Hochtaunus (kw). Der Name bezieht sich auf den rötlichen Schimmer des Rotbuchenholzes, was den Baum optisch deutlich von anderen Buchenarten unterscheidet. Volkstümlich wird die Rotbuche einfach „Buche“ genannt, denn sie ist eine der häufigsten Baumarten Deutschlands: Bundesweit nimmt sie 16 % der Waldfläche ein, in Hessen sogar 35 %, und ist hier ein vertrauter Waldbaum.
Die heimische Buche tauchte erst relativ spät – vor ungefähr 6.000 Jahren – nördlich der Alpen auf, als hier schon Kiefern-Birkenwälder, danach Eichen- und Haselnusswälder sowie andere Laubbäume wieder Fuß gefasst hatten. Sie hatte sich aus einer Mutation der Orientbuche in Südeuropa entwickelt und breitete sich in Deutschland weiter aus, als das Klima vor 3.000 Jahren kälter wurde.
Die Menschen brauchen seit 2.000 Jahren immer mehr Raum für Siedlung und Ernährung. War noch zur Römerzeit Germanien ein „Land der finsteren Wälder und schrecklichen Sümpfe” (frei nach Tacitus), so kam es im Zeitraum 300 bis 600 n. Chr. zu ersten großen Rodungen, die sich ab 800 bis 1300 n. Chr. noch verstärkten. Um 1300 war der Wald in Deutschland, der zuvor fast geschlossen war, bis auf etwa ein Drittel zurückgedrängt worden.
Die intensive Nutzung des Waldes führte um 1800 überall in Deutschland zu seiner Zerstörung. Mit der beginnenden Stallhaltung des Viehs und der Gewinnung der Steinkohle als Brennstoff konnten planmäßige Wiederaufforstungen beginnen, die heute nach 200 Jahren zu den vertrauten heimischen Wäldern geführt haben.
In Deutschland gibt es heute auf 30 % der Fläche wieder Wald, in Hessen auf 41 %. In unbesiedelten Gebirgen Südosteuropas kann man auch heute noch Wälder mit stattlichen Buchen im Alter von bis zu 300 Jahren finden.
Vielfalt des Waldnutzens
Die Nutzung von Buchenholz, das im Zuge der Waldpflege und Waldverjüngung in nachhaltiger Weise gewonnen wird, liefert den Baustoff für Hausbau als Balken, Bretter, Spanplatten, Sperrholz, Treppen, Parkett u.a. Buchenholz ist auch der Rohstoff für die Gewinnung von Zellstoff und Papier sowie Viskose zur Herstellung von Textilien.
Buchenwälder der Zukunft
Die Trockenjahre 2018 bis 2020 haben zu erheblichen Schäden auch im Buchenwald geführt, erkennbar an der vorzeitigen Verfärbung der Blätter und dem frühen Abwurf. Die Kronenzweige werden von der Spitze her kahl. Am Stamm tritt aus Rissen der Rinde sogenannter “Schleimfluss” aus, ausgelöst durch Bakterien. Auch Pilze dringen ein und zersetzen das Holz. Insekten befallen die geschwächten Bäume. Deshalb brechen Äste oder auch ganze Kronen plötzlich ab. Vorsicht beim Betreten der alten Buchen-Bestände ist zur Zeit dringend geraten.
Unter den Altbäumen wachsen bei ausreichender Lichtsteuerung zur Einleitung der Verjüngung – etwa ab einem Alter von 100 Jahren – aus den Bucheckern die Buchenkeimlinge heran. Sie bilden nach wenigen Jahren schon einen mannshohe “Naturverjüngung”. Diese kann auf weniger dichten Teilflächen mit Mischbaumarten ergänzt werden. So kann das Risiko künftiger Trockenjahre durch die Heranziehung von Mischbeständen deutlich gegenüber Reinbeständen mit nur einer Baumart gemindert werden, wie es schon seit Jahrzehnten zu sehen ist. Dazu braucht es jedoch mehrere Generationen von Fachleuten, wie die Zeit des Wiederaufbaus nach den beiden Weltkriegen gezeigt hat.(gs)
Ihr rötliches Holz und vielleicht auch die farbenfrohe Herbstfärbung geben ihr ihren Namen: Die Rotbuche Foto: Pixabay
