Main-Taunus (bs/Sc) – In Hessen startet mit SaN ein Projekt, das die Notfallversorgung deutlich verbessern soll, in drei hessischen Pilotlandkreisen in den Echtbetrieb.
Die Prozesse dienen dazu, die Kommunikation zwischen Notdienst und Praxen zu optimieren und Patientenströme effizienter zu lenken
Voraussetzung dafür ist ein durchgehend digitaler Prozess, der eine Fallübernahme und -übergabe zwischen Leitstellen des Rettungsdienstes und der Disposition des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes ermöglicht. „SaN” – die Abkürzung steht für „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung” – ist damit ein großer Schritt auf dem Weg zu einer effizienten Patientensteuerung in der Akut- und Notfallversorgung.
Wie funktioniert SaN?
Egal, wo sich jemand meldet – ob bei der 112, der 116117 oder in der Notaufnahme – das medizinische Personal schätzt ein, wie dringend der Fall ist und welche Hilfe gebraucht wird. Das kann bedeuten: Bei einem echten Notfall gibt es einen sofortigen Rettungseinsatz. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Fällen wird an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst weitergegeben. Bei leichteren Beschwerden reicht ein Termin beim Hausarzt am nächsten Wochentag.
Grundlage für die Einschätzung ist im Rettungsdienst und in der Notaufnahme ein geprüftes digitales Medizinprodukt namens „SmED” (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland). Damit wird die Einschätzung überall nach den gleichen, sicheren Regeln getroffen.
Das Projekt ist im Dezember 2019 gestartet, wurde durch die Pandemie jedoch erheblich verzögert.
In der nun Mitte April gestarteten 2. Phase des Projektes liegt der Fokus darauf, die Patiensteuerung durchgängig zu digitalisieren.
Die Projektdauer ist zunächst bis Mitte 2028 terminiert. Es wird durch das Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung (Zi), welches auch das „SmED” zur Verfügung stellt, wissenschaftlich begleitet und evaluiert.
Pilotlandkreis MTK
Das SaN-Projekt läuft in drei Pilotlandkreisen: im Main-Taunus-Kreis, im Main-Kinzig-Kreis und im Landkreis Gießen.
Bisher ist es oft so: Wer krank wird, ruft vielfach den Rettungsdienst (112) oder fährt direkt in die Notaufnahme. Das Problem: Viele Menschen greifen damit auf den Rettungsdienst zurück oder landen in der Notaufnahme, obwohl ihr Fall eigentlich ambulant und somit beim Hausarzt oder Ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) behandelt werden könnte. Das führt zu steigenden Einsatzzahlen im Rettungsdienst, überfüllten Notaufnahmen mit langen Wartezeiten für Patienten und einer hohen Belastung für das medizinische Personal.
„Rettungsdienst und Notaufnahmen dürfen nicht mit Fällen überlastet werden, die dort nicht hingehören – wenn zum Beispiel der Hausarzt die richtige Anlaufstelle wäre”, so die Hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz. „Umgekehrt müssen Patienten nicht mehr stundenlang an der falschen Stelle warten und werden richtig gelotst.” Hessen kann somit bereits wichtige Erfahrungen für die zukünftige, verbesserte Patientensteuerung sammeln, denn auch auf Bundesebene wird dieser Weg als zukunftsweisend in der aktuell beschlossenen Notfallreform angesehen.
Versorgungslücken schließen
„Mit dem SaN-Projekt schließen wir in Hessen gezielt eine Versorgungslücke in der Notfallversorgung. Durch die technische Vernetzung der ambulanten Akutversorgung (116117) mit dem Rettungsdienst (112) ist erstmals eine durchgängige patienten- und bedarfsorientierte Steuerung möglich. Hilfesuchende werden gezielt dorthin geleitet, wo sie medizinisch richtig aufgehoben sind. Patientinnen und Patienten, die keine stationäre Behandlung benötigen, können direkt in einer niedergelassenen Arztpraxis behandelt werden, ohne dass ein Transport in ein Krankenhaus notwendig ist“, erklärt Claudia Ackermann, Leiterin der vdek-Landesvertretung Hessen stellvertretend für die GKV in Hessen.
Entlastung der Notaufnahmen
Die Rettungsdienste haben bisher KEINE Möglichkeit, Patientinnen und Patienten gezielt auch in eine Praxis oder zum ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) zu bringen. Durch die nun angestrebte Steuerung lassen sich die Notaufnahmen der Krankenhäuser effektiv entlasten – das Potenzial liegt bei ca. 80.000 Fällen jährlich in Hessen (Analyse des HMSI).
