Ein Hauch von Knef, ein Funkeln von Meta

Von Janine Stavenow

Bad Homburg. Gleich zwei Gründe, um mit viel Musik und guter Stimmung zu feiern, gab es am Silvesterabend. Zum einen sollte das alte Jahr gebührend verabschiedet und das neue Jahr begrüßt werden, zum anderen stand ein 100. Geburtstag im Kalender. Am 28. Dezember 2025 hätte die einzigartige Künstlerin Hildegard Knef diesen besonderen Ehrentag begangen. Und so lud Sängerin Meta Hüper das Publikum ein, mit ihremJubiläumsprogramm „Knef reloaded“ kräftig zu feiern.

Mitgebracht hatte die Berliner Chansonnière nicht nur zahlreiche Klassiker von Hildegard Knef, sondern auch ihre vierköpfige Band. Pianist und Arrangeur Markus Syperek, Bassist Andreas Henze, Schlagzeuger Tobias Backhaus und Saxofonist James Scannell begleiteten Hüper gekonnt durchs Silvesterprogramm und begeisterten das Publikum im Kurtheater mit großer Spielfreude, Elan und musikalischem Können. Sie waren es auch, die auf den abwechslungsreichen und kurzweiligen Abend mit jazzigen Klängen einstimmten, bevor Meta Hüper – bekleidet mit schwarzer Hose, engem Glitzertop und Hut – die Bühne betrat.

Es dauerte nur ein paar Takte, und schon schien die Zeit um Jahre zurückgedreht worden zu sein. Der von Cole Porter komponierte Song „Nichts haut mich um – aber du“ erklang. Schon hier wurde die Besonderheit des Abends deutlich: Meta Hüper sang zwar Hildegard Knef, nicht jedoch, ohne den bekannten Liedern ihre ganz eigene, moderne Note zu verleihen und so immer wieder mit unbekannten Interpretationen zu überraschen. Die Musikerin überzeugte nicht nur durch ihren Gesang, sondern inszenierte die Stücke durch den Einsatz von Geige und singender Säge zu einem Gesamtkunstwerk. Meta Hüper ist – nicht nur wegen der fehlenden rauchigen Stimme – keine zweite Hildegard Knef. Aber ihr Programm ist durchaus hörens- und sehenswert.

„Meine erste Begegnung mit Hildegard Knef hatte ich, als ich 16 Jahre alt war. In einer Samstagabend-Show sang die Band ‚Extrabreit‘, und mittendrin auf der Bühne war eine verrückte Alte – Hildegard Knef. Eine richtige Berlinerin, burschikos, schrill, cool. Mich hat ihre Persönlichkeit sehr beeindruckt“, erzählte Hüper und sang dann das Lied „Das Glück kennt nur Minuten“.

Hildegard Knef wurde zwar im Dezember 1925 in Ulm geboren, doch schon als sie sechs Monate alt war, starb ihr Vater, und die Mutter zog mit ihrer Tochter nach Berlin. Ihr ganzes Leben lang ließ diese Stadt sie nicht mehr los. Als musikalische Liebeserklärung an die deutsche Hauptstadt erklang das Lied „In dieser Stadt“, in dem Knef einen Blick zurück auf Kindheit und Jugend wirft und Heimweh deutlich wird. Und trotzdem: Der Knef war Stillstand fremd. Sie war auf der Suche nach Leben, nach Abenteuer, nach dem großen Glück. „Hildegard Knef war eine Umzugsqueen. Sie ist 50 mal in ihrem Leben umgezogen“, informierte die Künstlerin. Passendes, humorvolles Lied dazu: „Tapetenwechsel“.

In den Nachkriegsjahren trat Knef öfter als Sängerin in Erscheinung, auch in Filmen wie „Alraune“, Illusion in Moll“ und „Schnee am Kilimandscharo“. „Cole Porter sah sie in diesem Film und war schockverliebt“, erzählte Meta Hüper. Er engagierte sie für die Musicalinszenierung „Silk Stockings“, in der sie in der Rolle der Ninotschka am Broadway spielte. In New York lernte sie auch Marlene Dietrich kennen. Songs wie „Illusionen“, „Ich glaub’, ‚ne Dame werd’ ich nie“, „17 Millimeter“ und „Ich möchte am Montag mal Sonntag haben“ waren musikalischer Ausdruck dieser Zeit.

„Hildegard Knef hat sich immer wieder neu erfunden. Sie war Malerin und Schauspielerin, ein Broadway-Star, Sängerin und Songtexterin. Sie hat unermüdlich gearbeitet und den deutschen Chanson zum Leben erweckt“, betonte Hüper und läutete mit diesen anerkennenden Worten das große Finale ein. Mit Klassikern wie „Sei mal verliebt“, „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“, „Eins und eins, das macht zwei“ sowie natürlich „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ verabschiedete sich die Berliner Sängerin von ihrem beeindruckten Publikum. „Möget ihr auf Rosen ins neue Jahr gleiten.“

Die Berliner Sängerin Meta Hüper und ihre vierköpfige Band lassen das Jahr 2025 mit den großen Klassikern von Hildegard Knef auf der Bühne des Kurhauses ausklingen.Foto: jas

Immer wieder greift die Berliner Chansonnière auch zur Geige.Foto: jas

Meta Hüper beherrscht die Kunst, auf der singenden Säge zu spielen.Foto: jas

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