Ab Januar: Bäckerei und Konditorei Peter Neuhaus ein Teil von Kelkheims Geschichte

Zum Jahresende wird ein weiteres Stück Kelkheimer Geschichte der Vergangenheit angehören. Nach 47 Jahren, seit dem 1. September 1970, Bäckermeister und an seiner Seite seit 45 Jahren Ehefrau Barbara, wird Peter Neuhaus seine Bäckerei und Konditorei in Ruppertshain schließen. Beiden fällt die Entscheidung nicht leicht – der Nachwuchs fehlt, aber irgendwann fordert auch das Alter seinen Tribut. Das waren dann 47 Jahre, nachdem Peter Neuhaus das Geschäft von seinen Schwiegereltern übernahm, die auch fast fünf Jahrzehnte Ruppertshainer Geschichte widerspiegeln, angefüllt mit Veränderungen, Erfahrungen und vor allem gute Erinnerungen an die Kunden, die heute sogar aus Hofheim oder Schneidhain kommen, um sich im Hause Neuhaus mit Backwaren zu versorgen.

Die 47 Jahre verführen zu einer Zahlenspielerei, die wohl nicht ganz ernst zu nehmen ist, aber durchaus einen ernsten Hintergrund hat. Über den Daumen gepeilt waren das 47 Jahre zu je elf Monaten, da auch Barbara und Peter Neuhaus ein Anrecht auf Urlaub haben. Dreißig Brote wurden jeden Tag gebacken, 200 Brötchen. Zum Wochenende, wenn sich der Samstag als „Großkampftag“ nähert, noch mehr. Grob gerechnet waren das dann 250 Arbeitstage im Jahr. Müssten so um die 7.500 Brote im Jahr gewesen ein, plus der Brötchen. das geht dann noch in höhere Regionen. Sicherlich würden das Schüler der Rossert-Schule ausrechnen können, die immer wieder im Unterricht Gast bei der Familie Neuhaus waren und im vergangenen Jahr bei einem Besuch die Papierbrezel mitbrachten. Aber das würde schon in den Bereich der Mengenlehre, vielleicht auch der höheren Mathematik gehen.

Gelernt hat er sein Handwerk im Café Kobald in Höchst, bei ihm wiederum lernten neun junge Leute, die ihre Lehre erfolgreich abschlossen. Sie sind heute noch im Beruf oder branchenähnlich erfolgreich tätig. Einer von ihnen in Amerika. Von Zeit zu Zeit schaut er herein und sagt seinem Lehrherrn Guten Tag, ein immer wieder gern gesehener Gast. Siebzig Praktikanten wurden von Peter Neuhaus begleitet, Meisterschüler hat er für ihre Prüfung vorbereitet.

Und viele werden sich noch der Brote erinnern, die er bei den Handwerkerfesten zum Erntedank im Backofen des Rettershofes buk, Brote, die weggingen schneller als sie im traditionellen Ofen fertig wurden. Aber noch einmal zurück in die Vergangenheit. Da erinnern sich die beiden noch an die Zeiten, wenn in den sechziger Jahren bei Gewittern die Sicherungen rausflogen, da tröpfelte das Wasser eher aus der Leitung, mehr als es lief. Und jeden Tag mussten für den Teig, der übrigens mit der Hand geknetet wurde, fünf bis sechs 20-Liter-Eimer gefüllt werden, ein Geduldspiel. Erst als die Quelle oberhalb Ruppertshains erschlossen worden war, konnte Peter Neuhaus das besonders schmackhafte Wasser verbacken.

Peter Neuhaus gehört seit undenklichen Zeiten zur Ruppscher Freiwilligen Feuerwehr, das knackige Brot beim Schlachtfest wurde beim Peter gebacken. Und der Rest des Jahres? Nun, das Programm läuft normal weiter. Augenblicklich der Jahreszeit entsprechend der Zwetschgenkuchen auf den Backblechen, dem die Bethmännchen und die Weihnachtsstollen folgen, nachdem der Kuchen in den Monaten vorher mit Erdbeeren oder anderen Früchten des Gartens belegt waren. Die Stollen ein weiteres Thema: Unendlich lang ist die Liste der mit Gold verzierten ersten Preise, die es für den Peter-Neuhaus-Stollen gab, wie auch die Top-Urkunden für das Brot, nicht zuletzt für den großen runden Laib, auf die sich vor allem Samstag-Kunden freuten. Diese Auszeichnungen füllen einen ganzen Aktenordner. Vergangenheit, leider.

So wird es in Ruppertshain nach dem 1. Januar 2018 nur noch eine Bäckerei geben, die Bäckerei Wittekind in der Robert-Koch-Straße.

Nach den Zukunftsplänen für diese Bäckerei haben wir vorsichtshalber erst einmal nicht gefragt.



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