Vereinsring erweckte „Nassauer Hof“ nochmals zum Leben

Erinnerungsfoto am historischen Ort Fotos: privat

Falkenstein (kw) – Es bedurfte schon eines expliziten Hinweises in der Einladung, dass es sich keineswegs um einen bevorstehenden April-Scherz handelte, als der amtierende Falkensteiner Vereinsringvorsitzende Jörg Pöschl seine Mitstreiter jüngst zur Vereinsringsitzung in den „Nassauer Hof“ nach Falkenstein einlud. Manch Jüngerer der örtlichen „Vereinsgranden“ musste da doch zweimal nachfragen, denn das frühere Gasthaus im Herzen Falkensteins, direkt hinter dem alten Rathaus gelegen, hatte schließlich bereits um 1960 seine Pforten für immer geschlossen.

Allerdings war die Gaststube seit dieser Zeit noch weitgehend unverändert geblieben. Als Pöschl nun hörte, dass der neue Eigentümer Markus Demme die alte (und für einen zeitgemäßen Gastronomiebetrieb absolut nicht mehr nutzbare) Gaststube demnächst umbauen und Wohnzwecken zuführen würde, kam ihm die Idee, die alte Gaststube noch einmal für einen Abend zum Leben zu erwecken. Was lag also näher, als nach fast sechs Jahrzehnten noch einmal eine Sitzung der Falkensteiner Vereine dort durchzuführen, denn in nahezu allen Archiven der Falkensteiner Vereine finden sich heute noch Hinweise auf Vereinsfeiern, Maskenbälle und Konzerte im „Nassauer Hof“ in der Zeit vor 1960.

„Ich möchte mich bei Markus Demme sehr herzlich bedanken, dass er meinem Anliegen so aufgeschlossen und hilfsbereit gegenüber stand“, so Pöschl, der mit seinen Kollegen von der im Vereinsring diesjährig federführenden TSG einen ganzen Tag lang die leer stehende Gaststube wieder so herrichtete und dekorierte, als ob man „morgen“ wieder eröffnen könnte.

An jenem Abend trafen sich also 15 Personen aus den Falkensteiner Vereinsvorständen zunächst zu einer kleinen Führung. Bis auf zwei oder drei ältere Anwesende waren die Räumlichkeiten allen anderen unbekannt, sodass eingangs Lokalhistoriker Hermann Groß mit altem Bildmaterial einen Rundgang durch den ehemaligen Festsaal im ersten Obergeschoss, den früheren Biergarten, die Weinkellergewölbe und die alte hauseigene Kelterei durchführte, um anhand alter Erzählungen das Gebäude näher darzubringen, welches auch ein Stück weit „alte Falkensteiner Vereins- und Ortsgeschichte“ ist, wie der als Gast ebenfalls anwesende Bürgermeister Leonhard Helm sichtlich beeindruckt zugab. Beim Eintreten in den früheren Gastraum war denn auch ein anerkennendes „Oh“ von allen zu vernehmen für das, was man dort noch einmal für einen einzigen Abend an Ambiente mit zig Kerzen und indirekten Beleuchtungen, großen Deko-Bembeln und Ähnlichem „geschaffen“ hatte.

Im Anschluss wurde in der alten Gaststube denn auch getagt, mit ihrem wunderbaren historischen dunkelgrünen Kachelofen, den typischen dunkelgrünen Holz-Wandvertäfelungen, den nach wie vor bestens erhaltenen Deckenmalereien mit zeitgenössischen Sprüchen über den Genuss von Wein und Apfelwein und den kunstvoll bunten Glasscheiben mit ihrem ganz eigenen Lichteinfall. Es war eine tolle Atmosphäre und man fühlte sich auch als jüngerer Teilnehmer fast automatisch zurück versetzt in jene Zeit, als der „Nassauer Hof“ noch ein beliebter Einkehrpunkt für Einheimische, Kurgäste und Ausflügler aus Frankfurt war.

Extra für diesen Abend war auch eine passende kleine Speise- und Getränkekarte kreiert worden und so war es denn kein Wunder, dass die Tagesordnung der Vereinsringsitzung zwar recht schnell abgearbeitet war, aber es ein wunderbar stimmungsvoller Abend mit Ebbelwoi, Wein und heißer Fleischwurst wurde, der trotz eines bevorstehenden Arbeitstages erst in den frühen Morgenstunden endete und bei dem sich alle irgendwie einig waren, an diesem Abend noch mal ein „ganz klein wenig Geschichte erweckt, erlebt und vielleicht auch geschrieben zu haben“, wie es Walter Krimmel in seinem Dank an Jörg Pöschl treffend formulierte.

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