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Manfred Colloseus zum 75.: „Wenn ich die Burg sehe, geht es mir gut“

Im geht es gut, wenn er auf die Königsteiner Burg schauen kann und daran wird sich auch zum 75. Wiegenfest nichts ändern. Foto: privat

Königstein (
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– Er ist ein Königsteiner wie er im Buche steht: Aber um mit diesem Klischee aufzuräumen – es ist nicht allein die bloße Tatsache, dass Manfred Colloseus vor 75 Jahren am 16. Januar das Licht der Welt im Königsteiner Krankenhaus erblickt hat, das ihn zum waschechten Königsteiner macht. Vielmehr ist es das in ihm installierte Heimatgefühl, das ihn Zeit seines Lebens eng an die Kurstadt und sie an ihn gebunden hat. Eine Bindung, die er, wie er selbst sagt, bis zum heutigen Tage nie bereut hat. Und wenn er die Kurstadt mal für längere Zeit verlassen habe, dann sei es lediglich ein Urlaub gewesen, der ihn in die Ferne habe schweifen lassen, erklärt der umtriebige Königsteiner, der zu den wohl bekanntesten Gesichtern der Kurstadt zählt. Und das aus gutem Grund: Kann er doch die Anzahl an Vereinen, in denen er sich engagiert, nicht mehr an zwei Händen abzählen. Aber auch darauf kommt es nicht an. Man sieht ihm beim Erzählen einfach an, dass es ihm nachwievor Spaß macht, sich sozial und politisch zu engagieren und dabei nicht das Wesentliche aus den Augen zu verlieren: die Menschen auf die es dabei ankommt. So wurde Manfred Colloseus 2014 mit dem Bürgerpreis der Taunussparkasse für sein Lebenswerk ausgezeichnet. So manch einer könnte meinen, das sei viel zu früh, denn in Colloseus brennt weiterhin die Begeisterung für das Vereinsleben in seiner Stadt. Und auch das macht ihm so schnell keiner nach: Lediglich mit einer Unterbrechung von sieben Jahren führt er nun schon den Vorsitz der Kolpingfamilie Königstein. Dabei verstehe sich Letztere laut seines Vorsitzenden heutzutage eher als ein großer Freundeskreis bestehend aus zirka 65 Mitgliedern, denen bewusst ist, dass es irgendwann mal ein Ende haben wird, da man die Jugend nicht für die Gemeinschaft begeistern kann. Das waren noch andere Zeiten, als man vor dem Ersten Weltkrieg noch Schönschreiben bei Kolping lernen konnte und Handwerksgesellen hier nach dem Leitbild von Adolph Kolping in verschiedenen Bereichen Bildung erhielten.

Für den Jubilar war das Eintreten in die Kolpingfamilie ein logischer Schritt in seiner Entwicklung, der damit begann, dass er 1950 nach der Erstkommunion zum Messdiener in St. Marien avancierte. Als Messdiener in der Kapelle des Königsteiner Krankenhauses tätig zu sein, hatte natürlich auch seine Vorteile für einen Buben aus der Kurstadt in der Nachkriegszeit. Aus der Teeküche gab es stets eine Butterstulle mit auf den Weg für die Schule.

Überhaupt ist das Königsteiner Krankenhaus ein Ort, der Manfred Colloseus immer begleiten wird und der eng mit der eigenen Familiengeschichte verknüpft ist. Hier war nicht nur der eigene Vater lange Zeit als Krankenpfleger tätig, sondern hier lernten sich auch seine Eltern kennen.

Seine Mutter fand den Weg hierher über die Dernbacher Schwestern, die am Krankenhaus engagiert waren. Heute noch zeigt sich diese Verbundenheit zum St. Josef, denn als Königsteiner Stadtverordneter saß Colloseus für die ALK im Aufsichtsrat der St. Josef Betriebsgesellschaft und so kommt es nicht von ungefähr, dass das Geburtstagskind, das von seinem Wohnzimmerfenster aus mit dem besten Burgenblick ausgestattet ist, den man sich je erhoffen kann, anstatt Geschenken auf eine Geldspende zugunsten des engagierten Fördervereins des Krankenhauses hofft, dessen Mitglied er ebenfalls ist.

