25. Bolzercup in Falkenstein zu Ehren von Karl Gustav Schramm

So sehen Sieger aus: Die alten und neuen Bolzercupgewinner: Falkenstein United: Lenard Wolf, Niclas Steinmetz, Alexander Strba und Niklas Bind empfangen und verteilen als Orgateam an diesem Tag die von Karl-Gustav Schramm gestifteten Pokale. Foto: Stehle

Falkenstein (dea) – Vergangenen Sonntag war ungewöhnlich viel los auf dem Falkensteiner Bolzplatz neben dem Bürgerhaus. Ein überdachter Platz mit Bänken, viele glänzende Pokale und eine Ansage via Lautsprecher wiesen eindeutig darauf hin, dass hier nicht einfach nur zum Spaß gekickt wurde. Wenn es im Fußball um Sieg oder Niederlage geht, dann ist jede Mannschaft mit Eifer, Sportsgeist und Ernst dabei. So auch in Falkenstein, wo das Bolzen auf einem weitaus kleineren Sportplatz bereits eine 25-jährige Tradition hat. Der ursprüngliche Bolzplatz war früher ein gutes Stück weiter oben am Waldrand angesiedelt, dort, wo jetzt Häuser stehen, informiert kein Geringerer als Jan Majer-Leonhard, der gemeinsam mit Thomas Thiemeyer in seiner Kindheit den Wunsch hegte, mal ein richtiges Fußballturnier für die Falkensteiner Jugend von 6 bis 17 Jahren veranstalten zu können. Unterstützt wurden die Buben dabei tatkräftig von Karl-Gustav Schramm, der bis heute seine schützende Hand über das Turnier hält.

Wohl wissend, dass ein Falkensteiner Turnier auch Falkensteiner Regeln benötigt, war man sich schnell einig, dass mindestens ein Spieler von vieren ein Falkensteiner Grundschüler sein muss, zwei bis drei weitere Spieler müssen aus Falkenstein stammen und pro Mannschaft gibt es eine Green Card, die einen „Auswärts“-Spieler erlaubt. Lange wurden diese Regeln auch genauestens eingehalten, bis irgendwann der Faden riss und sich kein Falkensteiner Grundschüler mehr für ein Turnier meldete. Jan Majer-Leonhard bedauert dies und appelliert daher an die Falkensteiner Grundschüler wenigstens im nächsten Jahr bei diesem Spaß wieder mitzumachen. Für ihn hat sich dieses Turnier durch die 25 Jahre hin auch ohne Budget gehalten. „Es ist schön zu sehen, dass die Kids heute mit genauso viel Spaß dabei sind, wie wir damals“, freute er sich, fügte aber noch zwinkernd hinzu: „Aber wir haben besser gespielt.“

Genau das taten an diesem Tag auch die Jungs vom Organisationsteam, die alle Hände und Füße voll zu tun hatten, galt es nicht nur im Vorfeld zu organisieren – man hatte die Asylanten aus Königstein eingeladen, sich am Spiel zu beteiligen, was drei Männer aus Eritrea dann auch taten – man musste den besten und fairsten Spieler küren, sich bei Karl-Gustav Schramm für seine 25-jährige Unterstützung mit einem Pokal bedanken und so ganz nebenbei noch den Titel von 2014 im Finale verteidigen. (Deshalb haben die Herren auf dem Artikelfoto auch so rote Köpfe, weil sie gerade das Finale gewonnen haben und dann noch schnell alle Pokale geschnappt haben, um fürs Foto zu posieren). Der erste Bolzercup fand übrigens 1991 statt, was nun bedeutet, dass es zwar kein 25-jähriges Jubiläum ist, aber man zum 25. Mal den Cup in Form eines Wanderpokals verliehen hat. Zwölf Teams mit ungewöhnlichen Namen, die nie in der Bundeliga auftauchen würden, wie Hansa Rostbock, Preussen Bolzköppels und Bolzerhaudegen und die seit 25 Jahren existieren, kämpften fair und mit Ernst um diesen Pokal. Der wurde, übrigens wie die anderen Pokale auch, seit 1991 von Karl-Gustav Schramm gestiftet. Nicht nur in den Augen von Jan Majer-Leonhard ist Schramm die gute Seele des Bolzplatzes und des Turniers. Jahr um Jahr hat Schramm auch gewöhnliche Aufgaben zuverlässig erledigt, wie den Bolzplatz auf- und abzuschließen, die Moderation während des Turniers zu übernehmen, oder seine Verbindungen zum Vereinsring spielen zu lassen, um so praktische Dinge wie Bänke, Bälle und Leibchen für die Teams zur Verfügung stellen zu können. Da sich die Teams immer kurz vor Spielbeginn zusammenfinden, sind letztere Kleidungsteile für Mannschaft und Zuschauer wichtig, um zu erkennen, wer hier gegen wen den Ball durch den kleinen Platz aufs kleine Tor schießt. Interessiert beobachten auch schon die Kleinsten, was auf dem Bolzer so vor sich geht, und so verwundert es eigentlich nicht, wenn der Nachwuchs schon lange vor seinem ersten Spiel auf dem Bolzplatz dem Turnier entgegenfiebert. Wobei es gerade an diesem einen Tag im Jahr natürlich um mehr geht. Der Nachwuchs steht aber bereits jetzt schon in den Startlöchern. Der fünfjährige Julius Kratz stellte sich mit glänzenden Augen vor die Reporterin, um voller Freude kundzutun: „In fünf Jahren gewinne ich den Bolzercup.“ Was dann übrigens in der Familie liegen würde, denn sein Vater hat den ersten Cup überhaupt gewonnen. Doch wie gewonnen, so zerronnen könnte man meinen, wenn man den Wanderpokal nach einem Jahr bereits wieder hergeben muss. Doch dafür gibt es noch einen weiteren Pokal, den man dann behalten darf und das ist der Pokal für den ersten Platz. In Ermangelung eines Vereinsheims darf daher jeder Mitspieler des vierköpfigen Teams den Cup eine Zeitlang bei sich zu Hause behalten, bevor er ihn wieder hergeben muss. Doch bei aller Freude gab es an diesem Tag einen Wermutstropfen, denn die Hauptperson Karl-Gustav Schramm konnte dem Turnier aus Krankheitsgründen nicht beiwohnen. Den Pokal hat man ihm natürlich trotzdem überreicht, denn die Bolzplatzmeister haben diesen noch am selben Tag bei ihm zu Hause vorbeigebracht.



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