Am 24. Februar zeigte der ADFC Hochtaunus e.V. im Dienstagskino des Jugendzentrums Portstraße den Dokumentarfilm Cycling Cities von Ingwar Perowanowitsch.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Städte lebenswerter werden und Mobilität gleichzeitig praktikabel und klimafreundlich gestaltet werden kann.
Europa zeigt, was möglich ist
Die Beispiele aus Amsterdam, Utrecht, Gent und Kopenhagen machen deutlich, dass konsequente Planung Wirkung zeigt. Sichere und durchgängige Radwege, klare Verkehrsführung, Parklösungen außerhalb der Innenstädte sowie mehr Raum für Aufenthalt und Grünflächen führen zu spürbar höherer Lebensqualität. Diese Städte haben nicht darüber diskutiert, ob sie handeln sollen, sondern wie sie es konkret umsetzen.
Was bedeutet das für den Hochtaunus
In der anschließenden Diskussion wurden die Kreistagskandidaten gefragt, welche Ideen sie für den Ausbau des überörtlichen Radwegenetzes im Hochtaunuskreis haben. Der Wunsch nach Verbesserungen war fraktionsübergreifend vorhanden. Konkrete, fachlich belastbare Konzepte blieben jedoch häufig oberflächlich.
Unsere Position ist eindeutig
Radwege sind Infrastruktur. Straßen sind ebenfalls Infrastruktur. Beides gehört zu einer funktionierenden Mobilitätsstruktur im Hochtaunus.
Wir wollen Rad und Auto gleichermaßen stärken. Wir wollen weder bevorzugen noch verdrängen. Unser Ziel ist ein vernünftiges Miteinander der Verkehrsträger, das den realen Bedürfnissen unserer Region entspricht.
Überörtliche Radwege scheitern in der Praxis häufig an langwierigen Planfeststellungsverfahren, komplexen Beteiligungsvorschriften und fehlender Bündelung von Zuständigkeiten. Wer hier schneller vorankommen will, muss Verfahren effizienter gestalten, Planungskapazitäten ausbauen und Projekte klar priorisieren.
Gleichzeitig gilt: Auch der Straßenbau und die Unterhaltung bestehender Infrastruktur dürfen nicht vernachlässigt werden. Pendler, Familien, Handwerk und Gewerbe sind auf eine leistungsfähige Straßenanbindung angewiesen. Mobilitätssicherheit bedeutet, alle Wege mitzudenken.
Aufenthaltsqualität gehört zur Mobilitätsdebatte
Der Film hat gezeigt, dass weniger versiegelte Verkehrsflächen mehr Raum für Menschen schaffen. Bäume, sichere Querungen, breitere Wege und attraktive Plätze steigern die Aufenthaltsqualität in Innenstädten und stärken auch den Einzelhandel.
Gleichzeitig müssen Pflege und Unterhaltung dauerhaft finanziert werden. Wer mehr Grün fordert, muss auch die Folgekosten benennen und verantwortungsvoll einplanen. Solide Haushaltsführung und langfristige Perspektive sind Voraussetzung für nachhaltige Stadtentwicklung.
Mobilität realistisch denken
Der Hochtaunus ist kein flaches Ballungsgebiet. Unsere Topografie und die Pendlerstruktur stellen besondere Anforderungen. Es geht nicht um ein Gegeneinander einzelner Verkehrsträger, sondern um funktionierende Gesamtstrukturen.
Dazu gehören sichere Alltagsverbindungen zwischen den Kommunen, eine gute Verzahnung mit Bus und Bahn sowie eine pragmatische Prioritätensetzung. Symbolische Debatten helfen nicht weiter. Entscheidend ist, was tatsächlich umgesetzt wird.
Fazit des Abends
Der Film hat inspiriert. Die Diskussion hat deutlich gemacht, dass zwischen Anspruch und Umsetzung im Hochtaunuskreis noch erheblicher Handlungsbedarf besteht.
Lebenswerte Städte entstehen durch Fachkenntnis, klare Prioritäten und konsequentes Handeln. Genau dafür stehen wir.
