Der Mittwochnachmittag gehört den Bridgespielern

Bill Starns (2. v. r.) und Emie Gawenda (r.) spielen seit vielen Jahren begeistert Bridge: Sie sind dabei, wenn der Bridgeklub am 5. Mai sein 60-jähriges Bestehen feiert. Foto: Bergner

Bad Homburg (a.ber). Bill Starns fächert seine Karten auf, rückt den roten Kasten zurecht und schaut konzentriert in die Runde. Dann werden Trümpfe gezogen, Stiche gereizt und Brücken gebaut. Und die drei Mitspieler, zwei Niederländer und eine Japanerin, entwickeln wie Bill Starns eine Strategie.

Bridge ist ein internationales Spiel mit einheitlichen Regeln. Seit 1959 wird es in Bad Homburg im Bridgeklub gespielt. Damals gründete Herr von Reden den Club, dem heute mehr als 150 Spieler angehören. 60 Jahre seien keine lange Zeitspanne, verglichen mit dem Alter des Kartenspiels an sich, meint Bill Starns. Das Vorgängerspiel „Whist“ wurde bereits vor 500 Jahren zum ersten Mal erwähnt und wandelte sich später in „Bridge“. Überall werde es heute gespielt, sagt die Vorsitzende des Bad Homburger Bridgeklubs, Gisela Glückmann. Seit den 1930er-Jahren sind die Regeln des sogenannten Kontrakt-Bridge international festgesetzt, und jeden Mittwoch um 14.30 Uhr treffen sich mehr als 80 Clubmitglieder und Fremde in der Erlenbachhalle in Ober-Erlenbach zum Turnier.

Nachdem die grünen Tischdecken auf den quadratischen Tischen in der Erlenbachhalle verteilt sind, setzen sich Bill Starns und seine Bridgepartner, die einen als Nord-Süd-Paar, die anderen als Ost-West-Paar, und spielen 17 Minuten lang eine Runde. Nach einer zweiten Runde wechseln die Paare gemäß der sogenannten Laufkarte an einen anderen Tisch. Die Ergebnisse der Runden werden im Computer notiert – „da sind wir ganz fortschrittlich“, meint Bill Starns.

Inzwischen wird über das Spiel geredet, werden Gedanken ausgetauscht und Witze gemacht. „Bridge ist speziell für ältere Menschen gut. Es fördert die sozialen Kontakte und ist sehr gut für das Gehirn“, sagt Bill Starns, der vor 35 Jahren aus San Diego/USA nach Bad Homburg zog und seit vielen Jahren im Bridgeklub seine Kontakte pflegt. Auch Emie Gawenda, eine Holländerin, spielt seit mehr als 20 Jahren. Sie guckt auf die Oberfarben und Unterfarben in ihrer Hand und ist wie elektrisiert, als Präsidentin Gisela Glückmann die große Handglocke läutet, um die dritte Runde und damit den Tischwechsel einzuläuten. „In den Niederlanden ist das Bridgespielen besonders populär“, meint Emie Gawenda stolz.

Gemurmel im Saal

Der Bad Homburger Club, der nun sein 60-jähriges Bestehen feiert, kann sich über Mangel an Teilnahme nicht beklagen – wenn auch der Verein in den vergangenen Jahren etwas geschrumpft ist. „Vor 15 Jahren waren wir noch über 200 Mitglieder“, sagt Gisela Glückmann. Mittlerweile liegt der Altersdurchschnitt bei rund 70 Jahren – das jüngste Vereinsmitglied ist 48 Jahre, die älteste Aktive 95 Jahre alt. Auch wenn es im Verein deutlich mehr Frauen gibt, spielen ebenso Männer mit. Sie steigen meist ein, wenn sie in Ruhestand gehen. Dass ihre Frauen dann mitunter 20 Jahre mehr Spielerfahrung hätten, führe manchmal zu brenzligen Situationen an den Tischen, berichtet die Vorsitzende. Doch das friedliche Gemurmel im großen Saal zeugt davon, dass das Bridgespielen eher zur Entspannung beiträgt. Mancher hat ein Getränk dabei, und am Ende treffen sich viele der Clubmitglieder und auch Fremde, die normalerweise in anderen Clubs spielen, zum gemeinsamen Essen im benachbarten Restaurant.

Zu einer großen Feier anlässlich des 60-jährigen Bestehens trifft sich der Bad Homburger Bridgeklub denn auch am Sonntag, 5. Mai, im Landgasthof Saalburg. Dort wird gemeinsam auf eine lange Zeit friedlicher Spielfreude zurückgeblickt. Wer dem Bridgeklub beitreten möchte, zahlt 52 Euro im Jahr, wer schon Mitglied in einem anderen Club ist, zahlt 25 Euro. Zusätzlich fällt beim Mittwochsturnier Startgeld von 1,50 Euro für Mitglieder und drei Euro für Nichtmitglieder an.

!Informationen über den Verein gibt es im Internet unter www.bridgeklub-badhomburg.de oder bei Gisela Glückmann unter Telefon 06171-71333.

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