Behlke Electronics feiert Richtfest nach Neubau in Rekordzeit: Umzug nach Königstein im kommenden Frühjahr geplant

Blickten beim Richtfest gemeinsam optimistisch in die Zukunft (v.l.): Hubertus Dreßler /Dreßler Bau), Eberhard Horn (Designgruppe), Frank Behlke, Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko, Jennifer Behlke, Stadtverordnetenvorsteher Michael-Klaus Otto und Florian Horn (Designgruppe). Foto: Schramm

Königstein (as) – Behlke Electronics ist für Hochspannung weltbekannt. Und für Höchstleistungen. Die Elektrotechnik-Firma in Familienbesitz, 1989 gegründet und auf dem Gebiet der halbleiterbasierten Hochspannungsschalter sogar Weltmarktführer, verlagert derzeit seinen Hauptsitz von Kronberg nach Königstein an den Kreisel auf das Gelände des ehemaligen Mercedes-Vogler-Autohauses.

Und wer häufiger am Kreisel vorbeikommt, ist Zeuge geworden, wie rasant das neue dreistöckige Multifunktionsgebäude, das Büros, Labore und Produktion vereinen wird, in die Höhe und – noch mehr – in die Breite geschossen ist. Am vergangenen Donnerstag war das Richtfest des Rohbaus, mit dem erst Anfang Oktober vergangenen Jahres begonnen worden war. Behlke und die ausführende Firma Dreßler Bau aus Aschaffenburg stehen offenbar auch für Höchstgeschwindigkeit.

Der Rohbau befindet sich in der 28. Woche. Besondere Herausforderungen hätten an die Tragkraft der Decken bestanden, da das Gebäude auch im ersten (wo hauptsächlich die Produktion angesiedelt sein wird) und zweiten Stockwerk mit einem Gabelstapler befahrbar sein muss, berichtete Oberbauleiter Daniel Glombitza. Eine weitere würden höchstens noch die gebogenen Fensterscheiben, die in dem größtenteils verglasten Neubau an einigen Stellen einzusetzen sein werden.

Und so sagte auch Bauleiter Klaus Rosenberger in seinem Richtspruch, ehe angestoßen wurde und die Gläser klirrten: „Es lief, ich sag es Euch bloß, ziemlich reibungslos“, nicht ohne dem Baustellenteam von Dreßler, den Kreativen von der Designgsgruppe Eberhard und Florian Horn und letztlich dem Bauherrn Frank Behlke zu danken, der rund 25 Millionen Euro in den neuen Standort investiert.

Und der 66-jährige Firmengründer und -chef skizzierte in seinem kurzen Grußwort an die geladenen Gäste auch den nächsten Zeithorizont. In zehn Monaten soll der Einzug der 40 Mitarbeiter erfolgen, das wäre Anfang März 2027. Fünf Jahre, nachdem zunächst die Designgruppe Eberhard Horn das Areal von Mercedes Senger gekauft hatte, ehe es von Behlke Electronics übernommen wurde, welche wiederum Horn mit der architektonischen Planung und schlüsselfertigen Bereitstellung des 1.150 Quadratmeter großen Gebäudes mit 5.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche einschließlich Tiefgarage durch Dreßler beauftragt hatte. „Ich sehe Mauern, Beton, Stahl, aber ich sehe auch Zukunft, Mut und Vertrauen“, schloss Behlkes Tochter Jennifer an. Die 20-Jährige studiert Elektrotechnik an der ETH Zürich, im allgemeinen Konsens eine der zehn besten technischen Universitäten weltweit, und wurde bereits von ihrem Vater als Junior-Chefin und Nachfolgerin vorgestellt. Der Neubau sei das Ergebnis der Arbeit vieler Jahre, das „Lebenswerk Behlke“, so Jennifer Behke. „Es zeigt, dass wir auf unseren Standort vertrauen, aber gleichzeitig offen für Neues sind.“

Der Standort ist und bleibt der Taunus, das machte auch der Firmenchef im Hintergrund-Gespräch deutlich. Obwohl er die Entwicklung des Industriestandorts Deutschland seit 30 Jahren als negativ erachtet und der deutsche Markt „verschwindend klein“ für sein Unternehmen ist, sei ein kompletter Wechsel an die Vertriebsniederlassung mit einem kleineren Labor-Standort Behlkes im US-Bundesstaat Massachusetts oder gar einen dritten Sitz für ihn nie in Frage gekommen. „In den USA gibt es noch größere Rekrutierungsprobleme als in Deutschland und die Arbeitskosten sind um ein Drittel höher“, sagte er. Er gibt zu, dass sich die Hoffnungen mit dem Zweitsitz nahe des weltweit renommierten MIT Boston, nicht ganz erfüllt hätten, will den Standort aber trotz der vielen weltwirtschaftlichen Risiken („Trump ist nur eines davon“) nicht aufgeben.

