Naturbetrachtungen aus Kelkheim und Umgebung Jetzt fliegen sie wieder

Gemeint sind die Schmetterlinge, die aussehen wie ein kleiner Kolibri. Alle Jahre wieder liest man in der Zeitung, dass die „Kolibris“ = Taubenschwänzchen wieder da sind und an den Blüten vieler Pflanzen Nektar aufnehmen. Doch anders als alle Tagfalter „steht“ das Taubenschwänzchen flügelschwirrend vor den Blüten, ohne sich zu setzen und nimmt mit seinem außergewöhnlich langen Rüssel – er kann bis zu 3 cm lang werden – den Nektar an Schmetterlingsflieder, Phlox, Geranien und anderen Blüten auf. Das sind Pflanzen, deren Kelch besonders lang ist und die daher von anderen Insekten kaum bestäubt werden können.

Die Flügel haben eine für Schmetterlinge ungewöhnlich hohe Frequenz: 70–90 Schläge in der Sekunde. Daher gelingen gute Fotos nur in seltenen Fällen (BILD: Dank an Detlef Sengebusch für den gelungenen Schnappschuss). So ist es nicht verwunderlich, dass manche Falter in etwa zwei Wochen 3.000 Kilometer weit geflogen sind.

Taubenschwänzchen gehören zu den Schwärmern, sind jedoch vornehmlich tagaktiv. Sie lieben die sonnigen Breiten und stammen eigentlich aus Südeuropa, kommen jedoch im Osten ihres Verbreitungsgebietes bis nach Japan vor.

Früher war die Art bei uns ausgesprochen selten und wurde nur im Sommer festgestellt. Doch seit einigen Jahren fliegen die Tiere bis in den Dezember und werden manchmal an sonnigen Tagen sogar im Januar gesehen. Dies spricht dafür, dass der flugaktive Schmetterling nicht mehr wie früher im Herbst in seine ehemalige Heimat im Süden zurückwandert, sondern bei uns überwintert.

Im warmen Rhein-Main-Gebiet gibt es dafür wohl genügend Baumhöhlen, Dachböden, Garagen und ähnliches, in denen die Tiere Schutz finden, um die kalte Jahreszeit unbeschadet zu überstehen.

Die Fortpflanzung findet bei uns im Sommer statt. Die Weibchen legen ihre Eier meist einzeln im Flug an Labkraut ab. Bei günstigen Temperaturen wachsen die Raupen schnell heran und verpuppen sich – wie andere Schwärmer auch – in der Erde.

Man hat festgestellt, dass die Falter ein für Insekten gutes Erinnerungsvermögen haben und immer wieder zu den Orten zurückfinden, an denen sie reichlich Nahrung tanken konnten. Allerdings können sie sich nicht mit Bienen messen, deren Gedächtnis noch einmal deutlich besser ist.

An den warmen Tagen im April waren die Falter bereits aktiv, dann wurde es ihnen wieder zu ungemütlich.

Doch der Frühsommer steht vor der Tür. Dann blühen die ersten Geranien, Betunien und der Sommerflieder kommt auch bald zur Blüte. Hoffen wir darauf, dass in einer Zeit von immer weniger Insekten die schnellen Flieger uns weiterhin erhalten bleiben. KS

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