titel.png

Startseite > Königstein > Aktuelles > Mammolshain

„Den Hardtbergturm für die Region erhalten“: Förderverein stellt auf der Jahreshauptversammlung ein neues Konzept vor

Mammolshain (hhf) – Im Jahr 1884 ahnten die regional bewanderten Mitglieder des Taunusklubs, dass der Fernblick vom Hardtberg aus sich besonders lohnen könnte und errichteten dort einen hölzernen Aussichtsturm. Der Ausblick war atemberaubend und wurde 1899 mit einer Stahlkonstruktion für Generationen gesichert.

Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1999 wurde die Konstruktion – diesmal auf Kosten der Stadt Königstein – letztmalig komplett überarbeitet und um 2,20 Meter auf insgesamt 14,5 Meter erhöht, um wieder über die wachsenden Wipfel schauen zu können. Nur 13 Jahre später hatten die Bäume den Vorsprung aufgeholt und der Rost sich wieder am Turm zu schaffen gemacht, so dass die Stadt diesmal – eine Aufstockung war statisch nicht mehr möglich – keine wirtschaftliche Lösung mehr fand und 2013 den Abriss beantragte.

Das sahen – zunächst – viele Königsteiner und vor allem Mammolshainer aber anders, es kam 2014 zu einer Bürgerversammlung, aus der zunächst eine AG hervorging, die sich mit Alternativen zum Abriss beschäftigte und sich dann zur Realisierung ihrer Rettungspläne in einen Förderverein umwandelte.

Jahreshauptversammlung

Wie es sich für einen Verein gehört, stand in der vergangenen Woche auch für die Turm-Förderer eine Jahreshauptversammlung auf dem Programm, mit Vorstandswahlen und Berichten. Dank größter Einstimmigkeit gerieten diese Formalien aber glatt in den Hintergrund, da auf der Vollversammlung auch die mittlerweile gereiften Pläne des Fördergegenstandes vorgestellt wurden.

Dennoch: Nach einem Beschluss, die jährlichen Mitgliedsbeiträge von 16 Euro für Einzelne und 24 Euro für Familien beizubehalten, führten Tätigkeits- und Kassenbericht schnell zur Entlastung des Vorstandes. Von insgesamt 94 Mitgliedern waren 22 Stimmberechtigte anwesend und kürten zunächst Bürgermeister Leonhard Helm zum Wahlleiter – ein sichtbares Zeichen, wie gut die ehemaligen Protestler inzwischen mit der Stadtverwaltung zusammenarbeiten.

Auch intern stimmt offensichtlich alles, mit Hans-Dieter Hartwich als Vorsitzendem, Christoph Klein als Stellvertreter, Kassenwart Christoph Jung und Schriftführerin Mareike Schuster wurde der „harte Kern“ des Vorstands einstimmig wiedergewählt, ebenso die Beisitzer Heidi Scherer und Johannes Schießer. Als dritter im Bunde stößt Dieter Albeck dazu, er ersetzt Ingrid Reimer, die zu Birgit Reul und Bernd Hartmann ins Kassenprüferteam wechselte.

Was bisher geschah

Harter Wechsel: Zurück zu den Anfängen des Vereins, die sich mit Vorstandsbericht und Konzeptpräsentation überschneiden. Es gilt nämlich, einen bedeutsamen Richtungswechsel nachzuvollziehen: Zunächst mit der Absicht zur Rettung des alten Turmes entwickelten die Förderer eine „kleine Lösung“, die – mit Rücksicht auf die leeren öffentlichen Kassen – auf eine Sanierung des Turms mit regional ansässigen Betrieben und Schaffung von Blickachsen in Richtung Rhein-Main setzte, dazu trat das Sammeln von Spenden und Ideen zu Eigenleistungen, um die Kosten im Zaum zu halten.

Die Förderer beschäftigten sich auf alle erdenklichen Weisen mit der Materie. Natürlich standen die Klärung von Unterstützungsmöglichkeiten und Zuschüssen über Kreis, Land, Touristikverbände und ähnliche Organisationen im Vordergrund, parallel dazu unverzichtbar eine breit angelegte Spendensammlung inklusive der nötigen Öffentlichkeitsarbeit und dem Werben um Mitglieder. Aber auch Hubsteigerfahrten an Ort und Stelle oder die Teilnahme an Festen, um sich zu präsentieren, gehörten dazu, ebenso Konzeptionsmeetings und Gastvorträge.

