Neue Bürgerliste „Kehrtwende“ tritt an

Bad Homburg (hw). Mit der Bürgerliste „Kehrtwende – Bad Homburg“ tritt zur Kommunalwahl Mitte März erstmals eine unabhängige Wählergruppe an, die sich ausschließlich auf fünf lokale Themen konzentriert. Ziel sei es, nach eigener Aussage „sachorientierte, wirtschaftlich tragfähige und langfristig sinnvolle Lösungen“ für zentrale Fragen der Stadtentwicklung vorzuschlagen. Die Initiative benennt fünf inhaltliche Schwerpunkte. Die „Kehrtwende“ spricht sich gegen eine unterirdische Verlängerung der U-Bahnlinie U2 bis zum Bahnhof aus. Da das offizielle Projekt „U2-Verlängerung von Gonzenheim zum Bahnhof Bad Homburg“ nach Ansicht von „Kehrtwende“ auf umstrittenen Prognosegrundlagen beruhe und derzeit Gegenstand einer fachaufsichtlichen Prüfung auf Landesebene sei, könnte das Bauvorhaben neu bewertet werden.

Stattdessen schlägt die „Kehrtwende“ eine neue S-Bahnstation „Bad Homburg Gonzenheim – Haberweg“ vor, welche die in unmittelbarer Nähe bestehende U2-Endhaltestelle mit der S5 direkt verbinden könne. Ziel sei, eine kostengünstige und clevere Lösung, die schnell – ohne jahrelange Tunnelbaustelle – realisierbar wäre und den südlichen Stadtteil Gonzenheim mit Schulen, Taunus-Therme und Kurpark direkten Zugang zur S5 ermögliche.

Kurhaus erhalten

Einen besonderen Schwerpunkt legt die Bürgerliste auf den Erhalt des Kurhauses von 1984. Ein Abriss sei nach Auffassung von „Kehrtwende“ weder städtebaulich noch wirtschaftlich notwendig. Stattdessen plädiert sie für eine Modernisierung und gestalterische Neuordnung – besonders auch des Umfeldes. In einer veröffentlichten Illustration von Architektin Kirsten Baum wird dargestellt, wie das bestehende Gebäude neu inszeniert werden könnte. Der derzeit vor dem Kurhaus gelegene gepflasterte „Erdhügel mit Brunnen“ soll zurückgebaut werden. Dadurch entstünde eine durchgehende Fußgängerebene vom Schwedenpfad bis zur Ludwigstraße. Das Kurhaus präsentiere sich frei, erhaben und einladend als echtes Herz der Stadt. Das Untergeschoss erhielte Tageslicht und einen einladenden Zugang zum Kurhaus mit direktem Durchgang zum Kurhausgarten. Eine stilvolle Fußgängerbrücke über die Promenade stelle einen ungehinderten Zugang zum Kurpark her. Vor dem Gebäude entstünde ein großzügiger neuer Kurhaus-Vorplatz, der als Markt- und Veranstaltungsfläche genutzt werden könne, teilt „Kehrtwende“ mit. Vorgesehen sei zudem, den Bus- und Taxiverkehr zwischen Schwedenpfad und Thomasstraße unterirdisch zu führen. Oberirdisch entstünde so eine zusammenhängende verkehrsfreie Fußgängerzone. Mit einer ansprechenden Fassaden-Neugestaltung im Schwedenpfad erhielte das Theater einen neuen einladenden Zugang mit prachtvollem Vordach. Auf dem gesamten Flachdach des Kurhauses entstünde ein Gastronomie-Highlight mit Ausblick über die Stadt und direktem Zugang vom Kurhausgarten.

Bad Homburg soll sich wieder stark als Gesundheitsstandort positionieren. Die „Kehrtwende“ schlägt vor, eine im Eigentum der Kur- & Kongress GmbH bestehende Klinik zu nutzen, um Menschen, die durch das Corona-Virus bis heute stark geschädigt wurden, spezialisierte medizinische Hilfe anzubieten. Bundesweit gebe es in Marburg eine der wenigen Einrichtungen zur der Behandlung von Long-Covid Erkrankungen. Bad Homburg könne hier eine Versorgungslücke schließen und Hilfe durch Spezialisten anbieten, die unter anderem durch spezielle Labortechnik wirksame Therapien entwickeln könnten. Und das in naturnaher Umgebung, die Heilung möglich mache, heißt es seitens der Partei. Im Bereich Energie setzt die „Kehrtwende“ auf kommunale Handlungsspielräume und dezentrale Lösungen. Vorgeschlagen werden unter anderem die vermehrte Nutzung regional erzeugten Bio-Methans, die Einbindung industrieller Abwärme sowie moderne Wärmespeichersysteme. Ziel sei eine stabile, planbare und bezahlbare Energieversorgung auf kommunaler Ebene.

Altersfreundliche Innenstadt

Mit Blick auf den demografischen Wandel schlägt die „Kehrtwende“ zudem vor, die Innenstadt barriereärmer zu gestalten. Vorgeschlagen wird ein Konzept mit drei festen Mobilitätsstationen, an denen Senioren-Elektromobile bereitstehen. Damit sollen ausschließlich registrierte und eingewiesene ältere und gehbehinderte Menschen ihre Wege in der Fußgängerzone selbstständig bewältigen können. Nach ihren Einkäufen in der Stadt könnten die Elektromobile wieder an einer der drei Stationen abgestellt und mit Bus oder Taxi die Heimreise angetreten werden.

Die „Kehrtwende“ verstehe sich laut eigener Aussage als parteiunabhängige Bürgerinitiative mit lokalem Fokus. „Wir möchten konkrete Alternativen aufzeigen und Debatten anregen und versachlichen“, heißt es seitens der Initiative.

Die Kommunalwahl findet am 15. März statt. Die „Kehrtwende“ steht auf Listenplatz 9.



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