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Hornissen auf Insektenjagd Naturbetrachtungen aus Kelkheim und Umgebung

Der heiße Sommer kommt den Insekten gerade recht. Die Hitze, die vielen von uns erhebliche Probleme bereitete, hat im Jahre 2018 zu einer kleinen Erholung vieler Insektenarten geführt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass in den letzten Jahrzehnten etwa 80 Prozent der weltweit größten Tiergruppe in Mitteleuropa verschwunden ist, da reicht ein „guter Sommer“ für deren Erhalt, geschweige denn Erholung, natürlich nicht aus. Sollte es in Zukunft zu einer „Heißzeit“ kommen, profitieren natürlich auch nur diejenigen Arten, die ein heißes Klima mögen, andere Arten, man denke nur an Tiere, die in den höheren Lagen der Alpen vorkommen, leiden eher darunter und werden daher langfristig aussterben.

Hornissen gehören neben vielen Wespenarten zu den Tieren, die Wärme brauchen.

Ein trockenes und warmes Frühjahr erleichtert den Hornissenköniginnen die Staatsgründung erheblich. Sie können oft auf Beutefang gehen und damit ihre Brut ernähren, denn Hornissen brauchen für ihre Nachkommen Eiweißkost. Sie selbst lieben zum Beispiel die zuckerhaltigen Fruchtabfälle auf dem Kompost und naschen daher gern an gärenden Pflaumen, Äpfeln und dergleichen (BILD, Kopfbereich einer Hornisse).

Doch meist sind sie auf der Jagd nach anderen Insekten, vor allem Wespen. Die Strategie ist denkbar einfach: Auf die potentielle Beute losfliegen und rasch zupacken. Doch die allermeisten Angriffe gehen ins Leere. Wespen oder auch Goldfliegen, Bienen und kleine Hummeln sind immer auf der Hut vor den großen und damit schwerfälligen Hornissen. Sie lernen schnell, dass das große brummende Tier eine tödliche Gefahr für sie ist und entkommen fast immer. Nach eigenen Beobachtungen gelingt nur etwa jeder zehnte bis zwanzigste Angriff, obwohl der Jäger immer und immer wieder einen Angriff versucht.

Vor allem auf Blüten des Sommerflieders, später im Jahr auf den Blüten einer großblättrigen Minze finden sich Beutetiere. Flügel von Schwalbenschwanz und Tagpfauenauge unter dem Sommerflieder zeugen davon, dass sie den einen oder anderen Tagfalter bei der Nektaraufnahme überrascht und überwältigt haben.

Den Beutefang der Hornissen konnte ich am Kompost mehrfach beobachten. Im direkten Anflug klappte es meist nicht, wohl aber, wenn die Wespen unter den Früchten saßen.

Die großen Hornissen versperrten ihnen dann den Ausweg und kamen mit dem Tier zwischen den Beinen und Mundwerkzeugen hervor. Anschließend flogen sie dann auf einen Fliederbusch und bearbeiteten die Beute. Entweder wurden zuerst die Flügel abgebissen und dann der Hinterleib, es konnte aber auch umgekehrt sein.

Immer ging es dem Räuber darum, den Brustabschnitt der Beute ins Nest zu transportieren. Nur er enthielt die Muskulatur und damit hochwertige Eiweiße für die Brut. Der Hinterleib war wertlos, wurde abgebissen und fiel zu Boden. Der Beobachter konnte dabei in unmittelbarer Nähe (manchmal in nur 30 Zentimeter Entfernung) der Hornisse bei ihrem Tun zuschauen, ohne Gefahr zu laufen, angegriffen zu werden. Denn Hornissen sind, ganz im Gegensatz zu ihren kleineren Vertretern – vor allem den Erdwespen – keineswegs aggressiv.

Hoffen wir mal, dass es im Herbst eine ausreichende Zahl an begatteten Königinnen gibt, die die Überwinterung schaffen. Dann können wir ihnen im kommenden Jahr erneut bei ihrem Treiben im Garten zuschauen.

KS

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