Im besten Alter: Die Lounge in Kelkheim feiert 20. Geburtstag

Kelkheim (iba) – Es kommt einem wie gestern vor, tatsächlich ist es schon 20 Jahre her: Angela Merkel hatte gerade das Kanzleramt von Gerhard Schröder übernommen, Fußballfans, Sportjournalisten und Bundestrainer Klinsmann bereiteten sich auf ein vermeintliches Sommermärchen vor, Pluto war plötzlich kein Planet mehr. Kurt Beck (SPD), der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, empfahl einem Hartz-IV-Empfänger auf dem Weihnachtsmarkt: „Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job!“, Rudi Carrell wurde beerdigt, der Eintracht-Trainer hieß Friedhelm Funkel, die erste Folge von „Grey‘s Anatomy“ war gerade über die bundesdeutschen Bildschirme geflimmert – und aus irgendeinem Grund hatte Andreas Schulte die Idee, seine eigene Bar in Kelkheim aufzumachen, „Die Lounge“ war geboren, die inzwischen in „Die Lounge Der Burgger“ umbenannt worden ist.

Die Eins

Die Karte in der Anfangszeit konnte man wahlweise als übersichtlich oder als spartanisch bezeichnen, Loriots „Kalbshaxe Florida“ suchte man vergebens – wer „Die Eins“ bestellte, bekam einen Kaffee und eine Zigarette (man durfte in Gaststätten noch rauchen). Sonntags gab es kurzzeitig eine Art Langschläfer-Frühstücksbuffet (welches aufgrund von wenig Zuspruch bald wieder eingestellt wurde), aus den Lautsprechern kamen Lieder wie „I Still Burn“ von DSDS-Sieger Tobias Regner oder „Maneater“ von Nelly Furtado.

Angeboten wurde fast schon immer weit mehr, als man es in einer handelsüblichen „Kneipe“ erwarten würde. Mal gab es Live-musik mit zwei spanischen Akustikgitarren, mal geschlossene Gesellschaft. DFB-Pokalendspiele konnte man ebenso gucken wie die WM- oder EM-Auftritte der Deutschen Nationalmannschaft. Das Klassentreffen der IKS-Abiturienten fand hier mehr als einmal statt. Und zum 13. Geburtstag wurde die Fläche per Pavillon einfach bis zum Terrassenrand vergrößert, die Gäste hätten gar nicht alle in der Bar Platz gefunden. Dennoch lief nicht immer alles glatt, gerade die Ausgangsbeschränkungen während der Covid-Hochzeit haben vielen Gastronomen zugesetzt, „Schulti“ genauso. Wer zu gefühlt 95 Prozent von Laufkundschaft abhängig ist, ist finanziell auf Kante genäht, wenn die Gäste ausbleiben.

Die Burgerversicherung

„Die Corona-Zeit war bitter, da war ich schon kurz davor, den Laden hier zuzumachen. Dann stand ich irgendwann hinten in der Küche und hielt meine zwei Pfannen in der Hand, da kam mir die Idee mit den Burgern, eher nur so aushilfsweise – aber ich hatte ja den ganzen Tag Zeit. Ab da habe ich eben Burger angeboten, die verkaufe ich bis heute. Dann kam eben noch ein Gericht dazu und dann noch eines und noch eines.“

Hackfleisch-Lauchsuppe und Salate, Käsekuchen und Rahmgeschnetzeltes können Gäste mittlerweile bestellen, die Speisekarte ist langsam, aber stetig gewachsen.

„Die Eins“ gibt es immer noch, allerdings in überarbeiteter Form: Inzwischen ist der Rindfleischburger mit Zwiebeln und Gewürzgurke daraus geworden.

Was genau denn die Lounge inzwischen ist – immer noch eine (Cocktail-)Bar, eine Kneipe, ein Restaurant, ein Gastro-Pub, irgend etwas dazwischen? So genau kann das der Chef vom Dienst selbst nicht sagen, aber so lange die Gäste zufrieden sind, ist das wohl auch nicht so wichtig.

Attila und Südtiroler

Schulti setzt auf SGE-Stimmung und Wohlfühlatmosphäre, Qualität statt Quantität (das Rindfleisch für die Burger kommt nicht einfach irgendwoher), Musik in angenehmer Lautstärke und Gemütlichkeit.

Die Gäste bekommen Eintracht-Devotionalien an den Wänden, eine Attila-Nachbildung auf der Fensterbank, Bier aus dem Zapfhahn oder der Flasche, schmackhaften Rotwein („Der aus Südtirol geht immer, ich hatte noch keinen Gast, dem der nicht geschmeckt hat!“) und guten Service bis zum Ladenschluss („Bevor ich gleich die Kaffeemaschine sauber mache: Wollt Ihr noch einen...?“). Vielleicht ist der gute Draht zu den Gästen auch einer der Gründe, warum die Lounge vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen ist, viele hielten Schulti per Zum-Mitnehmen-Bestellung die Treue.

Geburtstags-Wochenendemit DJ und Bläsern

Mit diesen treuen Gästen – und allen anderen, die Lust haben – soll gefeiert werden: Am Samstag, 14. März, öffnet die Lounge ab 15 Uhr die Pforten, ab 21 Uhr könnte es etwas laut und etwas nostalgisch werden: Da wird DJ Eddi vorrangig 80er-Jahre-Musik auflegen, Don Johnsons Leinen-Sakko aus „Miami Vice“ kann also aus dem Schrank geholt werden. Am Sonntag, 15. März, geht es ab 10 Uhr mit einem geselligen Frühschoppen und Livemusik weiter („Da kommt das Hornauer Blasorchester, darauf freue ich mich jetzt schon. Ich hoffe nur, dass das Wetter mitspielt.“).

Und wer an dem Wochenende vielleicht gerade keine Zeit hat oder nicht auf Musik aus den 80ern steht, kann gerne irgendwann sonst auf einen Rotwein vorbeikommen – der aus Südtirol geht eigentlich immer...



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