Beim Abstecher in den von der Lokalen Oberurseler Klimainitiative organisierten „Orschel Garten“ konnte sich Franziska Brantner davon überzeugen, dass das Ziel „Klimaneutralität bis 2045“ von vielen Gruppen in der Stadt ernst genommen wird. Da waren auch die Landesvorsitzende der Grünen, Julia Frank (2.v.l.) und Sabine Schwarz-Odewald von den Kreisgrünen (2.v.r.) mit dabei. Foto: js
Oberursel (js). Franziska Brantner, Vorsitzende der Bundes-Grünen, hat beim Besuch in Oberursel kein Patentrezept für eine sichere Empfehlung dabei. Jetzt schnell eine Wärmepumpe einbauen lassen oder doch lieber der guten alten Gasheizung vertrauen? Aber was ist, wenn es kein Gas mehr gibt? Ist wirklich gerade jetzt der richtige Zeitpunkt? Jetzt in dieser Krisenzeit? Und wer vor allem soll das bezahlen? Wie sieht es aus mit staatlicher Förderung? Werden Verbraucher in eine Kostenfalle getrieben? Fragen über Fragen, die das „Heizungsgesetz“ aufwirft. Fragen, mit denen Firmenchef Rüdiger Reul und sein Team des Oberurseler Traditions-Heizungsbauers Reul & Vogt seit fünf Jahren fast täglich konfrontiert werden. Fragen, die immer wieder neue Zwischentöne bekommen, inzwischen wird über die vierte Generation Wärmepumpen gesprochen.
Die Verunsicherung trifft nicht nur Verbraucher, also die Menschen, die ihre Häuser und Wohnungen heizen wollen und warmes Wasser in den Leitungen brauchen. Sie trifft auch das Handwerk, die Heizungsbranche und Betriebe wie Reul & Vogt, seit 100 Jahren in der Stadt verwurzelt. Sie können gar nicht leisten, was von ihnen erwartet wird, weil aufgrund wechselnder Verlässlichkeit gesetzlicher Richtlinien und Ausführungsbestimmungen auch die benötigte Beratungsintensität immer wieder eine neue Note bekommt. Zu wenig Vorinformation von Verbänden ist nur ein Kritikpunkt. „Jeden Tag was Neues, die Bürger und Betriebe sind verunsichert“, so Rüdiger Reul, die Berater aber sollen haften. Franziska Brantner mahnt nur die Bundesregierung zu mehr Entschlossenheit und Tempo bei der Entscheidungsfindung. Die Menschen brauchten Klarheit, was sie in der Heizungsfrage am besten tun sollen
Viel Gesprächsstoff also, wenn in diesen Tagen kurz vor der Kommunalwahl am 15. März Polit-Prominenz vorbeischaut, um sich über die Lage vor Ort im Handwerk zu informieren. Und nebenbei für die eigene Partei im lokalen Umfeld zu werben, sei der Frust über das Thema Wärmepumpen und den Umgang des Gesetzgebers damit noch so groß. Und die Grünen daran beileibe nicht unschuldig. Franziska Brantner, Vorsitzende der Grünen, Bundestagsabgeordnete ihrer Partei und einst Parlamentarische Staatssekretärin (2021 bis 2025) bei Robert Habeck im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und damit drin im Thema, trat beim Ortstermin als Frontfrau der Grünen in der Werkstatt von Reul & Vogt in der oberen Vorstadt am Rand der Altstadt auf. Eingeladen von den örtlichen Spitzenkandidaten fürs Stadtparlament, Susanne Herz und Sven Mathes, sowie jenen für den Kreistag, Patricia Peveling und Sabine Schwarz-Odewald.
Es ist Wahlkampf und dafür werden gute Argumente gebraucht. Die Stimmung im Volk macht es nicht leicht, mit Werbung für eine „Wärmewende“ Pluspunkte zu sammeln. Reul und Juniorchef Jan Backhaus, der das Büro verwaltet und stets schnell und immer wieder nach neuen Vorgaben bei diesem Thema organisieren muss, hätten da einiges auf der Mängelliste, was nicht die Betriebe ändern können. Die Bürokratie etwa, die viel Zeit frisst, inzwischen wird bei einer Arbeitsstunde mit 20 Minuten „interner Arbeit“ kalkuliert. Die kleine Firma ist gut aufgestellt mit sieben Mitarbeitern, darunter fünf mit Meistertitel, alle auf dem jeweils neuesten Stand der Technik für die Wärmewende gerüstet. Meisterbriefe und Diplome an der Wand stehen für Qualität.
Am Beispiel der Zahl 2045 kann Jan Backhaus gut die Problematik der Branche beim Umgang mit der Kundschaft erläutern. Im Jahr 2045 soll die Reißleine gezogen werden, raus aus der Nutzung fossiler Brennstoffe fürs Heizen. Die Rechnung ist einfach. „Für die komplette Umstellung der Kundschaft brauchen wir 15 Jahre“, so Backhaus, „wenn wir jetzt noch Gas oder Ölheizung einbauen, wird das Ziel verschoben“. Beim Einbau neuer Heizung setzen bisher nur 30 Prozent auf Wärmepumpe, auch wegen der unberechenbaren Kosten bleiben Öl und Gas als Energieträger beliebt, vor allem bei der älteren Kundschaft. Kalkuliert wird mit bis zu 30 Jahren Haltbarkeit. Das ist das Gute und gleichzeitig das Dilemma. Backhaus: „Wärmepumpe hat Zukunft, wird Zukunft haben müssen. Sie ist nachhaltig und längerfristig günstiger. Die Investition lohnt sich auch wegen der Zuschüsse.“
Umgarnt von den einen, angezweifelt von anderen, zum Durchbruch am Markt fehlen der Wärmepumpe, auf der Rüdiger Reul hier sitzt, noch viele Fans. Beim Besuch der Grünen-Bundesvorsitzenden Franziska Brantner (3.v.r.) bei der Firma Reul & Vogt war die Stimmung trotzdem gut. Mit dabei Oberursels Spitzenkandidatin der Grünen für die Kommunalwahl, Susanne Herz, Sven Mathes, die Nr. 1 der Kreisliste Patricia Peveling und Junior-Chef Jan Backhaus (v.li.).Foto: js

