Philipp-Reis-Preis für junge Forscher

Johann-Philipp-Reis-Preis, hier: VDE-Präsident Dr.-Ing. Günther Kegel, Laudator Prof. Dr.- Ing. Stephan ten Brink, Preisträger Dr.-Ing. Jakob Hoydis, Bürgermeister Horst Burghardt, Preisträgerin Prof. Dr.-Ing. Delphine Reinhardt, Laudator Dr.-Ing. Hans-Peter Quadt und Gelnhausens Bürgermeister Daniel Christian Glöckner. Foto: fch

Friedrichsdorf
(fch). „Einen schöneren Preis als den, den ich heute bekommen habe, und zwar den Johann-Philipp-Reis-Preis gibt es für einen in der Telekommunikation arbeitenden nicht“, bedankte sich Dr.-Ing. Jakob Hoydis bei den Stiftern und Juroren.

Der Preisträger Dr.-Ing. Jakob Hoydis teilt sich den alle zwei Jahre seit 1987 vergebenen Philipp-Reis-Wissenschaftspreis für eine herausragende, innovative Veröffentlichung im Bereich der Nachrichtentechnik, die auch Potential für die Volkswirtschaft erwarten lässt, mit Prof. Dr.-Ing. Delphine Reinhardt. Und damit auch das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro. Friedrichsdorfs Bürgermeister überreichte die Urkunden an die beiden jungen Wissenschaftler und freute sich: „.Beide sind Europäer, arbeiten in Frankreich und Deutschland und sind wie in der Ausschreibung gefordert, junge Wissenschaftler.“ Preisträger Dr.-Ing. Hoydis bekannte: „Ich habe bisher immer geglaubt, dass Alexander Graham Bell der Erfinder des Telefons war.“ Damit ist er leider nicht allein. Erfinder der bahnbrechenden technischen Entwicklung war Johann Philipp Reis, geboren 1834 in Gelnhausen und 1874 in Friedrichsdorf verstorben. Am 26. Oktober 1861 führte Reis in einem Vortrag vor dem damaligen Physikalischen Verein seine Erfindung erstmals in Frankfurt am Main vor. Der Lehrer, Physiker und Erfinder Reis starb im Alter von 40 Jahren, bevor er sein Gerät zur Tonübertragung „Telephon“ für die praktische Nutzung weiterentwickeln konnte. Sein Apparat zum „Telefonieren durch galvanischen Strom“ wurde in kleiner Serie handwerklich gefertigt und in vielen Laboratorien in Europa und Amerika erprobt.

Wer hat’s erfunden?

Sprechtherapeut, Erfinder und Großunternehmer Bell gilt als der erste Mensch, der aus der Erfindung des Telefons Kapital geschlagen hat, indem er Ideen seiner Vorgänger zur Marktreife weiterentwickelte. Vergeben wird der renommierte Wissenschaftspreis mit Blick auf den Namensgeber an Wissenschaftler bis 40 Jahre. Aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums der erstmaligen Präsentation der genialen Idee von Erfinder Reis haben die Städte Friedrichsdorf und Gelnhausen, die Deutsche Telekom AG und der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) den Preis 1986 kreiert und 1987 zum ersten Mal vergeben. Ausgeschrieben wird der Preis von der Informationstechnischen Gesellschaft (ITG) im VDE, die auch für die sachliche Wertung und Reihung der eingereichten Arbeiten zuständig ist.

Prof. Dr- Ing. Stephan ten Brink von der Universität Stuttgart gab einen Einblick in die Forschungen von Dr.-Ing. Jakob Hoydis, der die Abteilung Funksysteme und Künstliche Intelligenz der Nokia Bell Labs in Frankreich leitet. Hoydis Forschungsinteressen beziehen sich auf die Bereiche maschinelles Lernen für Signalverar-beitung und drahtlose Kommunikation. Er beschäftigt sich mit einem neuen Ansatz, Kommunikationssysteme als Autoendcoder darzustellen, einer Spezialform tiefer, neuronaler Netze.

Die Laudatio für Preisträgerin Delphine Reinhardt, die bereits mit 29 Jahren Jung-Professorin in Worms wurde und seit 2018 Professorin an der Georg-August-Universität Göttingen ist, hielt Dr.-Ing. Hans-Peter Quadt, ehemals Deutsche Telekom AG. Der Schwerpunkt der Arbeit von Professorin Reinhardt liegt auf der Betrachtung neuartiger Technologien wie dem Internet der Dinge, die oftmals unbemerkt vielfältige Sensordaten der Nutzer erheben und dadurch neue Gefahren für die Privatsphäre darstellen. „Professorin Reinhardt entwickelt innovative Lösungen, damit die Nutzer die Kontrolle über ihre Daten wiedergewinnen.“

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