Seit November 2013 findet man auch in Königstein die sogenannten Stolpersteine als Teil der europaweiten Aktion des Künstlers Gunter Demnig. Nun haben die Biografien der Verfolgten der NS-Zeit, denen die Gedenktäfelchen gewidmet sind, eine neue Internet-Adresse auf der städtischen Homepage erhalten: https://königstein-erleben.de/stolpersteine/#top
Rund zwanzig Aktive hatten sich seinerzeit aufgemacht, die nötigen Informationen zu sammeln. Sie verbrachten unzählige Stunden im Stadtarchiv Königstein und im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden, sprachen mit Zeitzeugen, um die Schicksale der während der NS-Zeit verfolgten Königsteinerinnen und Königsteiner in Erfahrung zu bringen.
Schließlich wurden die ersten 18 Stolpersteine zum Gedenken an ehemalige jüdische Einwohner verlegt. Weitere kamen in den folgenden Jahren hinzu, sodass heute 42 Gedenktafeln aus Messing verlegt sind. Auf andere Opfer der NS-Zeit wie politisch Verfolgte oder Homosexuelle wurden bislang in Königstein keine Hinweise gefunden.
Die Dokumentation „Juden in Königstein“ des vormaligen Stadtarchivars Heinz Sturm-Godramstein bot der Initiative wichtige Informationen. Auf ihre Anregung wurde das Buch mit einem Ergänzungsteil zu den Schicksalen der Menschen, denen die Steine gewidmet sind, vom Königsteiner Stadtarchiv neu aufgelegt.
Zusammen mit den Stolpersteinen wurde seinerzeit eine Internetseite mit den Biographien der Verfolgten eingerichtet. Die Seite wurde von den Aktiven betreut, das sei auf Dauer nicht möglich. Nach Stadtarchivarin Dr. Alexandra König bot sich daher das Stadtarchiv an. „Ich bin sehr froh, dass das Stadtarchiv nun für den dauerhaften Zugriff im Netz sorgt,“ freut sich Petra Geis, die damalige Sprecherin der Initiative. „Wir wurden schon damals sehr vom Stadtarchiv unterstützt und nun wieder. Die Königsteiner Opfer der NS-Zeit werden auf diese Weise auch wieder ein Stück in ihre Heimatstadt zurückgeholt.“
Das Stadtarchiv Königstein bietet zusammen mit der Initiative seit der Verlegung regelmäßig Führungen zu den Steinen an, die immer vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der Verfolgten eingesetzt sind. Stadtarchivarin Alexandra König berichtet, dass sie zudem immer wieder Anfragen von Gruppen erreichen, die selbst Aktionen rund um die Gedenktafeln planen. Aktuell ist für Sonntag, den 20. Juli, eine Reinigungsaktion von der in Königstein ansässigen Initiative „Team SKYLINERS-Stuart4Kids“ in Kooperation mit der Stadt Königstein geplant. Weitere Informationen dazu unter www.stuart4kids.de.
Inzwischen liegen mehr als 100.000 Stolpersteine in fast 2.000 Orten in Deutschland und mehreren europäischen Ländern. Die Aktion hat sich mittlerweile zum weltweit größten dezentralen Mahnmal entwickelt.
Stolpersteine für zwei Königsteinerinnen, ermordet vom NS-RegimeFoto: Stadt
