Bad Homburg (gw). Für die Feier eines 120. Geburtstags gibt es sicherlich keine Blaupause, aber das Fest, mit dem die Fußballer der Spielvereinigung 05 Bad Homburg am Samstag dieses außergewöhnliche Jubiläum auf der Sportanlage an der Sandelmühle im Herzen der Kurstadt gefeiert haben, könnte durchaus als beispielhafte Vorlage dienen.
Rund 500 Zuschauer hatten ihre Freude an dem vom Vorstand in monatelanger Vorbereitung aufgestellten Programm, zu dem auch das Abspielen der Vereinshymne, eine Autogrammstunde mit Kult-Trainer Dragoslav „Stepi“ Stepanovic sowie die Einweihung der „Hermann-Kranz-Tribüne“ am Rande des Kunstrasenplatzes gehörten. Nicht zu vergessen die musikalische Untermalung durch DJ Kalli aus Wehrheim mit Hits aus 60 Jahren sowie attraktive Mitmach-Angebote für die Kinder – von einer Hüpfburg bis zum Torwandschießen.
Höhepunkt der Festveranstaltung war jedoch das Fußballspiel zweier Legenden-Mannschaften. Eine Ü-40-Hochtaunus-Auswahl musste sich dabei dem Prominenten-Ensemble jener SG Hoechst Classique mit 0:9 geschlagen geben, die vor Kurzem in Berlin deutscher Meister der Altersklasse 50 geworden ist.
Der deutsche Meister war in der Besetzung Voigt, Gerber, Daga, Drastig, Micetic, Hartmann, Ferreiro, Akkus, Becker, Akkus, Balzer, Müller und Klingenstein angetreten, und für die Auswahl haben Cronnen, Klein, Leber, Remy, Lilge, Wesser, Maric, Magurano, Diehl, Zadravec, Incesu, Halfft, Allgaier, Carotenuto und Allgaier die Schuhe geschnürt. Für den Anstoß beim Promi-Kick hatte Werner Remy gesorgt. Der inzwischen 93-jährige, immer noch überaus rüstige Rentner war anno 1952 auf dem Höhepunkt seiner aktiven Laufbahn mit dem 1. FC 04 Oberursel Hessenpokalsieger geworden.
Für SG Hoechsts Torjäger Sven Müller, der zwei Treffer selbst erzielte und die Vorlagen zu drei weiteren Toren gegeben hatte, sowie die Torhüter Holger Voigt und Toni Eid war die Jubiläumspartie eine Rückkehr in die Vergangenheit, denn dieses Trio hatte in glanzvollen Oberliga-Zeiten selbst das Trikot der Nullfünfer getragen. Es war wenig überraschend, dass nach zweimal 30 Minuten Fußballspielens die „dritte Halbzeit“ in geselliger Runde auf den Bänken rund um das Clubhaus am längsten gedauert hat.
Auch Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) hatte es sich nicht nehmen lassen, der Geburtstagsparty der Nullfünfer persönlich einen Besuch abzustatten. Gemäß dem Motto „Lieber ein Onkel, der ein Geschenk mitbringt, als eine Tante, die Klavier spielt“ überreichte der OB dem Verein, der inzwischen SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg heißt, einen Betrag von 1200 Euro zur Förderung der Jugendarbeit. „Dieser Verein ist ein unglaublicher Botschafter für die gesamte Stadt. Man kann heute schon sagen, dass die Spielvereinigung ein Stück Bad Homburger Kulturgut ist“, lobte Hetjes den Club, der aktuell über zwei Herrenmannschaften (in der Kreisoberliga Hochtaunus und der Kreisliga A) sowie 14 Nachwuchsteams verfügt.
