Ein Neubau für dieZukunft der Bienenforschung

Naturmaterialien und Holzständerbauweise für die perfekte Ökobilanz.Foto: sis

Oberursel (sis). Holz statt Beton, Sonnenenergie statt Verschwendung und ein Gebäude, das sich am natürlichen Rhythmus der Bienen orientiert: Mit dem neuen Bienenin-stitut in Oberursel ist eine Forschungsstätte entstanden, die in Architektur, Funktion und Haltung neue Maßstäbe setzt. Der Neubau vereint Forschung, Lehre, moderne Imkerei und Umweltbildung unter einem Dach und schafft damit zeitgemäße Voraussetzungen für den Schutz der Bienen und die Weiterentwicklung der Bienenforschung.

Errichtet wurde das Gebäude in nachhaltiger Holzständerbauweise, lediglich Keller und Aufzugschacht bestehen aus Beton. „Wir haben von Beginn an sehr großen Wert auf Nachhaltigkeit und eine hervorragende Ökobilanz gelegt“, sagt Institutsleiter Prof. Dr. Bernd Grünewald. Antje Runge ergänzt: Sicherlich auch ein Grund, warum es durchweg von allen Seiten nur Zustimmung für das Projekt gab“.

Eine Photovoltaikanlage mit 470 Quadratmetern Fläche nutzt nahezu jeden geeigneten Dachbereich. Ziel ist es, insbesondere in den Sommermonaten bis zu zwei Drittel des Energiebedarfs selbst zu erzeugen. Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine 32.000-Liter-Zisterne im Garten. Regenwasser versickert im Gelände, speist die Zisterne oder fließt in einen Teich – bewusst ohne Brauchwassernutzung im Gebäude.

Auch im Inneren ist das Institut klar strukturiert. Weiße, gekachelte Räume sind als Lebensmittelbereiche ausgewiesen und unterliegen strengen Hygienevorschriften. Grau-weiße Zonen dienen als Arbeits- und Lagerräume. Mit einer Deckenhöhe von 3,50 Metern bleibt die Technik sichtbar, gleichzeitig entstehen große Lagerkapazitäten. Hier wird künftig Honig aus einem Umkreis von bis zu 60 Kilometern verarbeitet. Während der Saison von Ende Mai bis zur Kastanienblüte im Juli können täglich zwischen 300 und 500 Kilogramm Honig geschleudert werden – mithilfe eines Krans, der die schweren Lasten bewegt. „Die Herstellung von Honig ist kein Pappenstiel und insbesondere mit der Forschung gemeinsam sehr arbeitsintensiv“ erklärt Imkermeisterin Diana Weckeiser.

Wenn die Waben angeliefert werden, kommen sie in die Wärmekammer, die 40 Grad nicht überschreiten darf – die perfekte Temperierung liegt bei 25 bis 28 Grad für die beste Fließgeschwindigkeit gibt Imkermeister Sebastian Müller preis und verrät noch etwas: „Natürlich hat der Honig, das ist vorgeschrieben, ein Mindesthaltbarkeitsdatum, um den Geschmack zu garantieren und damit der Honig nicht „hoch geht“, jedoch bei richtiger Lagerung, um die 15 Grad, in Dunkelheit und mit einer Luftfeuchtigkeit von unter 60 Prozent lagernd, ist er über Jahrzehnte haltbar und genießbar. Die deutsche Herstellung samt ihrer Qualität ist einzigartig.

Ein Herzstück des Neubaus ist der sogenannte „Flugraum“ „Hier können wir Umweltbedingungen kontrolliert nachbilden, ohne die Tiere unnötig zu belasten“, erläutert Grünewald. „Je präziser die Bedingungen, desto besser lassen sich Verhalten und Anpassungsfähigkeit der Bienen untersuchen.“ Licht, Luftfeuchtigkeit und Temperatur lassen sich exakt steuern, LED-Beleuchtung simuliert Tageslicht, Dämmerung oder bedeckte Sommertage. Kameras begleiten die Experimente. Ziel ist es, das Verhalten und die Anpassungsfähigkeit der Bienen unter veränderten Umweltbedingungen besser zu verstehen – schneller und präziser als im Freiland.

Auch der Umzug der Bienenvölker ist Teil des Konzepts. Er erfolgt schrittweise und mit besonderem Augenmerk auf das Tierwohl. „Ein Standortwechsel bedeutet immer Stress für die Tiere, deshalb gehen wir sehr behutsam vor“, erklärt Imkermeisterin Diana Weckeiser. Nach dem Umzug orientieren sich die Bienen neu – mithilfe von Sonnenstand, Erdmagnetfeldern und markanten Punkten in der Landschaft in einem Umkreis von drei Kilometern. Betreut werden so viele Bienen, wie Hessen Einwohner hat, etwa 5,5 Millionen Bienen, wobei ein Bienenvolk 50.000 Bienen ausmacht.

Der Neubau ist zudem konsequent barrierefrei gestaltet und die maximale Neigung beträgt drei Prozent sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. Besucher mit Einschränkungen können das Institut ohne fremde Hilfe erkunden, Informationen stehen auch per QR-Code zur Verfügung.

Antje Runge betont die Bedeutung der Offenheit: „Uns war wichtig, dass das Bieneninstitut kein abgeschlossener Forschungsort ist, sondern ein Ort der Begegnung. Transparenz und Zugänglichkeit fördern das Verständnis für Umwelt- und Klimathemen – bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen.“

Mit Baukosten von rund 15 Millionen Euro, einer Baufläche von rund 1.500 Quadratmetern und einem 5.000 Quadratmeter großen Areal ist das neue Bieneninstitut ein Leuchtturmprojekt. Antje Runge unterstreicht die Bedeutung des Standorts: „Der Umweltschutz beginnt vor der eigenen Haustür. Gerade die Nähe zur Metropole Frankfurt macht Oberursel zu einem idealen Ort, um Umweltbewusstsein, Forschung und Bildung zusammenzubringen.“ Rund 25 Mitarbeitende arbeiten dauerhaft am Institut, jährlich durchlaufen 600 bis 700 Personen die Einrichtung – von Schulklassen über Auszubildende bis hin zu Wissenschaftlern. Noch vor Beginn der offiziellen Bienensaison sollen alle Völker vollständig umgezogen sein.

Die Eröffnung für Besucher ist ab Mai geplant. Dann wird deutlich werden, was dieser Neubau leisten soll: nicht nur Raum bieten, sondern Zukunft ermöglichen – für Forschung, Bildung und den Schutz der Bienen.

Fortsetzung folgt: In den nächsten beiden Teilen dieser Serie geht es um die gesellschaftliche Bedeutung des Bieneninstituts für Oberursel und die Region sowie um die wissenschaftliche Arbeit, die Menschen und die lange Forschungstradition hinter dem Institut.

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