Eschborn (te). Im voll besetzten „Eschborn K“ moderierten am 21. Februar Mathilde Himmelreich und Thorsten Conrad auf lockere Art die dritte Ausgabe der Science Slam-Veranstaltung „Frank(l)y Science“.
Vier Forschende der jüngeren Generation hatten dabei die Gelegenheit auf humorvoll, begeisternd, unterhaltsam und leicht verständlich über Themen aus ihren Fachgebieten zu berichten.
Den Anfang machte der Physiker Maximilian Pérez Prada mit dem Thema „Immer schön den Durchblick behalten!“, in dem zunächst die physikalischen Grundlagen beschrieben und anschließend die praktische Nutzbarkeit der Myonentomographie veranschaulicht wurde.
Das Myonen gehört ebenso wie das Elektron als Elementarteilchen zu den Leptonen und ist ein atmosphärisches Zerfallsrodukt. Es entsteht durch Reaktionen der kosmischen Strahlung – vor allem den aus dem Weltall kommenden Protonen – mit Atomkernen der oberen Atmosphäre. Aus diesem Grund gibt es Myonen auf der gesamten Erde immer und überall in der Größenordnung von zirka 100 pro Quadratmeter und Sekunde, die sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit bewegen.
Seelenlose Bunker
Im zweiten Vortrag präsentierte Matthias Warkus das Ergebnis seiner Forschung aus dem Fachgebiet Philosophie mit dem Thema „Seelenlose Bunker – Hass auf Architektur und seine Begründung“. Zu einzelnen Immobilienobjekten wurden 250 abwertende online-Kommentare an Hand verschiedener Kriterien ausgewertet und dabei Schlagworte wie zum Beispiel „Naziarchitektur“ oder „nicht originell“ codiert und anschließend geclustert. Im Ergebnis stellte sich negative Architekturkritik häufig als verbrämt heraus.
Der dritte Auftritt war rasant vorgetragen von dem Biologen und erfahrendsten Slamer Sebastian Lotzkat zum Thema der Taxonomie in der Biologie mit dem Titel „Nenn es denn, wie du willst – Tiernamen geben im Auftrag des Herrn“. Sebastian Lotzkat beschrieb sehr unterhaltsam zunächst mit hohem Tempo die Entstehungsgeschichte der Taxonomie gemäß Carl von Linné aus den 1750er-Jahren. Mit diesem einheitlichen Verfahren oder Klassifikationsschema werden Objekte nach bestimmten Kriterien klassifiziert.
Sebastian Lotzkat berichtete von einer Forschungsreise nach Panama und zeigte an Beispielen, wie sehr die Entdeckung von noch nicht beschriebenen Tierarten auch von Zufällen abhängen kann und wie komplex die Bestimmung und Taxonomie ist.
Mit Rhythmus gegen Depressionen
Der vierte Vortrag stammte von der in der geschlossenen Psychiatrie der Uniklinik Aachen forschend tätigen Ärztin und Psychiaterin Christiane Licht mit dem Titel „Mit Rhythmus gegen Depressionen und Co.“. Sie beschrieb eine inzwischen auch von den Krankenkassen anerkannte und in jeder Universitätsklinik verfügbare, nebenwirkungsarme, spezifische und innovative Methode, mit der unter anderem Depressionen wirksam behandelt werden können. Hierbei werden mittels einer speziellen Spulenanordnung starke, gepulste elektromagnetische Wellen erzeugt und gezielt auf einzelne Regionen des Gehirns ausgerichtet, wodurch die aus dem Takt geratenen und deutlich langsamer schwingenden Neuronen wieder den ursprünglichen Takt bekommen und in Schwung gebracht werden.
In der Schlussrunde wurden die Vorträge einzeln per Akklamation bewertet. Mit einem mobilen Dezibel-Messgerät wurde die Lautstärke des Beifalls in dBA gemessen und aus den Messwerten die Rangfolge bestimmt. Mit düsenjetähnlichen dBA-Werten zwischen 112,6 und 113,2 waren die Unterschiede allerdings nur sehr gering und die Rangfolge denkbar eng. Gewonnen hat an diesem Abend der Biologe Sebastian Lotzkat, gefolgt von Physiker Maximilian Pérez Prada.
Moderatorin Mathilde Himmelreich (rechts) stellte beim jüngsten „Science Slam“ im „Eschborn K.“ die vier Forschenden vor, die anschließend Kurzvorträge hielten.Foto: te