Das exakte Datum ist überliefert: Der Fußballverein in der Kurstadt wurde am 20. August 1905 als SC Germania 05 Homburg gegründet, benannte sich jedoch bereits 1906 in FC Germania 05 Homburg um. Im Februar 1911 erfolgte die Fusion mit dem FC 1908 Kirdorf zur Homburger SpVgg 08. Auch diesen Namen behielt der Verein nur ein Jahr. Nach der Vereinigung mit dem FC Phönix 08 Bad Homburg im Jahr 1912 hieß der Club Homburger FV 05. Durch die Fusion mit den Vereinen Sportclub 1920 Homburg und Homburger Hockeyclub erfolgte die Umbenennung in Homburger Sport-Verein 05. Dieser Name wurde auch beibehalten, als sich 1930 „Vorwärts“ Homburg dem Verein anschloss. Am 1. Oktober 1937 fusionierte der Sport-Verein 05 mit dem Reichsbahn-TuSV 1930 Bad Homburg und nannte sich danach zunächst Reichsbahn SV 05 Bad Homburg und anschließend Reichsbahn SG 05 Bad Homburg.
Unter diesem Namen klopften die Fußballer dann erstmals ans Tor der obersten hessischen Liga, der damals erstklassigen Gauliga Hessen. Am Ende der Saison 1940/41 nahm Bad Homburg an der Aufstiegsrunde teil und scheiterte nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses am SV Wetzlar 05. 1945 wurde die Reichsbahn SG aufgelöst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die SpVgg Bad Homburg Gründungsmitglied der 1950 eingerichteten 1. Amateurliga Hessen, die hinter der 2. Division der Oberliga Süd jedoch nur die dritthöchste Spielklasse war. Aus der Liga stieg die SpVgg jedoch bereits nach einer Saison wieder ab.
1952 gelang der direkte Wiederaufstieg und danach gehörte der Verein der Amateurliga Hessen ununterbrochen bis 1961 an. 1955 konnte die Meisterschaft der Amateurliga Hessen errungen werden, die zur ersten Teilnahme an der deutschen Amateurmeisterschaft berechtigte. Im Finale, das am 25. Juni 1955 in Wetzlar vor 15 000 Zuschauern ausgetragen wurde, unterlag die SpVgg allerdings den Sportfreunden Siegen deutlich mit 0:5. Besser machten es die Bad Homburger am 30. Juni 1973, als sie vor 7000 Zuschauern in Offenbach durch einen 1:0-Sieg im Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern zum ersten und bislang einzigen Mal deutscher Amateurmeister geworden sind.
Die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte erlebten die Fans in den Jahren 1987 bis 1992, in denen die Nullfünfer dreimal Vizemeister wurden und dreimal Platz zwei belegt haben. Gegen Eintracht Trier (1989) und gegen Rot-Weiß Essen (1992) stand die Spvgg. 05 dabei noch zwei weitere Male im Finale, wobei es gegen Trier eine 4:5-Niederlage nach Elfmeterschießen gab und man im Stadion an der Hafenstraße in Essen mit 2:3 das Nachsehen hatte.
In der Saison 1998/99 musste der Verein nach dem 16. Spieltag wegen finanzieller Schwierigkeiten Konkurs anmelden, wurde jedoch am 14. Mai 1999 unter dem Namen SC 99 Bad Homburg neu gegründet, und im Jahr 2012 erfolgte die Fusion mit dem FC Bomber zur heute noch aktuellen SpVgg 05/99 Bomber Bad Homburg
Vor dem Anstoß zum Jubiläumsspiel an der Sandelmühle: Dieter Hoyer, Kult-Trainer Dragoslov Stepanovic, Erik Wesser, Sven Müller und Michael Schlosser (v. l.).Foto: gw
Zwei Legenden der Spvgg.05 diesmal als Kontrahenten: Torwart Marcus Croonen (l.) und Torjäger Sven Müller.Foto: gw
Auch mit 93 Jahren noch perfekt am Ball: Werner Remy, der den Anstoß zum Prominentenspiel ausgeführt hat.Foto: gw


