Was passiert im Baugebiet Hoher Weg – Entscheidung naht

Wo früher Schüler spielten, lachten und lernten ist heute alles leer, verlassen und verwahrlost. Sieben Jahre Leerstand haben ihre Spuren an den Gebäuden der alten PRS hinterlassen. Nach dem Abriss soll hier ein neues Wohnviertel entstehen. Foto: fch

Friedrichsdorf (fch). „Vergiss mich nicht“ hat ein Schüler auf die Fassade der alten Philipp-Reis-Schule (PRS) am Hohen Weg gesprüht. Die Gebäude sind seit dem Umzug des Schulbetriebs Anfang 2012 in das heutige Gelände an der Färberstraße heruntergekommen. Zerbrochene Fensterscheiben, zerschlissene Sonnensegel, besprayte Fassaden. Das eingezäunte Gelände mit verwildertem Schulgarten und Schulteich ist ungepflegt. Bereits vor vier Jahren hatte der Kreistag dem Verkauf des 30 086 Quadratmeter großen Areals für 9 838 122 Euro an die BPD Immobilienentwicklung GmbH mit Sitz in der Frankfurter Bürostadt in Niederrad zugestimmt. Auf dem Gelände des Kreises und auf angrenzenden Grundstücken aus Privatbesitz soll ein Wohngebiet entstehen. Die Bauleitplanung übernahm die Stadt Friedrichsdorf. Verzögert wurde der Abriss der alten Schulgebäude bisher durch Lärmschutzmaßnahmen. Die künftigen Bewohner des neuen Baugebietes sollen vor dem Lärm aus dem benachbarten Freibad geschützt werden.

Wie geht es weiter?

Im Bebauungsplanverfahren vorgesehen wurde in einem Entwurf eine acht Meter hohe und 50 Meter lange Mauer. Diese war über das Schwimmbadgelände geplant. In einem zweiten Entwurf wäre entlang des Mirabellenweges eine 14 Meter hohe und 55 Meter lange Mauer gebaut worden. Durch eine Gesetzesänderung auf Bundeebene vor zwei Jahren erledigte sich das Mauerthema. Seither sind Schallschutzmaßnahmen direkt an den Gebäuden möglich. Diese können in Form von nicht zu öffnenden Fenstern, Loggien oder verglasten Balkonen erfolgen. Jetzt ist wieder Bewegung in das „Wohngebiet Hoher Weg-Süd“ gekommen. Am Donnerstag, 11. April, entscheiden die 37 stimmberechtigten Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung über die Zukunft des brach liegenden Areals. Das Veto der Volksvertreter ist gefragt zu zwei Punkten. Einmal zu Punkt 9 „Städtebaulicher Vertrag zur Durchführung des Bebauungsplanes Nr. 131-I, „Wohngebiet Hoher Weg-Süd“ und das zweite Mal zu Punkt 10 „Bebauungsplan Nr. 131-I, „Wohngebiet Hoher Weg - Süd“, Beschluss über die im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit eingegangenen Stellungnahmen“.

Sollte das Stadtparlament dem städtebaulichen Vertrag zustimmen, dann könnte bald mit dem Abriss der maroden Gebäude begonnen werden. Wo heute die Schulgebäude stehen, sollen 30 Häuser mit 85 bis 112 Wohnungen gebaut werden. Geplant sind drei Mehrfamilienhäuser mit 60 bis 70 Wohneinheiten, acht Reihenhäuser sowie 17 Einzel- oder Doppelhäuser. Hier könnten zwischen 196 und 258 Bürger ein neues Zuhause finden. Aus Gründen zum Schutz der Umwelt soll das Regenwasser von den Dachflächen in Zisternen geleitet und falls möglich als Brauchwasser genutzt werden. Auf den Dächern sollen Sonnenkollektoren für die Warmwassererzeugung und Photovoltaikanlagen für die Stromerzeugung installiert werden. Bei den Mehrfamilienhäusern sollen die Heizungen mit erneuerbaren Energiequellen oder Pellets betrieben werden. Zusätzlich sollen unter dem Dach Niststeine für Vögel und Fledermäuse eingebaut werden.

Vor dem Abriss müssen die alten Gebäude überprüft werden, und etwaige gefiederte Bewohner umsiedeln zu können. Ebenfalls eine Entscheidung gefordert wird von den Stadtverordneten über die Verkehrsregelung im betreffenden Wohngebiet. Das ist ein sensibler Bereich. Gegenüber und in unmittelbarer Nähe befinden sich die Peter-Härtling-Schule und ein Kindergarten. Empfohlen wird eine verkehrsberuhigte Zone im Hohen Weg. Mit Spannung von Anwohnern und Eltern erwartet wird das Ergebnis der 21. öffentlichen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung.

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