Volle Auftragsbücher

Trotz aller Verwerfungen seien die „Auftragsbücher voll“, irgendwann müsse man auch bei aller Zurückhaltung bei einem Weltmarktführer eben doch bestellen, brachte der die günstige Situation für sein Unternehmen auf den Punkt. Vor allem in der Medizintechnik, der Halbleiterindustrie und mittlerweile auch die Plasmaindustrie. Da rüstet er bei einem australisches Start-up, das vom Staat gefördert wird, Maschinen aus, mit denen bei der Herstellung von Textilien nur ein bis zwei Prozent der üblichen Wassermenge benötigt werden. Ein hoch spannendes und zukunftweisendes Projekt – nicht nur für Behlke.

Hauptabsatzmarkt sei mit 30 Prozent und wachsendem Anteil China. Ein dezenter Hinweis Frank Behlkes, wo die Industrie noch brummt. Den Chinesen sei es noch nicht gelungen, seine Hochspannungsleiter zu kopieren. „Bisher sind alle beim Nachbauen gescheitert“, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Aber das Herz Behlkes, der kurz vor der Wende aus Chemnitz auswandern konnte und trotz großer Geldtöpfe mit seiner Firma nie in die neuen Bundesländer zurückgekehrt wäre, wie er sagt, schlägt im Taunus bzw. künftig in Königstein, wo man sich auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Areal etwa um das Dreifache gegenüber dem Standort in Kronberg vergrößern konnte.

Sehr zur Freude von Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko, die nach langer Zeit erstmals wieder eine große Neuansiedlung in Königstein begleiten durfte. Behlke Electronics stehe „in herausragender Weise für technologische Exzellenz. Dass sich die Firma Behlke für diesen Standort entschieden hat, bestätigt unseren Anspruch, ein attraktiver Ansprechpartner für die Wirtschaft zu sein“, sagte die Rathauschefin in ihrem Grußwort. Sie habe in den gemeinsamen Gesprächen immer „Vertrauen und Verlässlichkeit“ gespürt. Die Stadt habe – auch schon unter ihrem Vorgänger Leonhard Helm – immer versucht zu unterstützen, letztlich habe es sich aber um eine privatwirtschaftliche Entscheidung gehandelt, wollte sich Schenk-Motzko aber auch nicht mit fremden Federn schmücken.

Dass zwischen der Einreichung des Bauantrags Anfang 2024 und dessen Bewilligung im August 2025 durch das Kreisbauamt anderthalb Jahre verstrichen waren, wollte Frank Behlke an diesem „Feiertag“ im Gespräch aber nicht unerwähnt lassen. „Die Stadt Frankfurt versichert, dass sie das in drei Monaten schafft“ verglich Behlke, und man habe hier keinen Sonderbau. Sechs Monate Verzögerung habe es allein durch die Tatsache gegeben, dass die „Entnutzung“ für das Autohaus förmlich beantragt werden musste. Im Herbst hatte er noch eine Woche Baustopp aufgedrückt bekommen, da er die Baubeginnsanzeige per Mail statt per Post ans Landratsamt geschickt hatte. Und auch schon vor drei Jahren, als er einer ukrainischen Kindertheatergruppe über die Ukrainehilfe Königstein das leer stehende Gebäude für Probezwecke zur Verfügung stellte, war er vom Kreis vors Verwaltungsgericht Frankfurt gezerrt worden mit dem Vorwurf, er betreibe ein Theater. Jetzt will er aber nach vorne schauen, er wird es ja auch weiterhin mit dem Kreisbauamt bzw. der Bauaufsicht zu tun haben.

Und wie lange will er noch der Senior Chef bleiben, bis er die Verantwortung komplett in die Hände seiner Tochter übergibt? „Das wird noch lange dauern“, sagte Frank Behlke. Am liebsten würde er arbeiten bis zum sprichwörtlichen Umfallen. So wie Max Braun, der Firmengründer und Vater seines Ingenieurfreunds Artur Braun, der tot am Schreibtisch zusammensackte. Das waren noch die Vollblut-Unternehmer vom alten Schlage, und Frank Behlke ist ganz sicher einer von ihnen.

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