Helen I. als Burgfräulein mit einer Botschaft: „Burgfest ist wie ein Klassentreffen, das keiner organisiert!“

Eine Inthronisation, wie sie die Kurstadt noch lange in Erinnerung behalten wird (Fotos, v. li.): Hofdame Charlotte und die kleine Hofdame Nina befestigen die Krone auf dem Haupt des neuen Burgfräuleins Helen I., anschließend grüßt die Regentin erstmals mit den neuen Insignien der Macht, hält eine starke Antrittsrede und plaudert dann entspannt mit ihrem Hofstaat und den vielen Gratulanten. Fotos: Schemuth

Königstein (el) – Zu mächtigem „Handgeklapper“ für das scheidende Burgfräulein Isabella I. forderte Howie Hohmann die Gäste der Inthronisations-Zeremonie am Freitagabend auf. Vor der herrschaftlichen Kulisse der ehrwürdigen Villa Borgnis hatten sich zahlreiche Zuschauer versammelt, unter deren Fußsohlen unentwegt kleine Kieselsteinchen knirschten. Ehrengäste und gekrönte Häupter aus nah und fern bahnten sich dennoch zielsicher den Weg zu den besten Plätzen, um einen guten Blick auf die neue Regentin und ihr Gefolge zu erhaschen.

Man sagt oft, dass allem Anfang ein Zauber innewohnt. Warum soll diese Feststellung nicht auch für Abschiede gelten? Für Isabella I., die nun ihren Thron für Nachfolgerin Helen I. räumen musste, war es ein abwechslungsreiches und tolles Jahr, in dem sie selbst als Persönlichkeit gereift ist und die Kurstadt würdevoll bei sämtlichen Außenterminen vertreten hat. Viele Impressionen werden sie für immer begleiten, wie der Besuch des Königinnentages in Blomberg – von jeher ein Traum der reitbegeisterten, jungen Königsteinerin, die sich während ihrer Amtszeit stets auf ihren Hofstaat verlassen konnte. Dazu zählt auch ihr Freund und Junker Mark-Philipp, der seiner Isabella zur Wiedereingewöhnung in das bürgerliche Leben ein ganz besonderes Geschenk machte: Einen Einkaufsgutschein, damit sie sich endlich wieder etwas Neues zum Anziehen kaufen könne, wozu sie im vergangenen Jahr vor lauter Verpflichtungen kaum Zeit gehabt hätte. Von Hofdame Franziska gab es ebenfalls eine sehr schöne, künstlerische Erinnerung von so vielen an diesem Abend: ein Porträt der strahlenden Isabella I.

Für Schirmherr Fürst Alexander zu Stolberg-Roßla hat das Burgfest, das aus einer Initialzündung in den 50er-Jahren hervorgegangen ist, eine tolle Tradition. Es seien aber auch die Inhalte, die zählen, betonten sowohl der Schirmherr als auch der erste Stadtrat Walter Krimmel in Vertretung für Bürgermeister Helm. Eine Regentschaft bedeute, Botschafterin für eine ganze Stadt zu sein. Schließlich: Was wäre das Burgfest ohne das Burgfräulein? Das dachte sich auch Burgvereinspräsidentin Birgit Becker, die Isabella I., wie es die Tradition verlangt, darum bat, sich von ihren Insignien der Macht – der Krone und dem „Mantel der schützenden Gewalt“ – zu trennen, um anschließend in den Kreis der Hohen Burgfrauen aufgenommen zu werden. Tragen wird nun die Burgfräulein-Krone aus Sterling-Silber eine junge Dame, die sie selbst schon zweimal auf gekrönten Häuptern der vergangenen zwei Burgfeste festgesteckt hat: Helen I., die ihren Freundinnen Nora I. und Isabelle I. als Hofdame diente, um nun selbst Burgfräulein zu werden und die nun endlich sagen darf: „Es grüßt Sie Helen I.!“

