Hornau (nd) – Am vergangenen Samstag feierte der Jazzclub in Hornau sein 60-jähriges Bestehen. Viele der zahlreichen Besucher kannten die beliebte Kulturstätte schon seit ihrer Jugend. „Der Jazzclub ist einfach eine Institution und ein Kelkheimer Spezifikum – wir können stolz darauf sein“ lobte Dirk Hofmann, der in seiner Funktion als erster Stadtrat auch für den Bereich Kultur zuständig ist.
Lange Vereinsgeschichte
„Der Jazzclub ist seit 60 Jahren vereinsgeführt – alle arbeiten ehrenamtlich“, erklärte Volker Dosch, der seit dem Jahr 2016 der erste Vorsitzende des Vereins ist. In dieser Zeit musste der Jazzclub öfter seine Residenz wechseln.
Los ging es im Juli 1966 in den Räumen der Evangelischen Kirche in der Gundelhardtstraße/Am Berg. Als sich der Club mit der Zeit immer mehr zur Disco mauserte und die Besucher in Scharen kamen, wuchs auch der Ärger der Nachbarn. Nach längerer Suche war im Jahr 1971 mit der Alten Schule in der Rotlintallee, ein neues Zuhause für den Jazzclub gefunden. Schnell wurde das Programm immer umfangreicher. Jährlich fanden bis zu 30 Konzerte statt und bis zur Eröffnung des Kinos wurden zusätzlich bis zu 30 Kinofilme gezeigt. „Insgesamt waren es fast 2.000 Konzerte in 60 Jahren“, so Dosch. Hinzu kamen Kleinkunstveranstaltungen. Seit dem Jahr 1990 wurde über eine Sanierung der Alten Schule diskutiert. Aus Kostengründen entschied man sich für einen Neubau. Dieser öffnete im Februar 2001 seine Tore. Die schwierigen Coronajahre wurden für die Sanierung und Neugestaltung des in die Jahre gekommenen Jazzclubs genutzt. Mit einem hohen Maß an Gemütlichkeit lockt er nach wie vor viele Besucher jeden Alters an. Das liegt auch daran, dass die Mitglieder des Vereins mit der Zeit gehen. So ist der Jazzclub sowohl auf Instagram als auch auf YouTube vertreten. Nicht ohne Stolz, kann der Verein mit 123 Mitgliedern aufwarten. Den Newsletter haben über 500 Personen abonniert.
Feierlicher Empfang
Mit einem feierlichen Empfang begann, was für alle ein behaglicher Abend werden sollte. Getränke und Speisen übernahm zur Feier des Tages der Verein und auch der Eintritt war frei. Volker Dosch begrüßte die sehr zahlreichen Besucher und erzählte etwas über die Geschichte des Vereins. Auch der erste Stadtrat, Dirk Hofmann, ergriff das Wort. „Es ist bemerkenswert, wie aus einer Idee weniger Leute, etwas Großes wird“, so Hofmann.
Ebenfalls gekommen war natürlich Bürgermeister Albrecht Kündiger. Ihn verbinden mit dem Jazzclub viele Jugenderinnerungen. „Der Jazzkeller war der Ort, an dem man sich getroffen hat und auch politisch diskutiert hat – neben dem Raum als Partyraum, war es ein Diskussionsraum“, lobte Kündiger. Es sei schon immer ein Ort gewesen, an dem man sich zusammengefunden habe und er wünsche sich als Bürgermeister, dass es so bleibt. Einen Umschlag mit einem Präsent der Stadt Kelkheim hatte Albrecht Kündiger ebenfalls mitgebracht. Nach dem offiziellen Teil des Abends wurde es musisch.
Blackhouse Bluesband begeistert
Eine besondere Freude war für die Besucher an diesem Abend der Auftritt der „Blackhouse Bluesband“. Diese ist nach ihrem Proberaum in Kelkheim benannt. Bereits zuvor hatten die fünf Musiker Konzerte im Jazzclub gegeben. Allerdings beschränken sie sich dabei nicht nur auf Blues. „Wir machen nur, was wir machen wollen – der Blues ist eher ein Aufhänger für unsere Einstellung“, erklärte Gitarrist Rainer Kitze. Rock und Blues spielen dabei ebenso eine große Rolle, wie jazzige Komponenten. Von Aufregung ist bei den Künstlern nichts mehr zu spüren, wie Sängerin Meltem Fuchs bestätigte. Schließlich spielt die Band schon seit sechs Jahren in dieser Kombination. Neben Sängerin Meltem Fuchs und Gitarrist Rainer Kitze, freuten sich auch Schlagzeuger Stefan Petry, Bassist Werner Kramer und der zweite Gitarrist Thomas von Lingen sehr auf ihren Auftritt. Die Besucher genossen die Klänge der Band sichtlich. Diese setzt zu 30 Prozent auf eigene Songs und zu 70 Prozent auf Neuinterpretationen.
Der Gastauftritt von Vereinstechniker Matze Halbach kam ebenfalls sehr gut an. Nach dem Konzert ging die Party mit Musik aus vielen Genres weiter.
Das Altersspektrum der Gäste war gut durchmischt. „Ich bin durch einen Aushang am Kino auf die Veranstaltung aufmerksam geworden und hatte direkt ein gutes Bauchgefühl“, so Robert Fobbe, der zu den jüngeren Besuchern gehörte. Er hört gerne exotischeren Jazz und war schon gespannt, was der Abend mit sich bringt. Durch einen Freund ist Robert Fobbe mit äthiopischem Jazz in Berührung gekommen, der ihm sehr zusagt. Der sogenannte „Ethio-Jazz“ verbindet traditionelle äthiopische Melodien mit westlichen Jazz-Harmonien und -Instrumenten.
Volles Programm im Jazzclub
Damit es auch die nächsten 60 Jahre so erfolgreich mit dem Jazzclub weitergeht, bietet dieser ein tolles Programm.
Ob die Seniorendisko „Zeitlos im Takt – Let‘s dance again“ (nächster Termin am 18. Oktober) oder die „Nachtrevue – Kleinkunst mit drei Programmteilen“ (nächster Termin am 4. November) – es ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei. Hinzu kommen unzählige Livekonzerte.
Auch wer die „Blackhouse Bluesband“ verpasst hat, muss nicht traurig sein. Am 15. Januar 2027 tritt diese wieder im Jazzclub in Hornau auf.



