Man müsste noch mal zwanzig sein...

Bad Homburg (xes). Sie leben ihre Leidenschaft: „An fünf Wochenenden hintereinander Fastnacht feiern, wo gibt’s das noch?“, fragt Sitzungspräsident Volker Göbel rhetorisch im voll besetzten Bürgerhaus. Statt einer Antwort kommt lang anhaltender Applaus, das gibt es also wohl wirklich nur in Kirdorf. Kein Wunder, Nachwuchssorgen gibt es hier nicht: Gleich zur Eröffnung präsentieren die „Stöpsel“ ihr tänzerisches Können, 22 Kinder ab vier Jahren, die zum Thema Unterwasserwelt und Zirkus in fantasievollen Kostümen auf der Bühne alles geben.

Als „Stars des Vereins“ bezeichnet Volker Göbel zu Recht die kleinen Tänzerinnen und Tänzer und wird dabei auch ein bisschen wehmütig: „So schön und friedlich könnte die Welt sein“, sagt er und lädt ein, den heutigen Abend zu genießen, sich ein bisschen treiben zu lassen – um mit neuer Kraft gemeinsam an einer besseren Welt arbeiten zu können. Fastnacht ist eben mehr als ein Fest, so beschreibt es Prinzessin Anniie I vom Club Humor, die sich zur Kolpingfastnacht zusammen mit ihrem Hofstaat die Ehre gibt, in ihrer Proklamation. Viele Termine hat die Hoheit in dieser Zeit zu absolvieren, aber den Zeitdruck merkt man ihr nicht an, sie findet herzliche Worte, hat immer ein kleines Geschenk dabei und darf sich am heutigen Abend selbst über schön gestaltete Kerzen als Erinnerung an diese Fastnachtssaison freuen. Gesang und Tanz spielt auch im weiteren Verlauf des Abends die Hauptrolle: Die Tanzgruppe „Böbbcher“ tanzt rund um den Bad Homburger Sommer, die „Kolping Chickz“ tanzen zum Thema „Zeit“, das Kolping Männerballett steht als Handwerkertrupp auf der Bühne, die „Traumbuben“ haben schon an hessischen sowie deutschen Meisterschaften teilgenommen und treten zu Abba-Hits auf. „Kolpingcapella“ präsentieren fünfstimmigen Gesang, speziell auf Kirdorf zugeschnitten.

Selbst in der Bütt hat erst mal der Nachwuchs das Sagen: Clara Schmidt und Inken Plumpe gaben letztes Jahr ihr Debüt und es hat ihnen so gut gefallen, dass sie in diesem Jahr wieder in die Bütt steigen und von ihren Erlebnissen als Fußballerinnen erzählen. Sie sind erfolgreich und auch wenn es mit den Eltern, die über ihre Kinder das erreichen wollen, was ihnen früher selbst nicht gelungen ist, manchmal anstrengend wird („Wenn wir mal verlieren, das geht den Papas an die Nieren“), das Spielen macht ihnen Spaß; die schicken Trikots spielen dabei natürlich auch eine Rolle. Am Ende entscheiden Sie sich dann doch gegen den Fußball, Fazit: „Fußball war unser Leben.“ Aber den beiden aufgeweckten Mädchen bleibt noch genug anderes zu tun, Sitzungspräsident Volker Göbel verleiht ihnen noch auf der Bühne je eine Urkunde für zehn Jahre Mitgliedschaft im Chor; spätere Gesangskarriere nicht ausgeschlossen, den beiden stehen alle Möglichkeiten offen. Waldemar Wehrheim dagegen hat es als Senior nicht leicht und die „Kirdorfer Tontauben“ sagen sich „Man müsste noch mal zwanzig sein.“ Aber im Vortrag folgt dann bald voller Überzeugung das Lied „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“. Es kommt nämlich auf die Sichtweise an: Vielleicht lassen sich in späteren Jahren nicht mehr alle Pläne umsetzen und mit Sicherheit ist das Leben nicht immer so gelaufen, wie man sich das vorgestellt hatte, aber anstatt sich zu sagen „Man müsste noch mal jung sein, um alles besser machen zu können“, könnte die Devise ebenso lauten: „Man könnte auch zufrieden sein mit dem, was man hat.“ Klaus Ernst sinniert zu dieser Frage bei Ebbelwoi und Kirdorfer Chronik, er kommt zu dem Schluss, dass „siebzig Jahre im Schatten des Kirdorfer Doms“ sowieso so ziemlich das Beste ist, das einem passieren kann. Das können die Kirdorfer unterschreiben.

Unterwasserwelt und Zirkus diese beiden Themen haben die „Stöpsel“ auf der Bühne in einem Tanz umgesetzt und dafür reichlich Applaus bekommen.Foto: xes

Klaus Ernst sinniert in der Kolping-Bütt über das LebenFoto: xes

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