Wo Tiere und Pflanzen ihre Ruhe haben

Eschborn (mh). Schon beim Betreten des NABU-Schutzgebiets in Niederhöchstadt wird klar: Hier lebt die Natur. Ein lautes Froschkonzert begrüßte am vergangenen Sonntag die Besucher des Tags der offenen Tür. Zwischen hohen Gräsern summten Insekten, und über den Wegen flatterten bunte Schmetterlinge.

Mehr als 300 Insektenarten gibt es auf dem Gelände des Ortsvereins des Naturschutzbundes (NABU) – einem Stück Eschborn, das normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist. Am Sonntag öffnete der NABU Eschborn seine Tore für interessierte Besucherinnen und Besucher und bot Führungen durch das Schutzgebiet an. Trotz des gleichzeitig stattfindenden Eschathlons fanden im Laufe des Tages immer mehr Menschen den Weg auf das Gelände. Mit der Sonne füllten sich auch die Wege zwischen Feuchtbiotop, Streuobstwiese und Trockenrasen.

„Wir wollen einfach zeigen, wie schön Natur sein kann“, erklärte Vorstandsmitglied Anne Schroth während der Führungen. Dabei gehe es nicht nur um schöne Landschaften, sondern auch darum, Lebensräume gezielt zu pflegen und zu erhalten. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Dr. Oliver Neun und seinem Stellvertreter Rainer Aporta führte sie die Gäste über das weitläufige Gelände.

Wildschweine und Waschbären

Das Gebiet existiert bereits seit den 80er-Jahren. Ursprünglich handelte es sich um eine einfache Kuhweide, die nach und nach erweitert wurde. Heute finden dort zahlreiche Tierarten Schutz: Waschbären, Dachse, Feldhasen mit Jungen und Wildschweine leben auf dem Gelände. Steinaufschüttungen bieten Eidechsen und Blindschleichen Rückzugsorte. Alte Baumstämme dienen Erdkröten und Hornissen als Schutzraum. Gerade diese alten Baumstämme zeigen laut den Ehrenamtlichen den Wandel der Natur besonders deutlich. Selbst nach ihrem Absterben bleiben sie Teil des Ökosystems und bieten weiterhin Lebensraum für Tiere und Insekten.

Immer wieder blieben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führungen stehen, um Pflanzen und ihre Besonderheiten kennenzulernen. Mädesüß kündigt laut Anne Schroth den Sommer an, Brennnesseln lockten viele Schmetterlinge an und sogar seltene Arten seien hier schon entdeckt worden.

Während der Tour wurden alle Sinne angesprochen: Der Duft von frisch gemähtem Gras und Kräutern lag in der Luft, Drosseln sangen lautstark, Frösche quakten aus dem Feuchtbiotop. Zwischen Johannisbeersträuchern, Wiesen und hohen Bäumen wurde deutlich, wie vielfältig das Gebiet ist.

Besonders wichtig ist dem NABU die Umweltbildung. „Schulführungen gehören regelmäßig dazu“, erklärt Oliver Neun. Kinder und Jugendliche sollten die Natur nicht nur aus Büchern kennenlernen, sondern direkt erleben können.

Wuchernde Brombeerbüsche

Gleichzeitig stehen die Naturschützer vor Herausforderungen. Die vergangenen Hitzesommer hätten vielen Bäumen zugesetzt, besonders Birken seien abgestorben. Schnell wachsende Brombeerbüsche müssten regelmäßig zurückgeschnitten werden, um anderen Pflanzen Raum zu geben. Vor allem Amphibien wie Erdkröten und Grasfrösche sowie viele Insektenarten gelten derzeit als bedroht.

„Wir versuchen unterschiedliche Lebensräume zu schaffen“, erklärt Rainer Aporta. Die Mischung aus Feuchtbiotop und Trockenrasen ermögliche vielen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. „Die Tiere sollen Ruhe und Schutz haben“, betont er.

Nach den Führungen klang der Tag gemütlich aus. Bei frisch gebackenem Kuchen, Muffins, Brezeln und Kaffee saßen Besucher und Mitglieder zusammen, tauschten Eindrücke aus und stellten weitere Fragen zur Arbeit des NABU. Die Atmosphäre blieb den ganzen Tag offen und herzlich. Man merkte schnell, mit wie viel Leidenschaft die Ehrenamtlichen über das Naturschutzgebiet sprechen. Wer selbst mithelfen möchte, kann Mitglied beim NABU Eschborn werden. Einmal im Monat findet ein Treffen statt. Zusätzlich kann man sich nach Lust und Laune einbringen und bei Arbeiten wie Mähen, Pflanzen oder Ernten mitwirken. Weitere Informationen gibt es unter nabu-eschborn.de im Internet. Über neue Helferinnen und Helfer freut sich der NABU jederzeit.

Vorstandsmitglied Anne Schroth erklärte den Besucherinnen und Besuchern am Tag der offenen Tür auch das große „Insektenhotel“ im Schutzgebiet.Foto: Harnisch



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