Der offizielle Dank zwischen Dirigent Witolf Werner und Sopranistin Manami Okazaki, der Applaus hat da bereits signalisiert, dass das letzte Wort noch nicht gesungen war.Foto: nl
Friedrichsdorf (nl). Draußen hatte der Schnee die Stadt leise gemacht. Die Straßen wirkten wie frisch gebügelt, jeder Schritt klang ein wenig vorsichtiger als sonst. Drinnen hingegen, in der Stadthalle, begann das neue Jahr mit einem deutlichen Kontrapunkt: mit Schwung, Glanz und jener unerschütterlichen Zuversicht, die nur ein gut gebautes Neujahrskonzert verbreiten kann.
Das Johann-Strauß-Orchester Frankfurt stellte seinen Jahresauftakt unter das Motto „Hofburg meets Hollywood“, ein Versprechen, das weniger auf Spektakel zielte als auf ein charmantes Crossover zweier musikalischer Weltanschauungen. Hier der Wiener Walzer mit seiner eleganten Selbstironie, dort die Filmmusik, die weiß, wie man Gefühle auf den Punkt bringt. Beides zusammen ergab einen Abend, der sich nie wichtiger nahm, als er war, und gerade deshalb überzeugte.
Witolf Werner führte als Moderator und Dirigent durch das Programm mit der Gelassenheit eines Hausherrn, der weiß, dass sein Publikum gut aufgehoben ist. Seine Anmerkungen wirkten weder erklärend noch dekorativ, sondern wie beiläufige Wegweiser durch ein Programm, das klug zusammengestellt war und auf innere Logik setzte statt auf bloße Abfolge bekannter Titel.
Der erste Teil gehörte der klassischen Neujahrstradition. Oskar Straus’ „Ein Walzertraum“ öffnete den Abend mit schimmernder Eleganz, Franz Léhars „Paganini“ brachte lyrischen Glanz, Johann Strauß’ „Prozeß-Polka“ sorgte für federnden Witz. Besonders die „Accelerationen“ zeigten, wie viel Spielfreude in präziser Zurückhaltung liegen kann. Hier wurde nichts ausgestellt, sondern mit feinem Humor ausgespielt. Kálmáns „Zirkusprinzessin“ und Millöckers „Gasparone“ erweiterten den Blick auf die Operette jenseits der üblichen Verdächtigen, ein Programm, das vertraut klang, ohne vorhersehbar zu sein. Manami Okazaki setzte als Sopranistin leuchtende Akzente. Ihre Stimme verband Klarheit mit Charme, ohne jede Dramatik überzustrapazieren. Gerade diese elegante Zurücknahme machte ihre Auftritte so wirkungsvoll. Nach der Pause wechselte der Abend mühelos das Genre, nicht als Bruch, sondern wie ein Szenenwechsel im Film. „The Sound of Music“, „High Society“, „Der Pate“ oder „Titanic“ erschienen nicht als nostalgische Erinnerungsstücke, sondern als sorgfältig orchestrierte Erzählungen. Die Medleys waren klug gebaut, pointiert und frei von musikalischer Effekthascherei. „Speak Softly Love“ entfaltete eine intime Wärme, „My Heart Will Go On“ überzeugte durch Klarheit und Haltung statt durch große Gesten.
Selbst „Bonanza“ fügte sich überraschend stimmig ein, nicht als augenzwinkernder Scherz, sondern als Hinweis darauf, wie tief Filmmusik im kollektiven Gedächtnis verankert ist.
Als das Publikum schließlich hinaus in den Schnee trat, wirkte Friedrichsdorf für einen Moment wie eine Filmkulisse nach dem Abspann. Dieses Neujahrskonzert war kein lautes Ausrufezeichen, sondern ein elegant gesetzter Doppelpunkt: ein Anfang, der Lust auf mehr machte und auf ein Jahr mit etwas mehr Leichtigkeit.
Manami Okazaki singt sich beim Neujahrskonzert mühelos durch das Programm und zeigt dabei, dass der Weg von der Operette bis nach Hollywood keine große Strecke sein muss.Foto: nl
Gemeinsam im Klang: Die Cellogruppe sorgt für Wärme und Geschlossenheit, ein Detail, das den Gesamteindruck trägt.Foto: nl


