Oberursel (gw). Das wirkliche Leben schreibt mitunter die schönsten Geschichten. Eine erzählt von einem Eishockey-Profi aus dem Allgäu, der jetzt als dreifacher Familienvater an der Feldbergschule sein Fach-Abitur gemacht hat und mit diesem Abschluss in der Tasche am 1. September eine Umschulung zum Informatik-Kaufmann beginnt.
Die Rede ist von Kilian Keller, der am 13. Mai 1993 in Füssen geboren wurde und der von der Altersklasse U16 bis zur U20 alle Nationalmannschaften des Deutschen Eishockey-Bunds durchlaufen hat. Höhepunkt in dieser Zeit waren die Teilnahmen an den Weltmeisterschaften der U18 in Dresden-Crimmitschau und der U20 im russischen Ufa vor mehr als 100 000 Zuschauern während des Turniers.
Begonnen hat die sportliche Karriere auf zwei Kufen in der Jugend des EV Füssen, dem der Verteidiger bis zur Saison 2011/12 in der damals drittklassigen Oberliga die Treue gehalten hat. Von 2012 bis 2015 spielte Keller als Profi bei den Grizzly Adams Wolfsburg und von 2015 bis zum Ende der vorigen Saison in der DEL 2 bei den Ravensburg Towerstars.
Dass der Profi-Sportler, der im Allgäu unweit der Touristen-Magneten Neuschwanstein und Hohenschwangau aufgewachsen ist, ausgerechnet in Oberursel im Taunus sein Fach-Abitur gemacht hat, ist reiner Zufall. „Wir sind zugelost worden, und ich habe dabei die Feldbergschule bekommen“, sagt er und ist froh, dass er es bei seiner Online-Ausbildung zur Erlangung der Fachholschul-Reife optimal getroffen hat.
„Ich kann mich nur ausdrücklich für die Unterstützung bedanken, die ich in Oberursel erhalten habe“, freut sich Keller. Er schätzt Oberstudienrätin Ute Strasser und seine Lehrerin Andrea Godenschwege, denen er viel zu verdanken habe. Sieben mündliche Prüfungen binnen drei Tagen, da sei es wichtig, dass die Chemie untereinander stimmt. „Wir hatten in diesem Abschlussjahrgang der Fachoberschule zum ersten Mal externe Prüflinge an der Feldbergschule“, sagt Andrea Godenschwege. Damit habe auch sie zum Abschluss dieses Schuljahrs pädagogisches Neuland betreten.
Die kleinen Kinder im Alter von vier und zwei Jahren sowie drei Monaten halten die Keller-Familie derzeit voll auf Trab, und so bleibt für weitere Hobbys aktuell kaum Zeit. „In aller Ruhe mal wieder ein gutes Buch lesen“, steht auf dem Wunschzettel des ehemaligen Berufssportlers ganz oben. Wichtig sind ihm auch Familienurlaube bei den Eltern, die noch immer im Allgäu wohnen.
