Sie schenkte den Königsteinern ihre Burg: 150. Geburtstag der Großherzogin Hilda von Baden

Diesmal erinnert Lokalhistorikerin Ellengard Jung an einen fast vergessenen Geburtstag mit großen Auswirkungen auf Königstein bis heute – in Karlsruhe wird es an diesem Tag sogar eine Sonderführung durch die Gruft der Großherzoglichen Grabkapelle geben:

Als vor 150 Jahren, am 5. November 1864, im Biebricher Schloss zu Wiesbaden das fünfte Kind des Nassauer Herzogspaares Adolph und Adelheid-Marie geboren wurde, konnte niemand ahnen, dass diese Prinzessin einmal die altehrwürdige Burg den Bürgern Königsteins schenken würde.

Hilda Charlotte Wilhelmine wuchs wohlbehütet mit ihren älteren Brüdern Wilhelm (1852) und Franz (1859) im Biebricher Schloss auf, die beiden Geschwister Friedrich (1855) und Marie (1857) hatten die Eltern jeweils schon im ersten Lebensjahr verloren.

Herzog Adolph hatte 1858 das ehemalige Mainzer Amtshaus am Burgberg als Geschenk für seine Gattin gekauft und in eine Sommerresidenz für die Familie umbauen lassen. Bereits zu Hildas erstem Geburtstag wurde am 2. November 1865 am Falkensteiner Burghang ein Aussichtstempel mit Panoramablick über Königstein und Umgebung auf ihren Namen „Hilda-Tempel“ eingeweiht. Als 1866 im Deutschen Krieg das Herzogtum Nassau auf der Seite des Deutschen Bundes unter dem Vorsitz Österreichs stand, wurde es nach dem Sieg Preußens annektiert. Damit verlor Herzog Adolph Thron und Land und schied am 20. September aus dem Amt.

Ihm blieben nur die privaten Schlösser Königstein, Weilburg, Biebrich, Jagdschloss Platte, das Paulinenschlösschen (Wiesbaden) sowie Waldbesitz. Immerhin erhielt er aber eine hohe Kapitalabfindung, was ihm eine weitere angemessene Hofhaltung gewährleistete.

In den ersten Jahren des Exils war die Familie viel auf Reisen, bis 1868 der passionierte Jäger Herzog Adolph bei Mittenwald ein prächtiges Jagdschloss erbauen ließ und 1870 das nah gelegene barocke Schloss Hohenburg bei Lenggries kaufte, was in späteren Jahren auch das „Luxemburger Alpenherzogtum“ genannt wurde. Es wurde das neue Zuhause für viele Jahrzehnte.

Für die Winterzeit und die Ballsaison kaufte der Herzog 1874 in Wien ein großes Haus, das „Palais Nassau“, und ließ es mit dem Mobiliar aus Weilburg und Biebrich aufwändig einrichten. Hier besuchte Prinzessin Hilda ihre ersten Bälle und wurde dabei unter anderem auch Kaiserin Sissi vorgestellt. Hilda galt als eine ausgezeichnete Reiterin, aber auch Kunst-Ausstellungen der Wiener Maler standen auf ihrem Programm, stets begleitet von der fürsorglichen Mutter.

Im Frühjahr 1885 wurde ihre Verlobung mit dem Erbgroßherzog Friedrich von Baden im Königsteiner Schloss gefeiert; die Hochzeit war für den 18/20. September festgelegt. Münchner Künstler waren wochenlang damit beschäftigt, Lenggries und Schloss Hohenburg zu schmücken, Ehrenpforten wurden errichtet, Festschießen veranstaltet und ein großes Feuerwerk abgebrannt. Die Trauung im großen Saal des Schlosses wurde von dem evangelischen Pfarrer aus Biebrich vorgenommen, musikalisch begleitet vom griechischen Kirchenchor aus Wiesbaden.

Nach der Heirat wurde der Erbgroßherzog in das 5.Badische Infanterieregiment nach Freiburg versetzt und 1897 von Kaiser Wilhelm II. zum kommandierenden General in Koblenz ernannt. Wann immer sich eine Gelegenheit ergab, besuchte die Erbgroßherzogin ihre Mutter für einige Wochen in Königstein. Noch in späteren Jahren bezeichnete sie Königstein als ihre Heimat, hier hatte sie ihre glücklichen Jugendjahre verbracht.

