Oldtimer fahren für den guten Zweck

Ob die geschwungenen Rallyestreifen den 2CV wirklich so viel schneller machen?

Bad Homburg (iba). Alle zwei Jahre veranstaltet der Weißer Turm Förderverein e.V. mit Unterstützung von drei Bad Homburger Serviceclubs die Benefiz-Oldtimer-Rallye „Weißer Turm Klassik“ rund um das Bad Homburger Schloss. Die Teilnehmenden können sich über eine erlebnisreiche Oldtimerfahrt durch pittoreske Landschaften von Taunus, Rheingau, Vogelsberg oder Wetterau sowie auf jede Menge „Fachsimpelei“ unter Gleichgesinnten freuen. Auch ortskundigen Fahrern bietet die Rallye unbekannte und abwechslungsreiche Strecken. Freude am Fahren, Geselligkeit unter Autonostalgikern und kulinarische Leckereien locken alle zwei Jahre viele Autofans nach Bad Homburg.

Ja, richtig gelesen: 912 muss es heißen, nicht 911! Thomas Keiser stand neben seinem quietschgrünen Porsche und erzählte, was es mit der Nummer auf sich hat, die einem im ersten Moment wie ein Tippfehler erscheint. „Das war in den 60ern so etwas wie der Porsche-Retter. Einen 911er konnten sich ja nicht besonders viele leisten, entsprechend waren die Absatzzahlen. Daher hat Porsche den hier auf den Markt gebracht, nur 90 PS statt 130, vier Zylinder statt sechs – und eben mit dieser Farbe, „irish green“ heißt die, ich musste den hier extra nachlackieren lassen, damit er authentisch ist. Ursprünglich hatte der eine andere Farbe.“

Ein Schnäppchen war der „Grünling“ mitnichten, etwas über 16.000 D-Mark kostete der Neuwagen 1965 – was inflationsbereinigt heute etwa 40.500 Euro entspräche, gewiss kein Auto für den „kleinen Mann“. Aber durchaus eines für Sammler und Liebhaber. Es war nicht der einzige Porsche, der am vergangenen Samstag auf dem Hof der Central Garage am Niederstedter Weg in Bad Homburg stand; aber mit Sicherheit derjenige, der einem aufgrund der Farbe und aufgrund der Nummer auf dem Heck als erster ins Auge fiel.

Beliebte Wohltätigkeits-Rallye

Die Erlöse aus den Startgelder und Spenden gehen an soziale Einrichtungen in der Region, mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendprojekte. Die Jugendfeuerwehr Schmitten, der Kinderschutzbund (Kreisverband Hochtaunus) oder die „Initiative Sprache.Lesen.Lernen e.V.“ sind unter anderem Begünstigte der Rallye. Auf insgesamt etwa 200 Kilometern führt die Strecke zu unterschiedlichsten Zielen im und um den Taunus. Zugelassen ist diese Veranstaltung für alle sogenannten „Veteranenfahrzeuge“, maximal 50 dürfen gemeldet werden – und werden „halbe-halbe“ eingeteilt, 25 Fahrzeuge bis Baujahr 1949, weitere 25 bis Baujahr 1996.

Steve McQueen oder Don Johnson?

Selbst die größten Filmfans könnten wohl nur unter Zuhilfenahme von Wikipedia die Handlung von Peter Yates‘ Klassiker „Bullitt“ wiedergeben, in dem Steve McQueen 1968 einen wichtigen Kronzeugen beschützen sollte. Aber jeder kennt die wahrscheinlich berühmteste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte, in der McQueen seinen Ford Mustang Fastback durch die Straßen von San Francisco jagte.

Kaum jemand könnte bewusst auch nur eine Folge von „Miami Vice“ schlüssig nacherzählen. Aber an die Pastellfarben, die Musik von Jan Hammer und den schnittigen Ferrari erinnert sich bestimmt jedes 80er-Jahre-Kind.Beim Schlendern über den Hof der Central Garage konnte man eine nostalgische kleine Zeitreise unternehmen, auch wenn die genannten Autos nicht unbedingt „farbecht“ waren; diese mal live zu sehen (und zu hören) hatte aber schon etwas!

Die (An-)Spannung steigt

„Herrschaften, können wir? Es ist schon fast halb zehn!“ Der Zeitplan war straff, die Fahrerinnen und Fahrer motiviert, auf 9.30 Uhr war der offizielle Start terminiert, schließlich hatten die Autoliebhaber einen langen und ereignisreichen Tag vor sich. „Sie sind also bereit? Fünf, vier, drei, zwei eins – und los! Gute Fahrt.“ Jeder einzelne Fahrer bekam den Countdown, schon wieder die nächste Startnummer, „Bis an die Linie vorfahren, bitte“, wieder wurde heruntergezählt, „und los!“, die Starterfahne ging hoch, das nächste Auto fuhr um die Kurve. Die anwesenden Kinder machten große Augen, die anwesenden Erwachsenen fast noch größere, für jede Geschmacksrichtung war etwas dabei: Sportlich oder elegant (Porsche oder Mercedes?), italienisch oder britisch (Lenkrad links oder Lenkrad rechts?), gediegen oder kultig (Volvo-Limousine oder Citroën 2CV?).

Ein bunter Strauß an Karosserie-Kuriositäten, eine Automobil-Zeitreise durch die Jahre und durch verschiedene Designs, mal funktional, oft mondän, schließlich ist für viele hier das Auto weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Es wurde gewitzelt und gefachsimpelt („Hatte James Bond nicht mal auch so einen?“), fotografiert und genetzwerkt („Oh, ich kenne da so einen Fachhändler, bei dem können Sie es probieren. Moment, ich suche mal eben die Kontaktdaten raus...“). Wer am Ende die Rallye gewonnen hat? Das war ohnehin zweitrangig, denn es ging um die Spendengelder, um den guten Zweck und den Spaß an der Freude. Den hat man am Samstag jedem und jeder einzelnen angemerkt.

Die nächste Rallye wird turnusmäßig wieder 2028 stattfinden. Wer ein Auto hat, das dann mehr als 30 Jahre auf dem Buckel beziehungsweise unter der Motorhaube hat, sollte sich den Termin schon einmal vormerken. Und wer sich einfach mal schöne Autos ansehen möchte, sollte das auch. Informationen zu der Rallye und zum Verein an sich finden Interessierte im Internet auf www.weisser-turm-klassik.de

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