Rittern liegen Mittelalter und Burg Königstein am Herzen

Der gelb schwarze Ritter von Flandern beim Kampf mit dem Speer auf Burg Königstein.

Foto: Fuchs

Königstein (efx ) – Die bunten Fahnen wehen auf dem Berg-Lagerstellen an der Burg zu Königstein. Das Gefolge strömt in Scharen zu den edlen Mannen und holden Damen. Die Ritter von Königstein e. V. führten am vergangenen Wochenende ihre Burg zurück ins Mittelalter und begeisterten damit bereits zum 18. Mal Groß und Klein.

Der Staub unter den Hufen der Pferde wirbelt über den Turnierplatz. Welcher Reiter wird gewinnen? Die Württemberger Ritter sind landauf landab für ihre tollkühnen Kämpfe und die unerschrockene Angriffslustigkeit bekannt. Wer wird heute dem Volke zur allgemeinen Unterhaltung seine Tapferkeit unter Beweis stellen und am Ende das Herz des Königsteiner Burgfräuleins Isabella I. erobern? Der Rote Friedrich von Aalburg ist entschlossen, alles zu geben. Wird er es schaffen? Ins Rennen geht der überaus gefürchtete grüne Ritter von Drachenfels. Heißer Favorit des Hofmarshalls ist jedoch der gelb-schwarze Ritter von Flandern mit seinem schwarzen, prächtig gewandeten Ross. Mit dem Schlag der Kirchenglocken beginnt um Punkt 15 Uhr das große Schauturnier.

Die Mägde haben die Krüge gefüllt. Das Brot und der Braten duften, aber diesen Reizen müssen die edlen Mannen nun widerstehen. Der Marshall sucht sich im Publikum Knappen, die den sechsten Namenstag überschritten haben. Sie eilen zur Hilfe und demonstrieren auf den Schultern der ritterlichen Garde die Herausforderungen, die am heutigen Tage zu bezwingen sind. An hohen Masten hängen durch Stricke befestigte Kohlköpfe auf den Reitbahnen des Turnierplatzes. Diese gilt es durch gekonnten Schlag mit dem Schwerte abzuschlagen. Die Knappen meistern diese Übung bereits mit Bravur. Es wird schwierig sein, ihnen in gleichem Maße nachzueifern. Doch Friedrich von Aalburg gibt sein Bestes und kann mit einem eindrucksvollen Ritt über den Platz die Herzen der Mägde zum Schmelzen bringen.

Doch, wer wagt aus den Reihen der Zuschauer auszubrechen und über den Platz zu wanken? Der seit Jahren dem Met verfallene, ehemalige Gefolgsmann der anwesenden Ritterschaft behauptet lallend: „Es geht hier nicht mit rechten Dingen zu, Bestechung in der Ritterschaft!“ Dies kann nicht sein. Er wird in Gewahrsam genommen und muss den Rest des Tages im Kerker der Burg schmoren, wo doch sonst eher die leckeren Burgstollen der Bäckerei Hees ihre letzte Reife finden.

Ritter von Drachenfels ergreift sein Schwert und schlägt sich nicht schlecht, doch letztlich ist der gelb-schwarze Ritter von Flandern der Sieger. Unter großem Handgeklapper reitet er seine Runde. Der Marshall sichert zu: „So soll es sein!“

Die Ritter von Königstein, gegründet 1991, haben unter Mitwirkung der Württemberger Ritterschaft wieder ein wahrlich beeindruckendes Spektakel auf der Königsteiner Burg organisiert. Seit bereits 18 Jahren sind sie nun Veranstalter des Ritterturniers und damit sehr erfolgreich. Die Burg erreichte mehrmals an den beiden Aktionstagen ihre maximale Aufnahmekapazität von 4.000 Menschen. Dabei fanden sich nicht nur Königsteiner ein, um die dargebotenen Schaukämpfe zu sehen oder traditionelle im Feuer geräucherte Speisen zu verkosten. Menschen aller Nationen finden die Traditionen und Brauchtümer des Mittelalters anziehend, haben sie doch auch einen durchaus lehrreichen Charakter und sind darüber hinaus interessant.

So wenden die Ritter ihr besonderes Augenmerk auch den Kindern zu. Anke Dyhringer, die mit ihrer Familie die Authentizität des Rittertums lebt und auch während der Turniertage auf Burg Königstein im Lager verweilt, weiß zu berichten: „Wir sind alle Eltern und haben Familien. Deshalb liegen uns Familien und besonders die Kinder am Herzen. Balduin ist unser kleiner Burggeist. Er zeigt den Kindern den Weg zu den verschiedenen Stationen.“ Kaum in der Burg, kann man den kleinen Kerl auch schon hören und mit gespenstischen Hinweisschildern die verschiedenen Kinderprogrammpunkte einfach finden.

