In Parteikreisen wird sie auch „Bundesverdienstkreuz der SPD“ genannt. Die Auszeichnung mit der Willy-Brandt-Medaille ist die höchste Ehre, die die Partei zu vergeben hat. Drei Bad Homburger „Genossen“ sind am Sonntag für ihr engagiertes Lebenswerk im Geiste der Sozialdemokratie ausgezeichnet worden: Wolfgang Herder, Peter Schmidt und Wolfgang Zimmermann.
Bad Homburg. Von draußen fällt die erste Frühlingssonne in die Orangerie im Kurpark, der Kronleuchter im Saal glitzert im Vormittagslicht. Im Hintergrund spielen Werner und Ingrid Saxofon vor einem Blumenstrauß mit zartbunten Ostereiern, es gibt Kaffee, Kuchen und Weißwein. Eine muntere Runde Menschen, die meisten im gesetzten Alter, sitzt da zusammen, ein großes Rollup in dominantem Rot-Ton an der Kopfseite verweist auf den Gastgeber der kleinen Matinee. Zwei Wochen vor der Kommunalwahl verleiht die SPD der Kurstadt drei Willy-Brandt-Medaillen an drei Mitglieder des Ortsvereins. Die Medaille, benannt nach dem Ehrenvorsitzenden, ehemaligen Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt, ist die höchste Auszeichnung, die die SPD im Portfolio hat, seit 1996 wird vergeben. An Leute, die sich um die Sozialdemokratie „in besonderer Weise verdient gemacht haben, für langjähriges herauswirkendes Wirken“.
Männer wie Peter Schmidt, Wolfgang Herder und Wolfgang Zimmermann nennt man gerne Urgesteine. Weil sie ein reifes Alter erreicht haben in all den Jahren ihres meist ehrenamtlichen Engagements, in diesem Fall für die Sozialdemokratie und ihre Kernwerte Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Vielleicht auch, weil sie ein bisschen aus einer anderen Zeit stammen, in der sie ihre Aufgaben gefunden und nie aus dem Blick verloren haben. Unverdrossen und hartnäckig ihren Weg gegangen sind. „Die Geschichte der SPD lebt durch Frauen und Männer, die sich einbringen“, sagt die Parteivorsitzende Elke Barth bei der Begrüßung der knapp 50 „lieben Genossinnen und Genossen“ in der Orangerie. Nicht mit dem Gedanken, was habe ich davon, sondern was ist notwendig.
Das passt perfekt auf das politische Leben von Peter Schmidt auf der örtlichen Ebene in der Kurstadt und zuletzt vor allem in „seinem“ Ortsteil Gonzenheim. Es oblag Jürgen Stamm, Jungspund unter den SPD-Urgesteinen und doch auch schon mit mehr als drei Jahrzehnten Stadtpolitik belastet, die Laudatio zu halten auf den Mann, der in der Partei auch als „Mr. Laternenfest“ gilt für sein Engagement im Projekt „Schwarzbier bei den Roten“. Geachtet und bekannt in Gonzenheim, ein Urgestein eben sei Peter Schmidt, einer der „sich reinknien kann in Dinge, die ihm am Herzen liegen – geradlinig, realistisch, verlässlich, engagiert“, so Stamm. „Er tut und wenn er was macht, dann ist es gemacht.“ So hätte die neue Gymnastikhalle in Gonzenheim aufgrund seines Einsatzes dafür eigentlich auf den Namen Peter-Schmidt-Halle getauft werden müssen, meint Stamm. Schmidt gehörte lange dem Ortsvereinsvorstand an, dem Stadtparlament von 1989 bis 2021, war stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher, im Ortsbeirat Gonzenheim aktiv und dort stellvertretender Ortsvorsteher, als Gewerkschafter im Einsatz, ein Mann für alle Fälle. Stamm: „Ohne deine Mitarbeit wäre die Stadt ein Stück schlechter. Ende März feiert Peter Schmidt seinen 87. Geburtstag.
Dem gleichen Jahrgang gehört Wolfgang Herder an, langjähriger Ortsvorsitzender der SPD und im Anschluss an seine Zeit als Stadtrat in vielen ehrenamtlichen Funktionen unterwegs, im Sport vor und als Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins. Herder sei ein gutes Beispiel für den sozialdemokratischen Leitgedanken des Aufstiegsversprechens durch Bildung, sagte sein Laudator, der frühere hessische Finanzminister und Landtagspräsident Karl Starzacher. Mit einer Lehre als Maschinenschlosser ist Herder ins Berufsleben eingestiegen, zur SPD ist er 1974 gestoßen und damals auch zum Deutschen Sportbund, wo er in der Pressearbeit aktiv war. Später landete er als Referatsleiter im Finanzministerium, schrieb Reden, war für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Und wurde 1996 Stadtrat und Sozialdezernent in Bad Homburg.
Noch einer, der immer und bei allem mit Herzblut dabei ist, ist Wolfgang Zimmermann, „waschechter Homburger“, der mit seinen nun 94 Jahren schon 73 Jahre SPD auf dem Buckel hat. 30 Jahre im Stadtparlament, Fraktionsvorsitzender, lange Awo-Vorsitzender und Vorsitzender des Sportausschusses. Und er war pädagogischer Leiter an der GaG, sieht sich selbst als Geschichtenerzähler, die Arbeit mit den Jugendlichen war dem Mahner in der historischen Betrachtung immer wichtig. Der SPD ist er treu geblieben, weil die Partei immer wieder versucht habe, „den falschen Gang der Geschichte zu korrigieren.“ Wolfgang Zimmermann, bekannt unter seinem Kürzel „WoZi“ als Schreiber, ist heute bekannter Lokalhistoriker, für seine eigenen Anmerkungen zur Geschichte nach der Laudatio von Staatssekretärin Kathrin Hechler bekommt er stehenden Applaus.
Die Parteivorsitzende der Bad Homburger SPD, Elke Barth (l.) und Staatssekretärin Kathrin Hechler (r.) freuen sich Peter Schmidt, Wolfgang Herder und Wolfgang Zimmermann (v. l.) mit der Willy-Brandt-Medaille auszeichnen zu können.Foto: js
Kathrin Hechler und Elke Barth lesen die Ernennungsurkunde für Wolfgang Zimmermann vor.Foto: js
„Mr. Laternenfest“, so lautet der Spitzname von Peter Schmidt innerhalb der SPD. Das bringt auch Elke Barth zum schmunzeln.Foto: js