Sinneswandel

Vor allem wurden auch entsprechende Türme in der Umgebung besichtigt und dabei Alternativen untersucht. Und wie es bei einer ergebnisoffenen Recherche leider viel zu selten passiert: Das ursprüngliche Ziel wurde verändert, statt Erhalt ein Neubau anvisiert. Und auch hier bestimmten Fakten den weiteren Weg: „Eine Holzkonstruktion, wie sie zunächst vorgesehen war, birgt zu große Risiken: Witterungseinflüsse, insbesondere am Standort (gleiche Erfahrungen bei anderen Standorten), Vandalismusgefahr (Atzelbergturm bereits zum zweiten Mal durch Brandstiftung zerstört) ... der Förderverein präferiert deshalb eine teurere Stahlkonstruktion“, so das Fazit.

Andere Werte blieben unverändert: Mit einem Turmneubau von 27–30 Meter Höhe wird die Attraktivität Königsteins und der gesamten Region weiter gesteigert, der Turm stellt eine hervorragende Verknüpfung zu den Burgen, Wanderwegen und dem Pflanzgarten dar und „dieser einzigartige Aussichtspunkt bleibt für die Bürger der Stadt und der Region erhalten.“

Dazu kommt eine Liste von Eigenschaften, die „einen guten Turm ausmachen“:

• Die klaren Formen

• Der erlebnisreiche Weg

• Das innere Auge

• Die Höhenlage/Fernwirkung

• Der Rundumblick

• Der Bezug zu umliegenden Landmarken

• Der Standort

Der richtige Partner

Nach Verhandlungen mit einer zwischenzeitlich in Konkurs gegangenen Firma und weiteren „umfangreichen Recherchen durch verschiedene Mitglieder ist in dem Architekturbüro Ott aus Kronberg ein äußerst kreativer und kompetenter Partner gefunden worden, der mit viel Engagement einen ambitionierten Entwurf entwickelt hat, mit dem der alte Hardtbergturm ersetzt werden soll“, konnte Hans-Dieter Hartwich nun endlich mitteilen und hatte sogar noch mehr gute Nachrichten im Gepäck: Im Dezember hat der Magistrat die Auftragsvergabe zur Planung an Wolfgang Ott beschlossen, so dass eine Umsetzung des Konzeptes bis Ende 2020 denkbar ist. Zur Feier dieser Erfolge haben Hartwich und Mitstreiter eine eindrucksvolle Powerpoint-Präsentation für die Versammlung zusammengestellt – und auch eine ebenso informative wie ästhetisch ansprechende Homepage, die an feuchtkalten Wintertagen fast eine Wanderung ersetzen kann: www.hardtbergturm.de.

Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Finanzierung des ebenso ehrgeizigen wie gefälligen und sinnvollen Projektes weiter vorangetrieben werden muss – auch wenn der Beitritt der Stadt Königstein zum Regionalpark Rhein-Main/Taunushang im November gerade hier auf weitere Zuschüsse hoffen lässt.

Eine Idee nimmt Gestalt an ... Architekt Wolfgang Ott freut sich sehr, endlich mal wieder einen Turm planen zu dürfen.
Skizzen: Ott

Ein realistischer Traum: Im ovalen Korsett – bewusst aus unbrennbarem Stahl – präsentiert sich der schlanke Entwurf des neuen Turmes fast an alter Stelle (noch) als Fotomontage und lässt den Blick wieder über die Baumwipfel schweifen.
Grafik: Ott/Hartwich

Sie koordinieren Pläne, Ideen und Finanzen rund um den Hardtbergturm: Um Architekt Wolfgang Ott (vierter von links) gruppieren sich mit Johannes Schießer, Heidi Scherer, Christoph Jung, Christoph Klein, Mareike Schuster, Dieter Albeck und Hans-Dieter Hartwich (von links nach rechts) die Vorstandsmitglieder des Fördervereins.
Foto: privat

Weitere Artikelbilder:

X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert