Der Hardtberg-Vertrag ist unterschrieben: Kindergarten-Neubau rückt in greifbare Nähe

Der Blick vom Hardtberg auf Königstein ist mit der relativ tief gelegenen Burg etwas ungewohnt, doch wunderschön. Foto: Stadtverwaltung

Königstein (hhf) – „Grün bleibt – neues Leben zieht ein!“ freute sich der Bürgermeister und überschrieb seine Präsentation, zu der er viele Fotos selbst beigesteuert hatte, „Der Hardtberg – Ideale Abrundung für Königstein“. Tatsächlich hat, wer dort wohnt, arbeitet oder betreut wird, einen ganz besonderen Blick auf die Burg, denn das Wahrzeichen der Stadt ist von oben zu sehen, mit den aufsteigenden Taunusbergen im Hintergrund.

Wichtige Strukturprojekte

Ganz besonders gut gefällt es Leonhard Helm, einen „phantastischen Standort“ für den künftigen Kindergarten „im grünen Rand der Stadt“ gefunden zu haben – und mehr als das. „Zwischen zwei bebauten Zonen am Stadtrand“ werden mehrere „wichtige Stukturprojekte“ mit einer Klappe (auf)geschlagen, nämlich ein Wohngebiet (25.000 Quadratmeter), mindestens zwei Möglichkeiten zur Gewerbeerweiterung für bereits existente Unternehmen (KVB und Autohaus Marnet, je 5.000 Quadratmeter) und neben dem Kindergarten (4.678 Quadratmeter, davon 3.000 Außenanlage) auch ein Blockheizkraftwerk. Die Anbindung daran ist den rund 30 Häuslebauern vorgeschrieben, das ganze Areal soll sich durch „moderne ökologische Bauweise“ auszeichnen.

Noch kurz vor dem Burgfest kam die Nachricht aus dem Rathaus, bevor Bürgermeister Leonhard Helm den Schlüssel zur Stadt abgeben musste, hatte er an einem ganz großen Rad gedreht und endlich den städtebaulichen Vertrag unterschrieben, der die Zukunft der „Messer-Wiesen“ auf dem Hardtberg regelt. Mehr als elf Jahre nach dem ersten Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan „K69“ und natürlich nicht alleine. Es hatte alleine eine Woche gedauert, bis nach Abschluss der Verhandlungen im Umlaufverfahren alle nötigen Unterschriften unter den Verträgen standen.

Viele Unterschriften

Viel Lob gab es in diesem Zusammenhang für die beteiligten Rathausmitarbeiter, namentlich Sonja Kupfer (Leiterin Fachdienst Stadtplanung) und Tobias Altekrüger (Stellvertreter) sowie Stefan Bouillon (Leiter Fachbereich Bauen) und Gerd Böhmig (Stellvertreter). Darüber hinaus waren aber auch verschiedene Gremien der Stadt, mehrere Planer, Gutachter, Vermesser und Rechtskundige in das Verfahren eingebunden und nicht zuletzt die drei Erben-Familien Messer, Messer und Giese sowie deren Berater.

So viele Menschen mit naturgemäß nicht den gleichen Interessen als Käufer und Verkäufer unter einen Hut zu bringen, war natürlich Sisyphos-Arbeit, zuletzt verzögerte sich der Vertragsabschluss zum Beispiel noch einmal um ein Jahr, weil ein Familienmitglied der Eigentümer, das zuvor an den Verhandlungen nicht beteiligt gewesen war, neue Ansprüche angemeldet hatte. Umgekehrt hatte es aber auch gegolten, Interessen der Parteien, Bürger und direkten Anwohner zu berücksichtigen – letztere hatten sich gegen Schleichverkehr gewehrt und eine andere Verkehrsanbindung gefordert, als ursprünglich geplant, die Bürger ihre Ideen bei Versammlungen und Offenlegungen eingebracht.

Gereifter Plan

Nun scheint, was lange währte, endlich gut zu werden, auch wenn der Rathauschef es sich nicht nehmen ließ, auf die Vorstöße der ALK im Stadtparlament zu verweisen, die die Suche nach einem anderen Standort für den Kindergarten zum Inhalt hatten – die Idee, ihn am Hardtberg zu bauen, war nach langer Standortsuche übrigens erst 2014 aufgekommen. Mit den 30 „Baufenstern“ für Einfamilienhäuser – je ein Viertel des Grundstücks darf bebaut werden, maximal eingeschossig, dazu ein Staffelgeschoss wegen der Hanglage – leiste Königstein seinen Beitrag zum Wachstum der Region, unterstrich Helm: „Da müssen wir mitmachen“, aber wenigstens nicht mit dichter Bebauung.

Mit dem „städtebaulichen Vertrag“ sind nun etliche Details geregelt, die das weitere Voranschreiten der Bebauung deutlich beschleunigen, da viele sonst langwierige Verfahren schon im Vorfeld angelaufen sind.

Details festgelegt

So steht unter anderem fest, dass die Verkehrsanbindung über die B 8 erfolgen wird, dazu werden eine Ampel und eine Abbiegespur gebaut. Die Kosten in Höhe von rund 584.000 Euro tragen die Verkäufer, ebenso 94 Prozent der Erschließungskosten (3,177 Millionen Euro), nur der Anteil für den Kindergarten wird von der Stadtverwaltung übernommen. Die wird dagegen Eigentümer der zu bauenden Straßen im Wohngebiet (7.860 Quadratmeter, im Wert von 393.000 Euro), investiert aber 28.000 Euro in den Kauf des Grundstücks zwischen KVB und B 8, um den dortigen Wald zu erhalten.

Mit dem Wert des Kindergartengrundstücks (1,170 Millionen Euro) und einer Zahlung der Verkäuferfamilien in Höhe von 2,02 Millionen Euro, die dem Kindergarten-Neubau zugeschlagen wird, bilanziert die Stadt einen Ertrag von 6,76 Millionen Euro für das gesamte Geschäft.

Unternehmen Königstein

Als Bürgermeister müsse er „denken als Inhaber des Unternehmens Stadt Königstein“, daher sei er sowohl als Jurist wie auch als Verhandlungsführer mit dem Vertragsabschluss zufrieden, der ihm zu einer „Herzensangelegenheit“ geworden sei, so das Resümee von Leonhard Helm: „Das war nicht Kreisliga“. Aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel und nun muss der Kindergarten ins Grüne: „Er wird teuer, aber wir haben viel Geld durch das Geschäft aufgefangen“, dazu kommt hoffentlich ein Zuschuss des Landes in Höhe von 1,75 Millionen Euro. Weitere 250.000 Euro Förderung pro Kindergarten-Gruppe sind möglich und davon soll es nach aktuellem Sachstand sieben geben, drei davon für Kinder unter 3 Jahren: „Wir werden diese Plätze brauchen!“

Geplant ist, den Kindergarten zum Ende der Sommerferien 2022 in Betrieb zu nehmen, nach 18 Monaten Bauzeit wird er dann 5 Millionen Euro gekostet haben – aber dafür könnte dann ja auch noch das Grundstück an der Eppsteiner Straße, mitten im Wohngebiet, gewinnbringend veräußert werden.

Der Blick vom Hardtberg auf Königstein ist mit der relativ tief gelegenen Burg etwas ungewohnt, doch wunderschön.
Foto: Stadtverwaltung

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