Ein junger Uhu versteckte sich im Gebüsch

Als die meisten Kelkheimer noch schliefen, um 4.50 Uhr begann das 11. bundesweite Birdrace für das Team der „Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) Kelkheim“ mit Matthias Fehlow, Bastian Mayer, Michael Orf, Volker Erdelen und Elias Barnickel am Kelkheimer Hauptfriedhof. Fünf schweigende Männer, bei wenigen Plusgraden dick vermummt, versuchten auf dem, um diese Uhrzeit noch stiller als üblich, Gelände die Waldohreule zu hören. Eine Viertelstunde später zogen die Ornithologen weiter, ohne Waldohreule.

„Beim Birdrace rennen nicht die Vögel, sondern die Beobachter, die innerhalb von 24 Stunden versuchen, so viele Vogelarten wie möglich in einem Landkreis zu sehen oder hören.

Dabei werden sie von Sponsoren unterstützt, die für ein Naturschutzprojekt Gelder spenden,“ erläutert Birdrace Organisator Michael Orf.

Jährlich wird vom Dachverband Deutscher Avifaunisten zum alljährlichen Birdrace zwischen Alpen und Nordsee aufgerufen. Über 200 Teams aus Vogelbeobachtern sind zwischen Morgengrauen und Abenddämmerung und teilweise bis in die Nacht hinein unterwegs, um möglichst viele Arten zu hören oder sehen.

Nachdem Waldkauz und Steinkauz im Kelkheimer Schmiehbachtal der „HGON Kelkheim“ immerhin zwei Eulen auf die Liste brachten, ging es über Fischbach (Grauspecht) weiter nach Eppenhain, wo ein Tag zuvor ein ausgekundschafteter Kleinspecht sich nach einigem Warten an der Bruthöhle zeigte. Ab hier bekam das Team auch zeitweilige Unterstützung von Mathias Stein und Oliver Conz. In Eppstein kam mit einem jungen Uhu, der sich im Gebüsch unter dem Brutplatz versteckte, die dritte Eulenart auf die Liste. „Wind am frühen Morgen machen die akustische Wahrnehmung der Gesänge und Rufe schwieriger als üblich“, berichtet der langjährige Birdracer Mathias Fehlow, „trotzdem konnten wir die etwas schwierigen Waldarten wie Waldbaumläufer und Waldlaubsänger aufspüren.“

Der weitere Tag wurde in den Kiesgruben im südlichen MTK verbracht, ehe das weitläufige Gelände der ehemaligen Deponie Wicker auf seltene Arten hin untersucht wurde.

Hier wurde unter anderem die einzige Grauammer des Tages gefunden, es sangen dazu Rohrammer und Schwarzkehlchen. Die Steinschmätzer, die auf dem Deponiegelände hessenweit eines der wichtigsten Brutgebiete haben, wurden ebenso notiert, wie der Flussregenpfeifer.

„Wir haben hier auf Watvögel gehofft“, meint Volker Erdelen, „aber der klappernde Weißstorch war in jedem Fall den Weg wert.“

Nachdem sich im Marxheimer Feld der Baumfalke als siebte Greifvogelart auf einem Hochspannungsmast zeigte, gelang mit einigen überfliegenden Feldsperlingen eine weitere Beobachtung einer in den letzten Jahren immer seltener gewordenen Vogelart. Als letzte und 102te Vogelart des Tages ließ sich später der Wanderfalke in Eschborn nicht bitten. Er saß brav auf seinem angestammten Sitzplatz, dem „o“ im Schriftzug des Vodafone-Hochhauses. Weitere Nachsuche nach der Turteltaube und dem Schwarzspecht blieben ebenso erfolglos, wie aufmerksames Hören im Fischbacher Wald nach den an diesem Tag sehr stillen Arten Kleiber und Gimpel.

Mit 102 Arten reichte es bundesweit für das Team der HGON Kelkheim nur für einen Platz im Mittelfeld.

Der kleine Main-Taunus-Kreis mit einer sparsamen Ausstattung an Gewässern und Lebensräumen am Rand des Ballungsraumes Rhein-Main kann sich nicht mit der deutschen Nordseeküste vergleichen lassen.

„Dafür haben wir Dank der langjährigen treuen Sponsoren mit 1.322 Euro wieder den dritten Platz in der bundesweiten „Spendenwertung“ beim DDA erreicht“, schließt Michael Orf. Lokale Spenden kommen direkt der HGON Ortsgruppe zugute. Informationen zum Birdrace auf der Homepage des DeutschenAvifaunisten www.dda-web.de oder der HGON Kelkheim www.hgon-kelkheim.de .

Im Bild von links: Elias Barnickel, Michael Orf (vorne), Bastian Mayer, Oliver Conz, Matthias Fehlow, Mathias Stein, Volker Erdelen, Horst Vogt.

Fotograf: Gregor Fuhr-Boßdorf.

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