Die Fraktion der Grünen bezieht Stellung: Das neue grüne Herz der Innenstadt

Königstein (kw) – Die Neugestaltung der Innenstadt wurde nun angegangen. Von der Fällung betroffen waren mehrere Bäume, die bereits eine Fäule im Kern oder einen Pilz aufwiesen, welche die Lebensdauer dramatisch verkürzt und die Standfestigkeit gefährlich verringert hatte. Für die Neugestaltung wurden aber auch gesunde Bäume gefällt, welche den zu erwartenden Klimaveränderung nicht gewachsen waren. Einige wenige auch für gestalterische Elemente oder die Tiefgarage.

Über die Maßnahme besteht innerhalb der Grünen keine einheitliche Meinung, besonders in Bezug auf die Tiefgarage. Natürlich haben wir Verständnis für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, welche mit vielen Erinnerungen an die alte Konrad-Adenauer-Anlage verbunden sind, bedauert Winfried Gann. Aber die Planungen bestehen auch für unsere Kinder und Enkelkinder, die ansonsten nur noch eine geringe Chance hätten, die Anlage grün zu gestalten. Denn die Experten waren sich einig, dass die Maßnahmen so für eine zukünftig noch grüne Innenstadt unumgänglich sind und bereits heute erfolgen müssen. Der fortgeschrittene Klimawandel und die zunehmenden Temperaturen lassen das Zeitfenster für rechtzeitige Maßnahmen schrumpfen. Bäume benötigen Zeit, um die dringend notwendigen Tiefwurzeln auszubilden, ohne die auch klimaresistentere Arten nicht überleben können.

Daher weist die Fraktion der Grünen mit der Umgestaltung der Vegetation auf den Beginn einer grünen, klimaangepassten Zukunft der Stadt. „Das Vorhaben setzt den 45 in der Konrad-Adenauer-Anlage und 16 im Kurpark gefällten Bäumen nahezu 150 neu zu pflanzende Bäume entgegen“, gibt Peter Völker-Holland zu bedenken.

Nur ein kleiner Teil der gefällten Bäume musste für die Tiefgarage gefällt werden. Der bei weitem größere Teil weicht neuen Bäumen, die besser auf Sommerhitze und Trockenheit angepasst sind. Auch im Woogtal und am Burgberg mussten etliche Bäume gefällt werden, obwohl hier keine Baumaßnahmen als Begründung dienen, sondern allein die Gefährdung der Bürger.

Bürgerfreundlich

Die jetzige Planung lässt eine dem Klimawandel angepasste, für die Bürger jeden Alters mit deutlich gesteigerter Aufenthaltsqualität versehene, grüne Innenstadt entstehen. Sie stellt den zu erwartenden heißen, trockenen Sommern eine deutliche Abkühlung durch Bäume und Wasser entgegen, begründet die Fraktionsvorsitzende Dr. Bärbel von Römer-Seel das Engagement der Grünen.

Das Entsiegeln der Flächen und Sammeln des Regenwassers in Zisternen ergänzt diesen Effekt. Bärbel von Römer-Seel, Peter Völker Holland und Winfried Gann haben als Stadtverordnete nach vielen Gesprächen mit Experten eine Abwägung getroffen. Dabei kam man zum Schluss, dass eine klimaangepasste grüne Oase besser ist, als nur den Status quo der 1960er Jahre zu sanieren. Damals stand das Auto als zentrales, wichtigstes Element der Stadtgestaltung im Mittelpunkt. Heute sind Kinder und Bürger als Fußgänger, Radfahrende oder der barrierefreie ÖPNV ein bedeutender Bestandteil der Stadtplanung.

