Schwalbach (MS). Vor drei Monaten hat die Stadt die Schranken im Parkdeck unter dem Marktplatz abmontieren lassen. Seither wird die Parkzeit mit einer automatischen Kennzeichenerkennung erfasst. Gerade in der Anfangszeit gab es dadurch teure Überraschungen für einige Autofahrerinnen und Autofahrer.
Bei der Einfahrt in das Parkdeck werden jetzt alle Autokennzeichen automatisch fotografiert und gepeichert. Die Fahrerinnen oder Fahrer sind auf den Bildern nicht zu erkennen. Auch werden keine Video-Aufnahmen gemacht. Bei der Ausfahrt wird erneut fotografiert, so dass das System immer „weiß“, wer wie lange im Parkdeck gestanden hat.
Zwar ist die erste Stunde nach wie vor kostenlos. Erst ab der zweiten Stunde wird ein Euro je angefangener Stunde fällig. Der Tageshöchstsatz beträgt neun Euro. Doch wer einfach aus dem Parkdeck herausfährt, ohne zu bezahlen, muss mit einer Strafgebühr von satten 54 Euro rechnen – auch wenn er nur eine Stunde und eine Minute lang geparkt hat.
Gerade in der Anfangszeit rieben sich einige Schwalbacherinnen und Schwalbacher die Augen, als sie die entsprechende Post von der Firma „Mobility Hub Parkservice GmbH“ bekommen haben, die das Parkdeck im Auftrag der Stadt „bewirtschaftet“. So berichtet eine 85-jährige Schwalbacherin von einem Arztbesuch mit ihrem ebenfalls betagten Mann Ende Oktober. Keine zwei Stunden hatte sie ihr Auto unter dem Marktplatz abgestellt. Die neuen Schilder hatte das Paar in der Aufregung des Arztbesuchs übersehen und war durch die offene Ausfahrt nach Hause gefahren, ohne überhaupt daran zu denken, dass vielleicht eine Parkgebühr fällig geworden sein könnte. Kurze Zeit später kam der Brief von „Mobility Hub“. Auch ein Protestbrief an Bürgermeister Alexander Immisch führte nicht zur Begnadigung. Die Frau spricht von einer „großen Schweinerei“ und von „Abzocke“ und meidet seither das Limes-Einkaufszentrum.
Ende November traf es dann eine Gesangsgruppe aus Frankfurt, die beim Konzert „Weihnachtslieder aus aller Welt“ aufgetreten war. Gleich mehrere Mitglieder mussten die 54-Euro-Strafe bezahlen.
Kulanz ließen Betreiber und Stadt nur in der ersten Woche nach der Umstellung gelten. Achim Lürtzener, der Sprecher der Stadtverwaltung, berichtet auf Anfrage der Schwalbacher Zeitung, dass sich seit Oktober nur zehn Bürgerinnen und Bürger über eine Vertragsstrafe im Rathaus beschwert haben. Seit Jahresbeginn waren es nur noch zwei. Er verweist darauf, dass die Stadt die Umstellung mit mehreren Zeitungsartikeln, Posts auf Social Media, Flyern und nicht zuletzt mit zahlreichen Schildern im Parkdeck selbst bekannt gemacht hat. Mittlerweile gibt es auch direkt an der Ausfahrt noch ein großes Schild, dass unübersehbar daran erinnert, dass vielleicht eine Parkgebühr fällig sein könnte.
Drei Monate nach der Umstellung zieht die Stadt eine „durchweg positive Bilanz“. „Das schrankenlose System funktioniert technisch rundum zufriedenstellend“, sagt Achim Lürtzener. Tatsächlich ist das neue System viel einfacher als die alten Schranken. Wer weniger als eine Stunde unter dem Marktplatz parkt, kann einfach rein und wieder heraus fahren. Steht das Auto länger als eine Stunde, ist die Abrechnung genauso einfach wie früher. Statt einen Parkschein in den Automaten zu stecken, muss nun das Autokennzeichen eingetippt werden. Sekunden später erscheint die fällige Parkgebühr und es kann mit Münzen, Scheinen oder online bezahlt werden.
Wer dann doch einmal vergessen hat, zum Automaten zu gehen, hat noch 24 Stunden Zeit, seine Gebühren im Internet zu bezahlen. Dazu muss man auf die Seite mh-parkservice.de gehen und dort den Bereich „Zur Nachbezahlung“ anklicken. Dann kann man wie am Automaten sein Kennzeichen eingeben und mit verschiedenen Kredit- oder Debitkarten bezahlen. Auch „Apple Pay“ und „Google Pay“ werden akzeptiert.
Unübersehbar erinnert mittlerweile ein großes Schild an der Ausfahrt des Parkdecks unter dem Marktplatz daran, dass die Parkgebühren bezahlt werden müssen, auch wenn keine Schranke mehr vorhanden ist. Foto: Schlosser
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