Klimaanpassung: Bekannte und neue Herausforderungen

Schülerinnen als Klimaanpassungsexpertinnen: Dilenay Barak (li.) und Livia Zipplies übergaben die Ergebnisse des Geografiekurses der zehnten Klasse am Taunusgymnasium an Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko. Foto: privat

Königstein (as) – Die Stadt Königstein tastet sich Schritt für Schritt in die Zukunft seines eigenen Stadtbildes vor. Nach dem Klimaschutzkonzept und der derzeit laufenden Mobilitätsplanung (s. KöWo KW 6) ist die Stadt im vergangenen Herbst auch in das Projekt zur Klimaanpassung eingestiegen. Und auch hier will die Stadt seine Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Direkt nach dem Mobilitätsforum fand im Haus der Begegnung auch die Auftaktveranstaltung zum Klimaanpas-sungskonzept statt. Vielleicht war es nach dem intensiven Teil 1 des Tagesprogramms nicht der ideale Termin, denn zur zweiten Startzeit um 15.30 hatte sich das HdB zur Hälfte geleert, nur wenig Neuankömmlinge waren extra zu diesem – von vielen doch als ähnlich empfundenen – zweiten Workshop hinzugekommen.

Dabei führt das Thema „Anpassung“ an den fortschreitenden Klimawandel viel weiter. Die Königsteiner, das hatte eine Umfrage vorab ergeben, sind bisher in dieser Reihenfolge am stärksten von Trockenheit und Wasserknappheit, Schäden an der Natur und Hitzewellen betroffen. 68 Prozent der Teilnehmer haben auch schon Maßnahmen ergriffen, angefangen mit Zisternen und Regentonnen, aber auch der Installation von Frühwarnsystem in Form entsprechender Apps. Maßnahmen, die nicht ausreichen werden, um sich an den bis zum Ende des Jahrhunderts prognostizierten Temperaturanstieg von mindestens 3 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter anzupassen. Sich also an fast schon lebensfeindliche klimatische Bedingungen anzupassen, sollten die Klimaschutzmaßnahmen nicht im ausreichenden Maße gegriffen haben. Die Hitzetage mit über 30 Grad Celsius würden sich dann gegenüber heute vervierfachen, die Sommertrockenheit stark zunehmen. Und die Schäden durch Klimawandel würden sich bereits bis 2050 gegenüber den 145 Milliarden Euro in der Zeit von 2000 bis 2021, gar versechsfachen, referierte Phlipp Groß von Drees&Sommer. Mit Klimaanpassungsmaßnahmen könnten die Schäden bei einer Verdoppelung gehalten werden. So weit die Theorie und die Ausgangslage.

Kosar Goldasteh, bei der Stadtverwaltung für das Thema zuständig, schilderte die bisherigen Maßnahmen und Anpassungen, zu denen zum Beispiel eine Baumschutzsatzung, extensive Blühwiesen, die Zisternensatzung, Trinkwasserbrunnen in allen Stadtteilen und – ganz wichtig – die Erstellung von Fließpfadkarten zum Schutz vor Hochwasser gehören. Im Moment befindet sich die Stadt in einer ersten Analysephase, zu der auch ein Expertenworkshop stattfand, nach der Auswertung dieser Ergebnisse und dem Input des Bürgerforums soll es im Herbst 2026 eine weitere Bürgerbeteiligung in Umfrageform geben. Was bereits sicher ist: Die blau-grüne-Infrastruktur, also Grünflächen als Wasserspeicher und Versicherungsfläche und Wasser als Gestaltungselement wird ein Hebel der Klimaanpassung sein, soll auch bei der Neugestaltung der Stadtmitte maßgeblich sein. Hinzu kommen klimatisch angepasste Gebäude, die Stadt plant auch eine Hotspot-Karte, in der Versieglungen und Senken kenntlich werden für alle Rettungskräfte, vulnerable Einrichtungen wie etwa Kindergärten und Seniorenheime sollen besonders geschützt werden.

TGK-Klasse mit guten Vorschlägen

Im interaktiven Teil kamen weitere interessante Vorschläge der noch rund 40 teilnehmenden Bürger. Unter ihnen waren den ganzen Tag über zwei engagierte Zehntklässlerinnen des Taunusgymnasiums mit ihrem Geographielehrer Thomas Brinkmann, dem Nachhaltigkeitsbeauftragten der Schule. Das Thema Klimaanpassung interessiere sie sogar noch mehr als der Mobilitätsplan, sagten die beiden 16-jährigen Dilenay Barak und Livia Zipplies, denn Unterricht in überhitzten Räumen, die nicht abgedunkelt werden können, sei schon jetzt ein Dauerzustand. Und sie hatten aus der wöchentlichen Doppelstunde durchaus gute, vielleicht sogar revolutionäre Ideen ausgearbeitet und mitgebracht. Auch wenn sie noch nicht zu den Autofahrern gehören, könnten sie gut verstehen, dass es Parkprobleme in der Stadt gibt, deswegen würden sie eine neue Tiefgarage nicht ablehnen. „Aber dann braucht man andere Lösungen“, so Livia, „zum Beispiel Gründächer“. Dilenay schlug vor, dass die Garagen aus recyceltem Beton erbaut werden. Nachhaltig gestalten und bauen, lautete das Motto der Schülerinnen. Da sie beim Spendenlauf 2025 zum Feldberg auch wegen umgestürzter Bäume umgeleitet werden mussten, ist auch das Thema Aufforstung mit klimaresistenten Bäumen längst im Unterricht angekommen. Inmitten des Königsteiner Kreisel könnten sie sich sogar einen „tiny forest“ (ein kleines Wäldchen) als Ausgleich zu Lärm und Auspuffgasen vorstellen. Die gesammelten Ergebnisse und Vorschläge aus dem Geografieunterricht übergaben die Schülerinnen auf der Veranstaltung an Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko, die sofort versprach, darauf ausführlich zu antworten.

Bäume waren – wenig überraschend – ein Thema bei vielen Teilnehmern des Forums. Anna Weber, die seit ihrer Geburt an in Königstein lebt, meinte, dass die Stadt mehr die vorhandenen Bäume schützen müsste, wenn sie sich schon eine Baumschutzsatzung gebe. Mit Grausen erinnert sie sich an den Verlust des Mammutbaums im Ölmühlweg vor drei Jahren für ein Bauprojekt. Weitere sieht sie durch die Neugestaltung im Kurpark in Gefahr. Grünflächen und Aufenthaltsqualität sind ihr wichtig. „Baum vor Bau“ laute ihre Devise, insofern ist sie auch keine Freundin der Planungen in der Stadtmitte mit weiteren Bäumen, die verloren gehen. „Das ist für mich ein Rückschritt.“

Ganz andere Vorschläge, die an dem Nachmittag eingebracht wurden, waren zum Beispiel eine Entsiegelung wo immer möglich, gestaffelte Wasserpreise nach Verbrauch und Kontrollen bei Wassernotstand sowie, sehr spannend, Kühl- und Schutzräume als Zufluchtsorte bei Hitze insbesondere für Ältere. Einer dachte sogar daran, dass hier die neue Tiefgarage einen zusätzlichen, nachhaltigen Zweck erfüllen könnte ...



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