Tanzschule Karabey geht, Vereinshaus Innenstadt kommt

Bad Homburg (js). Eine Institution in der Homburger Stadtgeschichte der Neuzeit macht im Mittsommer 2026 die Lichter aus. Ihre Tanzflächen werden womöglich auch darüber hinaus noch für Tanzvergnügungen genutzt. Die Tanzschule Karabey, in der über die Jahre Generationen von Jugendlichen aus der Kurstadt ihre ersten klassischen Tanzschritte gelernt haben, wird es dann nicht mehr geben, aber in den Räumen der fast 40 Jahre alten Tanzschule direkt an der Thomasbrücke will die Stadt ein „Vereinshaus Innenstadt“ einrichten.

Noch ist der Deal nicht perfekt, die Verhandlungspartner aber sind sich einig. Sie begrüßen sich herzlich bei der Vorstellung der Idee für die Zukunft, beide sprechen von einer extrem emotionalen Bedeutung für die Kurstadt. Für Rüstem Karabey war die Tanzschule, die er seit 1988 täglich mit seiner Frau Renate und zum Teil auch mit seinen Kindern betrieben hat, sein Leben und sein Lebensmittelpunkt. Ja, auch sein Lebenselixier. Auch Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) hat unter der Thomasbrücke seine ersten Tanzschritte gelernt und weiß, dass an diesem Ort zahlreiche Geschichten begonnen haben, Freundschaften, Lebenspartnerschaften. Es bleibe ein „Stück Stadtgeschichte“, dazu wolle die Stadt jetzt aktiv beitragen. Weil sie dringend Räume braucht, wenn demnächst Abriss und Neubau des Kurhauses anstehen.

Weil die Tanzschule für viele Bad Homburger ein emotionaler Ort ist, soll er das auch bleiben können, wenn für das Ehepaar Karabey nun aus Altersgründen die Zeit kommt, leise Adieu zu sagen. Am vergangenen Wochenende hat der Chef bei Begrüßung der Gäste zum 44. Adventsball im Hause Karabey en passant angekündigt, dass es der letzte Ball dieser Art sein wird. Demnächst wird er 77 Jahre alt und hat mehr als 50 Jahre Tanzen in den Füßen, bei Frau Renate zwickt das Knie schon lange, die über viele Jahre bei Welt- und Europameisterschaften erfolgreichen Kinder Sascha und Natascha sind weltweit als Tanztrainer unterwegs, da bleibt keine Zeit mehr für eine Schule in Bad Homburg. Tanztrainer wollte Alexander Hetjes nach zehn Jahren Karriere als Oberbürgermeister nicht werden, ins Gespräch kommen mit der Familie über eine Weiterverwendung ihrer Immobilie schon. Beide betonen, dass die Initiative von der Familie ausgegangen sei. Die aktuellen Eigentümer haben der Stadt die entsprechenden Flurstücke (rund 1420 qm) zum Kauf angeboten. Dabei handelt es sich um ein Wohnhaus und einen Gebäudeteil, in dem die Tanzschule mit zwei Ballsälen im Erdgeschoss und im Untergeschoss untergebracht ist. Die Grundstücke liegen in zentraler Lage direkt an der Thomasbrücke, von wo aus sie über eine öffentliche Treppe erreichbar sind. Perfekt für das geeignet, was sich die Stadt dort vorstellen könnte. Mit den Stadtbussen gut zu erreichen, auch Parkplätze gibt es im direkten Umfeld.

Das Stichwort „Vereinshaus Innenstadt“ gibt die Denkrichtung vor, gedacht ist an eine „gemeinwohlorientierte Nutzung“, so der Oberbürgermeister bei einem kurzen Rundgang durch die Immobilie, in der alles in die Welt des Tanzes versetzt. Tatsächlich sollen vor allem Vereine die Räumlichkeiten nützen können, die demnächst auf der Straße stehen werden, sollten die großen Kurhaus-Pläne umgesetzt werden können. Dann braucht die Stadt dringend Ersatzflächen, auch über die Schaffung des neuen Kurhauses hinaus. Mit dem Erwerb, so Hetjes, bleibe ein „prägendes Stück Stadtgeschichte erhalten und schaffe gleichzeitig Raum für Neues.“ Ein Satz, der auch Rüstem Karabey gut gefällt.

Der Magistrat hat dem Kauf von Grundstück und Immobilie in seiner jüngsten Sitzung bereits zugestimmt. Jetzt stehen noch die Entscheidungen der Gremien aus, das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer letzten Sitzung des Jahres am kommenden Donnerstag. Mit deren Zustimmung soll der Kauf der Grundstücke und Gebäude im aktuellen Zustand erfolgen. Die Übergabe ist für Herbst bis Ende 2026 vorgesehen, notwendige Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen könnten dann im Jahr 2027 umgesetzt werden.

Hinter dem Mischpult der Tanzschule von Renate und Rüstem Karabey fühlt sich Oberbürgermeister Alexander Hetjes sichtlich wohl.Foto: js

Noch schweben Renate und Rüstem Karabey gemeinsam über das Parkett in der Tanzschule.Foto: js

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