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Chansons und Charisma mit Emilia Blumenberg

Ausdrucksstark: Chansonsängerin Emilia Blumenberg und Nils Mille im Katholischen Gemeindezentrum. Foto: Sura

Königstein (aks) – Das Katholische Gemeindezentrum platzte am Samstagabend aus allen Nähten. „Le Tout-Königstein“ war gekommen und erwartete die Chansonsängerin Emilia Blumenberg, präsentiert vom Förderkreis der Städtepartnerschaft Königstein und vom Partnerschaftskomitee Falkenstein. Wolfgang Riedel, Vorsitzender der Städtepartnerschaft Königstein und Le Cannet, war seine Überraschung anzumerken. Stühle wurden gerückt und dem farbenfrohen köstlichen Büfett unter der Ägide von Charlotte Siepenkort, das eigentlich für die Pause vorgesehen war, konnte schon von Beginn an niemand widerstehen.

„Die Kunst ist nichts als Liebe“, mit diesem vollmundigen Versprechen von Yvette Guilbert, Chansonsängerin der Dreißigerjahre, ging es gleich los mit einem Valse musette: „C’est merveilleux quand on est amoureux“. Emilia Blumenberg ist eine elegante gertenschlanke Erscheinung, die leichtfüßig und lasziv die Geschichte vom Liebesglück und Liebesleid auf der Bühne erzählt. Mit rauchiger Altstimme, wie es sich für jede lebenserfahrene Chansonette gehört, ist sie schon mittendrin in der wunderbaren Welt der Cabarets und Boulevards von Paris, dem Milieu der leichten Mädchen und schweren Herzen. Der Zungenbrecher „Ta Katie t’a quitté“ von Boby Lapointe verdient einen Extra-Applaus. DADA-artiges Gebrabbel und Stakkato-Worthülsen in immer schnellerem Tempo fliegen dem Publikum um die Ohren, das Ticken eines Weckers wird dabei immer lauter – tictac.

Eine Leistung für die deutsche Schauspielerin und Sängerin, deren Muttersprache nicht Französisch ist. Sorglos tröstet sie schon vorher: „Hauptsache Sie finden das Lied gut, auch wenn Sie nichts verstehen!“ Nonchalant singt sie die Evergreens der französischen Chansons wie „Parlez moi d’Amour“ aus den Zwanzigerjahren, eine Illusion der Liebe, die wankelmütig, aber mit so schönen Schmeicheleien daherkommt oder „Tous les Garcons et les filles“ von Francoise Hardy (1962). Das „schönste Lied des Universums“ der göttlichen Edith Piaf „La vie en rose“ interpretiert Blumenberg zunächst auf Englisch, sehr zurückhaltend. Eine Hymne an die Liebe und das Leben: „Je sens en moi mon coeur qui bat“. Da schmilzt dann auch alle deutsche „Contenance“ dahin und unhörbar, in Gedanken, summt das Publikum den bekannten Refrain mit: „Les yeux dans les yeux, les mains dans les mains“. Piafs Leben war turbulent und bei allen Erfolgen wohl eher leidvoll. Sie hat das gelebt, was sie gesungen hat. Vor allem Blumenbergs Schauspiel reißt mit, sie bewegt sich unsicher wie ein kleines Mädchen und dann wieder ist sie die Grande Dame. Eine Sequenz handelt von Charles Aznavour, der in seiner Biografie die Begegnung mit Edith Piaf beschreibt, die im wahren Leben oft unausstehlich war. Edith Piaf will ihn einstellen, als er nach seinem Verdienst fragt, bekommt sie einen Wutausbruch: „Du wagst es zu fragen, was du verdienst? Das ist die Chance deines Lebens. Danke ja oder nein?“ Er bekommt den Job trotzdem. Es fällt auf, welch charismatische und wohltönende Sprechstimme Emilia Blumenberg hat, da schlägt ihre Theaterausbildung durch und man könnte ihr stundenlang zuhören. Auch Boris Vian, den französischen Autor und Musiker zitiert sie in diesem Zusammenhang: „Tatsache ist, dass Edith Piaf uns zum Weinen bringt, auch wenn sie das Telefonbuch singt.“

Überhaupt seien die Franzosen nicht nur in die Liebe verliebt, sondern in ihre Sprache. „Deshalb sind wir alle hier!“. In die Pause geht es mit Patricia Kaas und „Hotel Normandy“, eine sehnsuchtsvolle Ballade aus den Neunzigerjahren. Auch hier bekommt Blumenberg die Stimm- und Stimmungslage gut hin. Ein Kommentar von Chantalle Irmen in der Pause, die Emilia Blumenberg im Dezember in Wiesbaden gehört und dem Förderkreis vorgeschlagen hatte bringt es auf den Punkt: „Sie ist die Vermittlerin zwischen Deutschland und Frankreich“. Es gehört tatsächlich Mut dazu, als deutsche Muttersprachlerin französische Chansons, darunter die legendären Chansons von Piaf, Lenoir, Sagan und Dumont zu singen. Ihr sympathisches, natürliches Auftreten bringt der Blumenberg viel Bewunderung. Sie verbeugt sich vor dieser Kunst, kokett, aber nie arrogant. Danach geht es schwungvoll weiter mit „Milord“, dem erfolgreichsten Lied der Piaf, einem lebendigen Porträt des Lebens auf der Straße, dem Zirkus- und Zuhältermilieu, dem sie entstammte. Die Sängerin ist jetzt nur „une ombre dans la rue“, eine unbeachtetes Straßenmädchen. Blumenberg geht emotional ganz aus sich heraus und zeigt, dass sie auch tanzen kann. „Mon manège à moi“ handelt von einer glücklichen Liebe – „muss es ja auch mal geben“. „Er“ verdreht „ihr“ den Kopf, wie ein Karussell eben! Es folgen Stöhnen und Schmerzenslaute – das Publikum amüsiert sich köstlich.

Das große Finale ist natürlich „Non, je ne regrette rien“, ich bereue nichts, eine weitere Hommage an Edith Piaf. Glücklich, wer das am Ende des Lebens sagen kann: „...ni le bien ni le mal, ca m’est bien égal“ – weder das Gute noch das Schlechte – es ist mir einerlei. Dieses Lied fordert die ganze Künstlerin, ihre Stimme, ihre Mimik, ihre Gebärden - hier hängt die Latte besonders hoch, das spüren alle. Blumenberg überzeugt durch ihre dramatische Ausdruckskraft. So bereut das Publikum keine Minute, den Samstagabend mit ihr verbracht zu haben.

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