Warum sich Bioplatik durchsetzen wird

Schwalbach (sz). Rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörer haben am Mittwoch vergangener Woche im Hörsaal der Albert-Einstein-Schule einen Vortrag von Urs J. Hänngi besucht. Die Veranstaltung fand im Rahmen der WiTechWi-Reihe statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Bioplastik eine tragfähige Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen sein kann.

Zu Beginn zeichnete Urs Hänngi die Entwicklung thermoplastischer Kunststoffe wie Polyethylen und Polypropylen nach. Diese Kunststoffe werden aus Ethylen und Propylen hergestellt, die als Nebenprodukte bei der Erdölraffination anfallen. Einen entscheidenden Schritt habe 1953 der Chemiker Karl Ziegler mit der Entwicklung der katalytischen Polymerisation ermöglicht. Heute würden weltweit rund 400 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr produziert. In Deutschland liege der Verbrauch bei etwa 11 Millionen Tonnen, von denen rund 6 Millionen Tonnen im Abfall landeten.

Vor diesem Hintergrund stellte Urs Hänngi drei Biokunststoffe vor: polymerisierte Stärke, Polylactid und Polyhydroxybutyrat. Stärkekunststoffe würden etwa für Bioabfallbeutel oder Mulchfolien eingesetzt und seien kompostierbar. Polylactid werde häufig für transparente Lebensmittelverpackungen genutzt, sei jedoch nur bis 55 Grad Celsius stabil. Polyhydroxybutyrat halte Temperaturen bis zu 130 Grad Celsius stand, habe ähnliche Eigenschaften wie Polypropylen und könne von Mikroorganismen vollständig abgebaut werden.

Seit 1992 treibt die Firma „Biomer“ mit Sitz in Schwalbach die Entwicklung von Werkstoffen auf Basis von Polyhydroxybutyrat voran. Urs Hänngi ist Inhaber des Unternehmens. Die Fermentation des Grundstoffs erfolgt nach seinen Angaben in Asien, die Weiterverarbeitung in Forst bei Cottbus.

Als Hürden für die Verbreitung von Biokunststoffen nannte Urs Hänngi den im Vergleich zu fossilen Kunststoffen höheren Preis sowie rechtliche Vorgaben in der Europäischen Union. So würden Biokunststoffe im Einwegartikelrecht und im Recyclingrecht herkömmlichen Thermoplasten gleichgestellt.

Dennoch äußerte er sich zuversichtlich. Verändertes Kaufverhalten, internationale Märkte und mögliche Verschiebungen im Energiesektor könnten die Rahmenbedingungen verändern. Bioplastik sei nachhaltig, beruhe auf nachwachsenden Rohstoffen und ermögliche ein natürliches Recycling, lautete sein Fazit.

Urs Hänngi ist Inhaber des Schwalbacher Unternehmens „Biomer“.Foto: Kulturkreis



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