Eschborn (ew). Weit über die Grenzen von Niederhöchstadt bekannt sind die „Go Special“-Gottesdienste der Evangelischen Andreasgemeinde. Vor genau 30 Jahren wurde das besondere Format aus der Taufe gehoben und am Sonntag feiert das die Gemeinde mit einem fünfstündigen „Jubiläums-Go-Special“.
Zum Auftakt findet um 10.30 Uhr im Bürgerzentrum von Niederhöchstadt ein „Go Special“-Gottesdienst mit Kindergottesdienst statt. Danach folgen ein Sektempfang und ein gemeinsames Mittagessen. Ab 14 Uhr stehen Rückblicke, Geschichten und Beiträge aus drei Jahrzehnten auf dem Programm. Mit dabei sind „Go Special“-Erfinder Klaus Douglass sowie frühere und aktuelle Mitglieder des Organisations-Teams.
Es war im Dezember 1995, als der erste „Go Special“ der Andreasgemeinde gefeiert wurde und damit auch einer der ersten dieser neuartigen Gottesdienste in Deutschland. Das Angebot richtete sich insbesondere an Menschen, die der Kirche distanziert gegenüberstehen und die eher selten einen Gottesdienst besuchen: Rock und Pop statt Kirchenlieder, Theater statt Lesung, Moderation statt Liturgie, spannende Themen sowie Frage und Antwort statt Predigt.
Klaus Douglass war damals Pfarrer der Gemeinde. Er hatte Kai Scheunemann, von Beruf Diplom-Theologe, gebeten, bei diesem ersten „Go Special“ als externer Berater anwesend zu sein. Das war sein beruflicher Einstieg in die Gemeinde: Kai Scheunemann war als einer der beiden pastoralen Leiter der Gemeinde von 1996 bis 2016 für die Organisation der besonderen Gottesdienste zuständig. Anschließend leitete Pfarrer Karsten Böhm das Team.
Von Anfang an hat das Format „Go Special“ offenbar einen Nerv getroffen. Schon der erste Gottesdienst wurde von rund 140 Menschen besucht. Nach nur einem Jahr wurde dann mit 440 Besucherinnen und Besuchern im Bürgerzentrum gefeiert. Ab April 1997 wurden wegen der großen Resonanz zwei „Go Specials“ hintereinander veranstaltet und dann drei Jahre lang sogar drei in Folge.
Umzug ins Kinopolis
Ab Dezember 2002 wurden die „Go Specials“ im Kinopolis im Main-Taunus-Zentrum gefeiert. Auftakt war eine Mitternachts-Ausgabe um 24 Uhr vor dem Start des Films „Herr der Ringe“. Danach etablierte es sich in der Gemeinde, zehn Mal pro Jahr zu „Go Specials“ einzuladen. Ebenfalls viel Beachtung fand die Fernseh-Übertragung eines der Gottesdienste im ZDF im April 2016.
Tausende haben mittlerweile die „Go Specials“ der Andreasgemeinde besucht, und hunderte haben dafür gearbeitet. „Go Special lebt vom Ehrenamt,“ sagt Karsten Böhm. „Das wollen wir an diesem Jubiläum feiern.“ Und Kai Scheunemann erinnert sich: „Auch wenn zeitweise 40 bis 60 Mitarbeiter pro Go Special aktiv waren – wir waren immer offen für neue Mitarbeitende und ihre Ideen. Und wenn man sich vorstellt, dass viele der Mitarbeitenden bei einem Go-Special-Sonntag acht bis zwölf Stunden aktiv waren, bin ich immer noch voller Hochachtung und sprachlos.“
Mit der Corona-Pandemie 2020 musste die Reihe vorübergehend abgesagt werden. Ein Online-Gottesdienst, der unter der Woche produziert wurde, ersetzte den Sonntagsgottesdienst für eine Weile. Auf die Dauer konnte die Gemeinde dieses zusätzliche Angebot aber nicht aufrechterhalten.
Neues Konzept in Arbeit
Die „Go Specials“ wurden nach der Pandemie wieder aufgenommen. Kai Scheunemann: „Doch diese Form des Gottesdienstes orientierte sich an den Erwartungen der Boomer und der Generation X. Die heute 20- bis 40-Jährigen erreichen wir damit nicht.“ Die Gemeinde habe deshalb etwas Neues entwickelt.
Der 1970 gegründeten Andreasgemeinde gehören heute rund 1.800 reguläre Mitglieder an. Ihr Pfarrer ist nach wie vor Karsten Böhm. Die Andreasgemeinde will sich insbesondere auch weiterhin an Menschen richten, die der Kirche fernstehen. Vielen Kirchengemeinden in Deutschland dient sie mittlerweile als Vorbild. Der 1994 gegründete Gemeindeaufbauverein finanziert zehn zusätzliche Teilzeit-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.
Weitere Informationen über die Andresasgemeinde und die „Go-Special“-Gottesdienste gibt es unter andreasgemeinde.de im Internet.
Kai Scheunemann (rechts) hat die „Go Specials“ geprägt. Seit zehn Jahren leitet Karsten Böhm (links) das Organisations-Team.Foto: Andreasgemeinde
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