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„Wo er aufgetreten ist, war es immer interessant“

Dr. Christof Loch nach einem Vortrag über den „Wasserdoktor“ Georg Pingler in der Stadtbibliothek im Jahr 2015. Foto: Archiv Friedel

Königstein (hhf) – „Plötzlich und unerwartet“ – selten trifft dieser Passus in Bezug auf den Tod eines Menschen, der immerhin schon seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, so tiefgründig zu wie nun bei Dr. Christof Loch. Bis zum letzten Tag war er in und um Königstein unterwegs, plante und besprach mit Freunden und Bekannten neue Ziele und Vereinsangelegenheiten.

Hausarzt und Kommunalpolitiker, Natur- und Denkmalschützer, beheimatet im Taunus und Oberschlesien, engagierter Katholik und Familienvater... „Dr. Loch“ gehörte sicherlich zu den bekanntesten Persönlichkeiten im Ort, nicht zuletzt, nachdem er Spenden gesammelt und damit ein Bronzedenkmal für die Bischöfe Kaller und Kindermann sowie den „Speckpater“ Werenfried errichtete.

„Wo er aufgetreten ist, war es immer interessant“, fasst Alexander Freiherr von Bethmann treffend zusammen, eine„farbige Gestalt“, die „auf vielen Klavieren in der Kommunalpolitik mitgespielt“ hat. Hier gehörte Loch sowohl zu den Gründervätern der ALK als auch 20 Jahre zur CDU. Aus deren Reihen erklärt Alexander Hees, wie ein solches Doppelspiel funktionierte: „Er war immer der Sache verschrieben“, ein engagierter Mitstreiter, aber ebenso auch der Vermittler zur anderen Fraktion.

Manchmal sprunghaft, wenn nötig streitbar, auch diese Charakterzüge prägten sowohl seine politische Arbeit als auch seinen Einsatz für die lokale wie auch überörtliche Historie. Für sein klares Bekenntnis zum Erhalt des Hauses der Begegnung und die überzeugte Mitgliedschaft im Förderverein oft angefeindet, bildete er umgekehrt den Ruhepol im Verein für Denkmalschutz, indem er sich zu dessen Vorsitzendem wählen ließ, nachdem der vorherige Vorstand komplett zurückgetreten war.

Schließlich zeichnete den umtriebigen Arzt auch eine enge Bindung zur Kirche aus. Manfred Colloseus erinnert sich, dass der Christof schon in den 1950er-Jahren einer der ersten Gruppenleiter der katholischen Jugend war, schon damals modern und gerne mal etwas anders. Später fand er seinen Schwerpunkt in der Kolpingfamilie, mit besonderer Freude nahm der gebürtige Oberschlesier an Reisen in Ostgebiete mit Professor Rudolf Grulich teil.

Weitere Facetten fasst die ALK in einer Pressemitteilung zusammen: Der Arzt Christof Loch hatte 1980 die unabhängige Wählergemeinschaft ALK mitbegründet und war deren Gründungsvorsitzender. Er gehörte als ALK-Stadtverordneter 16 Jahre lang dem Königsteiner Stadtparlament an. In der ersten Wahlperiode war er Vorsitzender des auf seine Initiative neugegründeten „Ausschusses für Kur, Umwelt und Stadtbildpflege“ sowie stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher.

Politisch hatten sich die Wege von ALK und Christof Loch im Jahr 1997 getrennt. Dennoch waren er und ALK-Vertreter immer in freundschaftlichem Kontakt verblieben. Bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen der ALK hatte Loch in einem eindrucksvollen Redebeitrag auf die Bedeutung der ALK für Königstein hingewiesen.

Christof Loch war in Königstein in den siebziger Jahren als Initiator gegen die Farbgebung des Kurbads in Erscheinung getreten. Seine Aktivitäten richteten sich nicht gegen das Bad, sondern dessen Farbgebung, mit der die Bevölkerung ohne Mitsprachemöglichkeit überrascht und konfrontiert worden war. Loch engagierte sich auch gegen den einst geplanten vierspurigen Bau der Taunus-Autobahn B8, die in unmittelbarer Nähe Königsteins zum Verlust von Zehntausenden Laubbäumen geführt hätte.

Mit Christof Loch verliere Königstein einen engagierten Bürger und Umweltschützer, der sich mit viel Energie und Herzblut für seine Stadt eingesetzt habe, erklärte Rohr. Zu den vielen Verdiensten Lochs zähle aus dem Blickwinkel der ALK auch die Erhaltung des trotz bestehenden Denkmalschutzes bereits zum Abriss freigegebenen Hauses der Begegnung. Man könne sicher mit Fug und Recht sagen, dass ohne den Einsatz von Christof Loch diese kulturelle und historische Versammlungs- und Begegnungsstätte nicht mehr existieren würde. Auch die Rettung des früheren Judenbades in der Gerichtstraße gehört zu Christof Lochs großen Taten. Als das kleine Haus einer Verbreiterung der Straße weichen sollte, erwarb er das Gebäude, sanierte es liebevoll und erhielt so diese historische Stätte für die Nachwelt.

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