Dabei erfreut sich das Bogenschießen ganz besonders großer Beliebtheit. Mancher Vater würde am liebsten im Anschluss an den Sohn auch noch einmal in die Erinnerungen aus Kindertagen eintauchen.

Im Märchenzelt können kleine Prinzessinnen und Ritter entspannen und altertümlichen Geschichten lauschen. Dass dieses Großereignis einmal ganz klein anfing, kann man heute nicht mehr spüren. 1998, mit einem Lagerleben auf einem Wiesengrundstück und der Einladung an Gleichgesinnte initiiert, übertraf der Zuspruch auf diese damalige Einladung die Erwartungen der Organisatoren. Die Idee war entstanden und sollte sich im folgenden Jahr über die ganze Burg erstrecken.

Die Ritter möchten alle Ereignisse und Angebote nach Tradition des Mittelalters anbieten, der Kommerz ist ihnen fremd. Denn die ritterlichen Tugenden werden groß geschrieben. Dabei stehen Großzügigkeit, Treue und Zurückhaltung ganz oben auf der Liste des Verhaltenskodex. Als gemeinnütziger Verein verfolgen sie nämlich keine wirtschaftlichen Interessen, sondern geben sämtliche Gewinne an die Allgemeinheit zurück. Die Erhaltungsmaßnahmen an der Burgruine Königstein liegen ihnen genauso am Herzen wie Spenden an Einrichtungen, die sich um Kinder kümmern. So konnte man durch die Aktionen der Ritter bereits an das Kinderhospiz Bärenherz oder die Aktion Kinderspielplätze, Königstein, einige Taler spenden. Auch zum Königsteiner Weihnachtsmarkt schlagen die Ritter jährlich ihr Zelt auf, um ihre Tradition weiterzugeben und dabei Geld für den guten Zweck zu sammeln. Bei geräuchertem Fisch und Fladenbrot, in Begleitung der mittelalterlichen Musikgruppe Tarranis, kann man sich das Leben im Laufe des 14. Jahrhunderts bildlich vorstellen.

Gaukler schlendern durch die engen Gänge und zeigen ihre Kunststücke. Schwerter und Kettenhemden rasseln und Umhänge flattern vorbei. Es ist schwer zu glauben, doch Dyhringer verrät: „Wir nähen unsere Gewänder selbst und haben uns vor ein paar Wochen zu einem mittelalterlichen Nähkurs getroffen. Demnächst ist ein Töpferkurs geplant, denn wir möchten das Leben im Mittelalter so echt wie möglich spüren.“ Im Lager der Burg lebt man denn auch in der Zeit der Turniertage völlig anders. Und dies im positivsten Sinn: Mobiltelefone gibt es nicht, Glasflaschen werden durch Tonkrüge ausgetauscht. Dabei haben die Ritter sogar schon Bettlager in Holz nach altertümlichem Brauch nachgebaut und schlafen darin unter freiem Himmel, nur getrennt durch den Baldachin ihres Zeltes.

Burgfräulein Isabelle I. nebst Gefolge gefällt das Treiben auf der Burg. Sie reitet auf dem einem Burgfräulein würdigen, prachtvoll geschmückten Pferd entlang der Menschenmenge. Das Schlagen des brennenden Rolands wird entscheiden, wem die Gunst des Burgfräuleins zuteil werden wird. Die Recken zünden den Feuerkorb des brennenden Rolands. Große Feuerschwaden sind innerhalb kürzester Zeit zu sehen. Im Galopp mit der Lanze bewaffnet gehen die Ritter dieser schwierigen Aufgabe nach. Kein Pferd zeigt Angst vor dem Feuerball. Das Publikum, das sich mittlerweile bis hin zum Bergfried dicht an dicht drängt, ist gespannt. Wer erhält den Siegerkranz des heutigen Turniers? – Der gelb-schwarze Ritter von Flandern hat heute wahrlich Tapferkeit und Würde gelebt. Er ist der Sieger des Schauturniers, seine Knappen jubeln, das Publikum ist begeistert. Der Met benetzt die durstigen Kehlen und das Mittelalter ist überall und spätestens jetzt für Jedermann und Jederfrau hautnah spürbar.

Bildimpressionen des Königsteiner Ritterturniers auf Seite 8.



X