Mehr Lebensqualität für Gebärmutterkrebspatientinnen

Bad Homburg (hw). Die Hochtaunus-Kliniken beteiligen sich an nationalen und internationalen wissenschaftlichen Projekten und Studien und sind dazu in verschiedene Forschungsnetze eingebunden. In klinischen Studien werden neue Medikamente und Therapieansätze in veränderter Kombination eingesetzt, um Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Das neuste Projekt ist die Teilnahme der Frauenklinik an der sogenannten G-LACC–Studie. Dabei handelt es sich um eine operative Nicht-Unterlegenheitsstudie, deren Ziel es ist, die Therapie von Gebärmutterhalskrebs zu verbessern.

Gebärmutterhalskrebs ist die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen weltweit und betrifft vor allem junge Frauen. Die Standardbehandlung von Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium besteht zumeist in der Entfernung der gesamten Gebärmutter, des oberen Teils der Scheide, eines Teils des Halteapparates der Gebärmutter und der zugehörigen Lymphknoten. Ursprünglich wurde die Operation über einen Bauchschnitt – die so genannte abdominale radikale Hysterektomie – durchgeführt. Diese jedoch bekam im Lauf der vergangen Jahre „Konkurrenz“ durch die minimalinvasive Chirurgie. Bei diesem Verfahren werden nur drei bis fünf kleine, schlüssellochgroße Einschnitte benötigt. Erste Studien verglichen die beiden Verfahren und kamen zu dem Ergebnis, dass bei der minimalinvasiven Chirurgie mit einem geringeren Blutverlust, einem kürzeren Krankenhausaufenthalt und weniger Komplikationen zu rechnen ist. Eine weitere, kürzlich durchgeführte Studie, in der beide Ansätze verglichen wurden, indes brachte ein überraschendes Ergebnis und wies dem „Schlüssellochverfahren“ eine verringerte Überlebensrate zu. Diese Studienergebnisse führten zu einer großen Diskussion bei den Experten der gynäkologischen Onkologie und hatten zur Folge, dass viele Frauenärzte keine minimalinvasiven Operationen mehr anbieten.

Im Laufe der Diskussion kamen jedoch Zweifel auf. Viele Experten stellten vor allem das Fehlen von standardisierten operativen Techniken und stringenten Qualitätskriterien in dieser Studie in Frage. Insbesondere wurde bemängelt, dass im Rahmen dieser Studie in der minimal-invasiven Gruppe eine Technik zur Entfernung der Gebärmutter eingesetzt wurde, bei der möglicherweise Tumorzellen im Bauch verschleppt werden können. In der Folge gab es zahlreiche weitere Auswertungen, allerdings von geringerer wissenschaftlicher Aussagekraft, die teils die Ergebnisse bestätigten und teils diesen widersprachen. Hierbei sind insbesondere große Studien aus Europa zu betonen, welche zeigen konnten, dass durch bestimmte „Schutzmaßnahmen“ im Rahmen der Operation zur Verhinderung einer Tumorzell-Verschleppung doch vergleichbare Heilungsraten nach minimalinvasiver Operation im Vergleich zum offenen Bauchschnitt erzielt werden konnten.

Um Patientinnen weiterhin die Vorteile einer minimalinvasiven Operation anbieten zu können, ist daher eine weitere vergleichende Studie mit klar vordefinierten Operationstechniken zur Verhinderung einer Tumorzell-Verschleppung nötig. Dies ist der Ansatz der neuen „G-LACC-Studie“. Das Hauptziel dieser Studie besteht darin, herauszufinden, ob eine der Methoden der anderen überlegen ist. Beim minimalinvasive Verfahren wird statt einer Operation eine Bauchspiegelung durchgeführt – für die Patientinnen bedeutet dies weniger Blutverlust, einen kürzeren Krankenhausaufenthalt und ein geringeres Risiko für postoperative Komplikationen als bei einer offenen Operation. Zudem kann beim Schlüsselloch-Verfahren durch einen OP-Roboter, der einen präziseren Eingriff erlaubt, unterstützt werden. Außerdem werden unter anderem die Lebensqualität der Teilnehmerinnen, Komplikationen und unerwünschte Nebenwirkungen bewertet.

Die G-LACC Studie startete vor kurzem und steht ausschließlich Krankenhäusern offen, die die hohen Qualitätsanforderungen erfüllen – zu diesen gehören die Hochtaunus-Kliniken. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, allen an gynäkologischen Tumoren erkrankten Frauen so schnell wie möglich Zugang zu neuesten Verfahren und Therapien zu ermöglichen. Ein eigenes Studiensekretariat unseres onkologischen Schwerpunktes ermöglicht dies“, betont Prof. Dr. med. Dominik Denschlag, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Leiter des Brust- und Gynäkologischen Krebszentrum (DKG) an den Hochtaunus-Kliniken.



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