Bad Homburg. Die Resonanz auf das Schaulaufen vor dem Kurhaus überrascht den Kurdirektor. Die Entscheidung, den Start der Rallye Monte Carlo Historique bei der 28. Auflage auf einen Sonntag zu legen, entpuppt sich als Volltreffer. Schon lange nicht mehr strömten so viele Menschen zum Kurhaus, um ein paar bunte Autos auf die Reise nach Monaco zu schicken und dabei kurz ein sattes Röhren und eher verpönte Abgase zu inhalieren. Fast 2000 Menschen waren live dabei.
Natürlich waren sie wieder da. Diejenigen, die immer noch oder immer wieder davon träumen, dass Bad Homburg erneut ein „richtiger“ Standort der Rallye Monte Carlo wird. Wie damals, von 1977 bis 1979, als die Kurstadt eine der exklusiven Stationen war, die zur Familie der berühmtesten und legendärsten Rallye gehörten. Als Rallyefahrer mit klangvollen Namen die Rampe verließen für das lange Abenteuer mit dem Ziel Monte Carlo. Als vielleicht noch ein paar Damen mehr in Pelz zur Abfahrt winkten als am Sonntag.
Und gilt nicht die Spielbank im Kurpark als „Mutter von Monte Carlo“? Greift nicht Homburg, die geadelte Bäderstadt auch gerne nach neuen Meriten? Jörg Hölzer, der 2019 verstorbene langjährige Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft hat daran geglaubt und gehofft, dass die Kurstadt wieder Startort für die Elite werden könnte. Mit seinem ebenfalls verstorbenen Partner Günter Krause hat er sich immer als „Bad Homburg-Botschafter“ in offizieller Mission verstanden, dreimal in Folge war das Team bei der Rallye Historique dabei, der kleinen Schwester der großen „Monte“. In ihrem orangefarbenen BMW 2002 ti Baujahr 1975 hatten sie stets ein Heimspiel.
Die große Tour wird nicht zurückkommen, bei dieser Frage schüttelt Kurdirektor Holger Reuter sofort den Kopf. Das Spiel läuft heute anders, aber immerhin ist die „Historique“ geblieben, mit sechs Startorten in Europa. Seit 1998 ist sie fester Bestandteil im Rennkalender, neben Bad Homburg starten die Piloten der Oldtimer in Barcelona, Monte Carlo, Reims, Turin und in John O’Groats an der Nordspitze Schottlands. Das Feld der Starter ist überschaubar geworden, gemeldet sind bei der Auflage 2026 nur zehn Teams auf der bescheidenen Liste. Aus den Nordlanden kommen nach dem Rückzug von Kopenhagen als Startort Fahrer und Beifahrerinnen wie Helena Anna Stubberud aus Norwegen, andere aus Dänemark und Schweden zum Auftakt in die Kurstadt. Auch vier deutsche Teams sind am Start, lokale Rallyehelden fehlen.
Zu erzählen hat der Oldtimer-Experte Peer Günther beim ausgiebigen Vorspiel auf dem Kurhausvorplatz dennoch genug. Ein wandelndes Autolexikon der Mann mit Mikrofon und Mütze im roten Anorak, in seinem Kopf gespeichert unglaublich viele Daten, Zahlen, Fakten und auch Anekdoten zu Fahrzeugen und Besatzungen, mit denen er das Publikum vor dem Start unterhält. Die Reihen der Fans werden dichter, umlagert die Fahrzeuge, selbst die der „Vorfahrer“ mit HG-Nummernschild, damit der Hauptakt nicht so schnell vorbei ist.
Das Vorspiel hat bereits am Tag zuvor begonnen. Da mussten alle zum Check-in und zur technischen Abnahme der Autos in der „Central Garage“ mit Automuseum vorfahren. Alles muss seine Ordnung haben, alle Auflagen erfüllt sein, damit es die endgültige Starterlaubnis gibt. Da kennen die extra aus Monte Carlo angereisten „Kommissare“ des Veranstalters Automobil Club de Monaco (ACM) kein Pardon. Daumen hoch konnten am Ende die Herren Christophe Ponset und Gilles Convertini in den dunkelblauen Arbeitsuniformen signalisieren. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) fungiert als Schnittstelle zwischen Stadt, Kurverwaltung und dem Veranstalter aus Monaco, natürlich ist sein Präsident Lutz Leif Linden vor Ort und schwenkt am Start die deutsche Fahne mit dem Logo der Rallye.
Um Punkt 14 Uhr senkt Lutz Leif Linden die Fahne für Jens Gandrup Jorgensen und seinen Copiloten Kent Lejsgaard Poulsen mit der Startnummer 15 aus Dänemark. Der Alfetta GTV aus dem Stall Alfa Romeo darf als Erster auf die Piste, danach folgen im Minutenabstand Porsche und Fiat, Volkswagen, Opel, Saab und Ford.
Den Traum vor Augen haben alle, nach der finalen Etappe mit der „Nacht der langen Messer“ in den kurvigen Seealpen auf der Fahrt über die Höhen mit Schnee und Eis wollen alle im Hafen von Monte Carlo feiern oder sich feiern lassen. Nach einer knappen Viertelstunde Hauptakt verstummen die aufröhrenden Motoren, verfliegt der Benzingeruch, vor dem Kurhaus kehrt schnell die sonntägliche Ruhe zurück. Die Fans haben ihre begehrten Bildmotive im Kasten oder im Smartphone, auf der Strecke müssen die Piloten ihre Spezialaufgaben alleine lösen.
Oldtimer-Experte Peer Günther am Mikrofon (r.) ist ein wandelndes Autolexikon. Sein Wissen gibt er gern an die Zuschauer weiter, die den Start der Rallye Monte Carlo Historique auf dem Kurhausvorplatz verfolgen.Foto: js
Lutz Leif Linden senkt die Fahne für Jens Gandrup Jorgensen und seinen Copiloten Kent Lejsgaard Poulsen aus Dänemark. Der Alfetta GTV geht als Erster an den Start vor dem Kurhaus.Foto js
Funkelndes Chrom und auf Hochglanz polierte Karosserien – die Rallye Monte Carlo Historique lässt die Herzen von Oldtimer-Fans höher schlagen.Foto: js