Aber auch familiäre Schicksalsschläge begleiteten ihren Lebensweg, der Verlust ihres geliebten Bruders Franz, der schon 1875 in Wien an Scharlach verstarb. Herzog Adolph starb 1905, Bruder Wilhelm 1912, die Mutter 1916. Am 22. November 1918 unterschrieb ihr Gatte die Urkunde, mit der er für sich und seine erbberechtigten Nachfolger als letzter badischer Großherzog auf den Thron verzichtete. Ohne Verbitterung akzeptierten sie das neue Leben, das sehr viel einfacher und ruhiger war und übersiedelten 1920 nach Freiburg. Den Sommer und Herbst verbrachte man in Badenweiler und den Frühling im geliebten Zwingenberg am Neckar.

Selbst kinderlos geblieben, hatte Hilda eine enge Verbundenheit mit ihren sechs Nichten, daher war es besonders hart für sie, als deren älteste, die ehemalige Großherzogin Marie-Adelheid von Luxemburg, im Alter von nur 29 Jahren am 24. Januar 1924 nach schwerer Krankheit in Hohenburg verstarb.

Ihren 80. Geburtstag (1944) konnte Hilda noch im Freiburger Palais feiern, aber schon am 27. November versank das Palais bei einem Bombenangriff in Schutt und Asche. Dabei hatte sie alles verloren, was ihr lieb und wert war. Für eine kurze Zeit hielt sie sich in Salem auf und kehrte dann in das kleine Palais in Badenweiler – als ihren letzten Wohnsitz – zurück. Obwohl schon etwas gebrechlich, hatte sie 1951 den Wunsch, noch einmal nach Königstein zu fahren, in die alte, geliebte Nassauische Heimat „Schloss Königstein“, die sie seit 1939 nicht mehr besucht hatte. Bürgermeister Hubert Fassbender und Pfarrer Dr. Gerber hießen die Großherzogin mit Blumengruß am 6. September herzlich willkommen.

Am 8. Februar 1952 starb die letzte regierende Landesmutter im Palais Badenweiler, die geliebt und verehrt als Vorbild für ihr Badener Land ihr „Musterländle“ mit geprägt hatte.

In Pforzheim und Koblenz tragen zwei Schulen ihren Namen, Karlsruhe hat die Hilda-promenade, Freiburg den Lorettoberg – darauf der Hildaturm. Und nicht zu vergessen: die Hildabrötchen!

Eine große Verbundenheit zu ihrem Chauffeur, Josef Kaiser, erhielt sie bis zu ihrem Tode aufrecht. In Badenweiler geboren, zum Fahrzeugmechaniker ausgebildet, war er ihr persönlicher Fahrer für sieben Jahre, bis er 1942 in den Krieg eingezogen wurde. Auf einer seiner Fahrten 1934/5 nach Königstein lernte er hier seine zukünftige Frau kennen und lieben. Sohn Philipp Kaiser erinnert sich heute noch gern an den 80. Geburtstag der Großherzogin, als die Familie zur Übergabe eines Geschenks im Palais empfangen wurde und er einmal an einer Quaste für Lakaien ziehen durfte.

Sie vergaß nie, zu Feiertagen und Geburtstagen eine Karte mit persönlichen Grüßen zu senden. Bereits 1922 vermachte sie die Burg Königstein den Bürgern der Stadt, die seitdem dort freien Eintritt genießen. Das „Schloss Königstein“, im Volksmund „Luxemburger Schloss“, wurde von der Großherzogin Charlotte von Luxemburg 1953 verkauft und ist heute ebenfalls im Besitz der Stadt.

„Je maintiendrai“, dem Wahlspruch des Nassauischen Hauses, den wir heute noch in einem Monogramm Adelheid-Maries am Schloss lesen können, blieb sie stets treu: „Ich werde mich behaupten.“

Dieser großen Dame und Wohltäterin gebührt unsere Erinnerung und unser Dank.

Hilda Charlotte Wilhelmine von Nassau verbrachte glückliche Jugendjahre in Königstein, wo bereits zu ihrem ersten Geburtstag der „Hilda-Tempel“ (heute nur noch „Hilda-Blick“ von dessen Fundament) nach ihr benannt worden ist.

Repro: Jung

Ihre Königliche Hoheit, Großherzogin Hilda von Baden, 1864-1952. 1922 schenkte sie die Burgruine, die gewissermaßen im Vorgarten ihres „Luxemburger Schlosses“ lag, den Bürgern Königsteins.

Repro: Jung

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