Doch es ist nicht nur das Krankenhaus, das ihm so sehr am Herzen liegt, sondern alle Königsteiner Einrichtungen, die das Leben in der Kurstadt so lebenswert machen. Wie das Königsteiner Freibad. Stünde dieses irgendwann mal zur Debatte, würde er dafür sogar auf die Straße gehen, meint Colloseus entschlossen und hofft, dass dieser Fall nie eintreten wird.

Überall in Königstein treffen Geschichte und Vergangenheit aufeinander. Man muss nur genau hinsehen. So wie Manfred Colloseus, dessen Kindheit von vielen schönen Erinnerungen geprägt ist, wie dem Rodeln in Zeiten als es noch ausreichend Schneefall gab. Aber auch Schatten der Vergangenheit tauchen ab und zu auf. So zum Beispiel an die letzten Bombennächte des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 als man nachts Schutz suchte in den Kellern, im Luxemburger Schloss und sogar im Dunklen Bogen auf Burg Königstein. Noch immer hat Colloseus die Stimme seiner Mutter im Ohr, der es dabei jedes Mal leid getan hat, ihre schlafenden Kinder aus ihren Träumen reißen zu müssen, um mit ihnen vor den Fliegerangriffen sicher zu sein.

„Was braucht ein Mensch, um glücklich zu leben? Das Wichtigste sind Gedichte, Glück haben, Achtung vor dem Mitmenschen, Konfliktbewältigung, Mitfühlen“ Dieses Zitat von Stéphane Hessel, Träger des Eugen-Kogon-Preises der Stadt Königstein, drückt auch die Lebenseinstellung von Manfred Colloseus aus. Gesellschaftliches Engagement ist bei ihm hoch oben angesiedelt. Allerdings müsse noch genügend Zeit für Freizeitunternehmungen, vor allem mit seiner Frau Gerda, die er auf der Kolping-Fassenacht kennengelernt hat, sein, sagt Manfred Colloseus, der seit 1973 in noch ein weiteres Kostüm schlüpft und zwar jedes Mal am 6. Dezember, denn dann ist sein Einsatz als Nikolaus für die Königsteiner Kinder gefragt.

Dabei entspringt sein Engagement im Vereinsleben der Stadt und auch in der Politik festen Überzeugungen, die so wie seine Persönlichkeit auch im Laufe der Jahre weiter gereift sind. Der Gedanke, eines Tages einen Förderverein für das Haus der Begegnung gründen zu wollen, lag dem 1987 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen Ausgezeichneten in den ersten Jahren nach dem Mauerfall noch fern. Wohl aber wuchs sein Interesse an dem Thema „Vertreibung“, nachdem er, animiert von Prof. Grulich, den kompletten Osten vom Baltikum bis Istrien bereist hat.

Auch ein Paradoxum: Den Mann, der den westlichen Taunus über alles liebt, bewegt die Thematik der Heimatvertriebenen. So sehr sogar, dass er nun schon im sechsten Jahr den Vorsitz des regen Fördervereins des Hauses der Begegnung nach dessen Sanierung innehat. Eine der Hauptanliegen des kulturfördernden Vereins ist es, jungen Künstlern ein Podium zu geben. Was das Haus selbst angeht, so würde es Colloseus, der für die ALK bei der Kommunalwahl 2016 auf Platz drei ins Rennen geht, gerne sehen, wenn die kleineren Räume des HdB auch in größerem Umfang genutzt würden. An entsprechenden Veranstaltungsangeboten habe man bereits gefeilt.

1941 ein starker Jahrgang für Königstein. Vielleicht hilft auch die eigene Bodenständigkeit dabei, nicht nur sprichwörtlich auf dem Teppich zu bleiben. Zum Glücklichsein bedarf es für den Jubilar nicht viel. „Wenn ich die Burg anschaue, geht es mir gut“, sagt er voller Überzeugung.

Übrigens: Wer Manfred Colloseus an seinem Ehrentag am Samstag gratulieren möchte, der kann gerne an der Haustür klingeln. Eigentlich habe er zu seinem Wiegenfest ausnahmsweise mal der Heimat fernbleiben wollen, habe diese Idee aber dann doch lieber wieder verworfen. Schließlich ist es nirgends so schön wie in Königstein.

Schon als Bub liebte Manfred Colloseus sein Woogtal, das damals wie ein großer Spielplatz für ihn war.

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