Doch bis dieser Schlüsselsatz über die Lippen der neuen Regentin der Kurstadt kam, würde es noch ein Weilchen dauern. Erst sollten noch die Repräsentanten der Ritter von Königstein und Kronberg sowie der Festungsgarde die Klingen ihrer Schwerter schützend über dem royalen, auf rotem Samt thronenden Haupt kreuzen, um damit die Krönungs-Zeremonie zu besiegeln. Natürlich musste noch eine Pergamentrolle zur Hand genommen werden, die die Regentschaft von Helen I. literarisch bezeugt. Die Schriftrolle enthält die Antrittsrede Ihrer Lieblichkeit, die schon im Vorfeld von vielen herbeigesehnt wurde. „Wir freuen uns auf Ihre Begeisterung und Ihre Pläne“, blickte die Burgvereinspräsidentin voller Stolz ins Gesicht einer selbstbewussten jungen Frau, die sicherlich noch von sich reden machen wird. Denn ihre erste Ansprache an ihr Volk ließ alle schon mal aufhorchen. Es war eine Rede, die von einer festen Verwurzelung mit der Kurstadt zeugt, obwohl sie sich selbst nie als „Königsteiner Kind“ gesehen habe, stimmte Helen I. auch nachdenkliche Töne an. Es gebe jene, die in der Kurstadt nur eine Adresse sehen und wiederum andere, die hier wohnen würden, gab Helen I. den Blick frei auf ihre eigene Lebensphilosophie als „Königsteinerin, deren Herz für die Kurstadt und ihre Menschen schlägt“, die das bunte Gesicht der Stadt ausmachen: Wie etwa ein Stadtverordnetenvorsteher von Bethmann, der stets mit seinem Fahrrad in der Kurstadt unterwegs sei, das köstliche Burgfest-Brot von Bäcker Hees oder aber Herr Schwenk von der Buchhandlung Millennium, der sie stets freundlich grüße und frage, ob sie noch eine KöWo mitnehmen wolle. All diese Menschen und die Geschichten, die sie zu erzählen haben, machen die Kurstadt aus und zu dem, was sie ist. Alle, die diese Stadt lieben, treffen sich stets wieder zum Burgfest, was für Helen I. keine andere Schlussfolgerung als die nachfolgende zulässt: „Das Burgfest ist das Klassentreffen, das niemand organisiert hat!“ Ob „Nageln“ bei der Alten Münze, gute Musik im „Uptown“ oder ein Flammkuchen beim Kurti – „Burgfest, das sind wir alle!“. Und noch eine Erkenntnis: „Selbst wenn Menschen gehen und Läden schließen – das Burgfest bleibt!“ Denn es sei mehr als nur eine Party und das wüsste sie als „Königsteiner Kind“. Das Verblüffende daran: Sie habe sich nicht von Anfang an als ein solches gesehen. Doch so sei es.

Davon zeugten auch die vielen Gesichter in der Menge bei der Inthronisation. Die Menschen waren gekommen, um Helen I. zu ihrem Amt zu beglückwünschen. Darunter auch viele Vereinsvertreter, die tragenden Säulen der Königsteiner Gemeinschaft, die eine der ihren hochleben ließen. Denn Helen ist ein gutes Beispiel dafür, was es bedeutet, Engagement für die Kurstadt zu leben: Ob als Mitglied des Königsteiner Narrenclubs oder stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union – die Kurstadt wird getragen von sozialem Engagement wie diesem. Insofern ist die Vorbildfunktion, die von der neuen Regentin ausgeht, nicht zu unterschätzen und wird hell auf die Kurstadt ausstrahlen. Im Anschluss war es für Helen I. an der Zeit, ihre Burg in Besitz zu nehmen, auf der nun drei Tage lang gefeiert und der Tradition gehuldigt werden durfte, was an sich eine gelungene Symbiose aus Alt und Neu darstellt.

Wurde in den Kreis der Hohen Burgfrauen aufgenommen: Isabella I.

So viele Hohheiten auf einmal wie bei der Krönung des neuen Burgfräuleins hat die Kurstadt selten gesehen.

Das Fanfarencorps Königstein stimmte auf die bevorstehende Inthronisation ein.

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