Gewerbe wird mitgedacht

Um die Neugestaltung für das Gewerbe möglichst schonend zu betreiben, wurden zwei Bauabschnitte gewählt. Zunächst wird die Tiefgarage mit der barrierefreien Bushaltestelle umgesetzt, während der bisherige Parkplatz P1 erhalten bleiben (P2 wird zur Baustellenzufahrt). Erst nach Fertigstellung der neuen Infrastruktur werden die jetzige Bushaltestelle und der Parkplatz P1 geschlossen, entsiegelt und mit Bäumen begrünt. So ist eine Erreichbarkeit der Gewerbetreibenden gewährleistet. Die Umgestaltung zur barrierefreien Bushaltestelle ist gesetzlich vorgeschrieben und die Hauptstraße wäre ohnehin längst zu sanieren. Die Beeinträchtigung der Gewerbetreibenden durch Baumaßnahmen ist also unvermeidlich. Die jetzt begonnene Umgestaltung schafft aber eine deutliche Verbesserung nach der erfolgten Umsetzung.

Zukunftssicher und nutzerorientiert

Auch die Tiefgarage ist eine Investition in die Zukunft. Mit Ladeinfrastruktur für Bürgerinnen und Bürger ohne eigene Lademöglichkeit in der Altstadt, ebenso wie für den Ausbau von Carsharing oder On-Demand-Verkehren, welche mit dem autonomen Fahren sicher kommen werden, ist Königstein für die Zukunft gut aufgestellt. Ob aber überhaupt eine so teure Investition gerechtfertigt ist und wie sie finanziert wird, hätten die Grünen vor der Entscheidung gerne noch einmal überprüfen lassen, die beiden Anträge dazu lauteten:

1. Die Umsetzung der klimarelevanten Umbaumaßnahmen plus barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen werden getrennt von den Baumaßnahmen Pavillon und Tiefgarage abgestimmt.

2. Ein Plan zur Finanzierung des Baus der Tiefgarage soll erarbeitet werden und nach Vorlage des Finanzierungsplans soll über den Bau der Tiefgarage abgestimmt werden.

Beide Anträge wurden von allen anderen Fraktionen, mit Ausnahme der SPD, abgelehnt. Lediglich auf den ursprünglich geplanten Pavillon wurde gemeinsam zunächst verzichtet.

Bezahlbarkeit

Das Projekt ist mit 16 Millionen Euro eine große Investition für Königstein. Für die Klimaanpassung stehen 85 Prozent Fördermittel zur Verfügung, für die barrierefreie Bushaltestelle 70 Prozent. Somit verbleibt für die Stadt mit ca. 9,4 Millionen Euro immer noch eine sehr große Summe. Die Tiefgarage wird mit 6 Millionen veranschlagten Baukosten nicht gefördert. Aber auch für die Alternative, den Kurpark ohne Fördermittel zu sanieren, die Parkplätze P1 und P2 im Bestand zu erneuern, die Bushaltestelle barrierefrei umzubauen, ansprechende Toiletten zu erstellen und die Hauptstraße zu erneuern, wären ca. 5 Millionen Euro zu veranschlagen. Nicht zu vergessen sind dabei die bereits in die Planung investierten Mittel von über 1 Millionen Euro, die dann nicht nur verfallen würden, sondern weitere Kosten für eine erneute Planung nach sich ziehen würden.

Die Kosten für eine Alternative (Sanierung) wird bei den Gegnern der Umgestaltung oft vergessen. Zudem würden bei einer solchen alternativen Maßnahme für die Kunden der Gewerbetreibenden über Monate die Parkmöglichkeiten genauso massiv eingeschränkt.

Zur Finanzierung ist aus Sicht der Grünen nicht die Grundsteuer zu erhöhen, sondern durch Parkgebühren und Kurtaxe (Kurpark) der direkt profitierende Nutzer an den Kosten zu beteiligen.

Es bleibt ein großes Zukunftsprojekt für alle Menschen, das nun begonnen wurde. Schon in wenigen Jahren wird es eine neue, grüne, autofreie Innenstadt für alle Bürgerinnen und Bürger geben. Viele Veranstaltungen, der Markt, der ÖPNV und der Aufenthalt in der neuen Anlage werden für alle ein Gewinn sein.



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