Oberursel (ow) – „Das Anliegen dahinter – ein würdiger Umgang mit dem Mahnmal – ist auch uns wichtig, und genau deshalb möchten wir Ihre Darstellung an einigen Stellen richtigstellen. Die Auffassung der Bürgermeisterin, dass eine lebendige Nutzung des Platzes rund um das Mahnmal richtig und keineswegs respektlos ist, teilen wir als Veranstalter ausdrücklich – ebenso wie die Initiative Opferdenkmal, die das Mahnmal konzipiert und errichtet hat und die uns ihre Sicht mitgeteilt hat. Erinnerungskultur bleibt nur dann im Bewusstsein der Menschen, wenn ihr nicht allein am Jahrestag, sondern im Alltag begegnet wird; dadurch wird das Gedenken zu einem festen Bestandteil unserer städtischen Identität. Wenn an diesem Ort friedliche, bunte und vielfältige Feste stattfinden, ist das kein Widerspruch zum Gedenken, sondern sein stärkster Gegenentwurf: Solche Zusammenkünfte feiern genau das, was die Täter damals vernichten wollten – eine freie, lebendige und demokratische Gesellschaft.“
Klarstellungen
„Zum Brunnenfest: Anlass war kein „Feiern am Denkmal“, sondern ein Abfalleimer, der unmittelbar zwischen den Figuren des Denkmals stand. Das war unpassend – und wurde noch am selben Tag durch die Initiative Opferdenkmal selbst behoben und auch an den Folgetagen beachtet. Einen solchen konkreten Missstand nimmt man jederzeit ernst. Ein grundsätzliches Problem lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Das von Ihnen beschriebene „Störgefühl“ teilt die Initiative Opferdenkmal ausdrücklich nicht, wenn auf dem Platz des Denkmals gefeiert wird. Der Standort wurde bewusst gewählt, um die ermordeten Menschen symbolisch in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen, aus der sie ausgegrenzt wurden. Vor diesem Hintergrund kann der Vorwurf der Geschichtsvergessenheit nicht nachvollzogen werden – er trifft weder unsere Haltung als Veranstalter noch die der Stadt Oberursel noch die derjenigen, die das Denkmal geschaffen haben. Wir weisen ihn daher entschieden zurück!“
Anmerkung
„Sie berufen sich in Ihrem Schreiben auf Frau und Herrn Andernacht als Mitstreiter. Aus deren eigener Stellungnahme geht ausdrücklich hervor, dass sie das beschriebene Störgefühl beim Feiern auf dem Platz gerade nicht teilen.
Ihre Frage, ob „theoretisch auch die Rechten“ am Denkmal feiern dürften, weisen wir mit Nachdruck zurück. Das Mahnmal erinnert an alle Oberurseler Opfer des Nationalsozialismus und ist eine Mahnung gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Ein offenes, nachbarschaftliches Miteinander an diesem Ort ist das genaue Gegenteil dessen, wofür rechte Akteure stehen. Diese Gleichsetzung wird weder dem Anlass noch dem Denkmal gerecht.
Als Veranstalter wird selbstverständlich für einen respektvollen Umgang mit dem Denkmal Sorge getragen: Auf dem Mahnmal werden keine Gläser oder Speisereste abgestellt, und zwischen dem zentralen Block, der steinernen Bank und der Glasplatte mit den Namen der Opfer werden keine Tische oder Bänke platziert.
Diesen Wunsch der Initiative geben wir an alle Beteiligten weiter und achten bei unseren Veranstaltungen darauf.“