Oberursel (ow) – Otto Bammel begrüßte bei der Mahnveranstaltung im Oberurseler Rushmoor-Park auch den Stifter des Ginkgobaums, Mica Sibert. Die Zusammenkunft erinnerte an die 200.000 zivilen Opfer der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki. Nie wieder dürfe sich solches Leid wiederholen, betonte das Friedensbündnis. Bammel warnte vor der fortgesetzten Bedrohung durch die Atommächte und forderte, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Bereits 1996 habe der Internationale Gerichtshof festgestellt, dass Einsatz und Drohung mit Atomwaffen gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen. Um Punkt 12 Uhr gedachte man zu den Glockenschlägen der Christuskirche in einer Schweigeminute der Opfer aller aktuellen Kriege.
Andi Andernacht hob die extrem verkürzten Vorwarnzeiten moderner Waffen hervor, verschärft durch Künstliche Intelligenz. Das Risiko eines Atomkriegs „aus Versehen“ steige. 1983 sei ein Krieg nur durch den gesunden Menschenverstand eines sowjetischen Offiziers verhindert worden – heute gebe es diesen Spielraum nicht mehr. Hyperschallraketen ließen nur zwei Minuten Reaktionszeit. Andernacht berichtete zudem von einer Konferenz in Castel Gandolfo, zu der Papst Leo XIV. eingeladen hatte. Wissenschaftler und Nobelpreisträger forderten dort ein radikales Umdenken der Atommächte und die „Abschaffung algorithmischer Autonomie“. Das Wettrüsten führe nicht zu Stabilität, sondern zum „mathematisch sicheren Ende der Welt“.
Erich Ruhl-Bady sprach über die psychische Belastung durch Militarisierung und Wettrüsten. Zynismus sei eine gefährliche Flucht; nötig seien beständige Friedensarbeit und das Vertrauen auf den „inneren Kompass“. Jede engagierte Person mache einen Unterschied. Ermutigend nannte Bady, dass Hunderttausende weltweit den Kriegsdienst verweigern – ein „gesunder Reflex“. Kriegsdienstverweigerung sei völkerrechtlich verankert. Frieden entstehe nicht nur durch „bloßes Fordern“, sondern nur, „wenn wir ihn tun“, zitierte Ruhl-Bady den Lyriker André Heller. Glaubwürdig sei nur, wer Gewalt meide – auch sprachlich. Friedfertigkeit sei eine bewusste Entscheidung.
Zum Abschluss sammelten die Aktiven Unterschriften für die Petition „Frieden in den Lehrplan“ und warben für den Friedenskulturtag am Sonntag, 6. September, in der Adenauerallee.
