe zu sehen.

Auf dem Parkplatz der IGS und an der Verkehrsschule gab es am Samstag eine Fahrzeugausstellung mit interessanten Fahrzeugen aus anderen Städten, unter anderem: ein Wechsellader mit Container „AB Starkregen“ aus Bad Vilbel, ein Rüstwagen mit Teleskopmast (RW/TM) aus Flörsheim, ein Wechselladerfahrzeug (WLF) mit Kran aus Hattersheim, ein Einsatzleitwagen und eine Drohne aus Hofheim sowie die Lösch-Unterstützungs-Fahrzeuge (LUF) aus Bad Homburg, die zum Be- bzw. Entlüften oder zum Erzeugen von Wassernebel in schwer zugänglichen Bereichen und in Tiefgaragen eingesetzt werden. Der große Bruder MGV60, Mobiler Großventilator aus Frankfurt, war ebenfalls dabei.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) war mit einem Rettungswagen (RTW) aus Oberursel, dem Katastrophenschutz-Motorrad vom Landesverband Hessen, einem Einsatzleitwagen (ELW) und dem neuen „Utility Terrain Vehicle“ (UTV) des Kreisverbands Hochtaunus vertreten.

Das Technische Hilfswerk (THW) stellte seinen Fachzug Führung und Kommunikation aus Bad Homburg und seine Schmutzwasserpumpe Hannibal aus Neu-Isenburg aus.

Die Feuerwehr Bad Soden zeigte ihre Rettungshunde, und die Firma Telerob zeigte ihren ferngesteuerten Roboter „Telemax EVO Hybrid“, der 60 kg heben kann und eine Akkulaufzeit von acht bis neun Stunden bietet. Er kann auch Proben entnehmen und zum Labor bringen, an Orten, wo Menschen sich nicht aufhalten können.

Am Samstagabend stand wieder Musik auf dem Programm, und zwar mit den „LAMAS“, dem Italo-Pop-Duo aus dem Allgäu. Sie starteten mit einem Medley von Wolfgang-Petry-Liedern und sangen pausenlos Hits, zum Teil auf Italienisch, für über eine Stunde. Auch an diesem Abend zogen es viele vor, draußen zu sitzen und dort zur Musik zu schunkeln.

Als Piero und Battista sich entschlossen, die Kinder aus dem Publikum mit auf die Bühne zu holen und gemeinsam das Lied „Gute Laune“ zu singen, bebte das Zelt. Und weil es so gut lief und noch mehr Kinder von draußen kamen, hängten sie das „Fliegerlied“ gleich hinten dran. Am Sonntagvormittag standen die historischen Fahnen des Musikzugs, bzw. des Spielmannszugs, wie er einst hieß, links und rechts von der Bühne. Der Tag begann mit einem gemeinsamen Auftritt der Kreismusikzüge aus Stierstadt, Bommersheim und Kirdorf unter der Leitung von Uwe Deparade. Unter anderem spielten sie gemeinsam den „Kronprinzmarsch“, „Freundschaftsklänge“ und den Liebesbotenmarsch. Neben dem üblichen Getränkeangebot fand man in der Wagenhalle einen Wein- und Cocktailstand. Auch die traditionelle selbstgemachte Aioli-Soße durfte am Grillstand nicht fehlen.

An der IGS standen nun historische Fahrzeuge aus Nierstein-Schwabsburg, Rosbach, Bad Homburg, Steinbach, Karben, Dietzenbach, Butzbach, Heuchelheim, Büdesheim-Schöneck, Langgöns-Espa, Kalbach, Holzheim, Alsfeld, Gifhorn und aus dem Stierstädter Pumpenmuseum. Auch die Drehleiter aus Oberursel aus dem Jahr 1956 konnte bestaunt werden. Mitten auf dem Platz stand ein Löschfahrzeug aus Kronberg aus dem Jahr 1757. Es wurde damals von Pferden gezogen und hat einen Wassertank, den man mit einer Eimerkette gefüllt hätte. Die eingebaute Pumpe hat immerhin einen Wasserschlauch mit Wasser aus dem Tank versorgt.

Ein weiteres besonderes Fahrzeug war das NSU Kettenkrad aus Gersfeld/Rhön, das im Jahr 1941 als Wehrmachtsfahrzeug Sd.Kfz.2 gebaut wurde. Nach dem Krieg wurde es in den Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Gersfeld gestellt, zum Ziehen von Tragkraftspritzenanhänger (TSA) und Anhängerleiter AL18.

An diesem Tag fanden auch Prüfungen der Mini-Feuerwehr für die „Tatzen“ der Stufen 1 bis 4 statt. Um sich diese Auszeichnungen zu verdienen, müssen die Kinder bestimmte Kenntnisse nachweisen, wie z. B. die Notrufnummer, das Absetzen eines Notrufs, Knoten und das Erkennen einfacher Feuerwehrgegenstände. 16 Minis aus den Wehren Mitte und Stierstadt erhielten an diesem Nachmittag ihre Auszeichnungen.

Zurück im Festzelt gab es einen einmaligen Auftritt des „Spielmannszug 2.0“, nicht nur mit historischen Instrumenten, sondern auch in historischen Uniformen, angeführt von Jürgen Aumüller. Vorne im Publikum saß auch der ehemalige Musiklehrer des Musikzugs, Walther Klug. Ortsvorsteher Thomas Gerechte überreichte bei diesem Anlass einen Umschlag mit Mitteln aus dem Budget des Ortsbeirats, die für neue Noten eingesetzt werden.

Schließlich war es Zeit für die aktuelle Besetzung des Musikzugs unter der Leitung von Uwe Deparade, die Bühne zu betreten. Mit einem Medley der „Comedian Harmonists“ aus den 30er Jahren und Filmmusik von Henry Mancini aus den 50er Jahren begann die musikalische Zeitreise durch die letzten Jahrzehnte, die so gut besucht war, dass spontan weitere Bänke aufgestellt werden mussten.

Übergabe der neuen Fahrzeuge, Bürgermeisterin Antje Runge, Stadtbrandinspektor Valentin Reuter, Wehrführer Sascha Aumüller, stellv. Wehrführerin Melanie Braun, Feuerwehrdezernent Jens Uhlig (v.l.).Foto: gt

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