Neues von der Großbaustelle

Das Leben auf der Baustelle: Ohne Straße und rasende Autofahrer könnte es so schön ruhig sein, wenn dieser nervige Baulärm nicht wäre. Bei den „Füchsen“ hat man sich für die Cateringtransporte mit den Bauarbeitern gut arrangiert, zum Dank gibt es Kaffee.Fotos: Schramm

gibt es jetzt die Vollsperrung auf der Kronthaler Straße in Mammolshain. Eine von – im besten Fall – 50 Wochen, wenn man beide Bauabschnitte zusammennimmt, in denen die Mammolshainer mit der Baustelle leben und sich mit den Einschränkungen arrangieren müssen. Der Zeitplan gilt als verbindlich, die Vorgabe macht ein Großereignis.

Bis Ende April 2027 soll die grundhafte Sanierung der L3327 auf der Kronthaler Straße und der Straße „Am Mönchswald“ zwischen der Straße „Am Steinbruch“ und der Einmündung zur Mammolshöhe abgeschlossen werden, damit die Radfahrer am 1. Mai wieder freie Fahrt haben. Die Zufahrt zur Oberstraße bleibt aus einer Richtung jeweils offen, im ersten Abschnitt bis etwa Oktober für die Verkehrsteilnehmer, die aus Richtung Königstein kommen.

Obwohl: Die verantwortliche Behörde Hessen Mobil hat sich auf der Bürgerinformationsveranstaltung vor zwei Wochen in der Mammolshainer Turnhalle bereits einen „Plan B“ gegeben, wie Projektleiter Jürgen Jaksch erklärte. Sollte der Zeitplan doch nicht zu halten sein, würde der Belag des obersten Teilabschnitts ab dem Kranichplatz erst nach dem 1. Mai 2027 abgefräst und instand gesetzt. Hier oben sind keine Erneuerungen des Kanals geplant, was die Auswirkungen einer solchen Verzögerung in Grenzen halten würde. Die Strecke für die Radsportler wäre damit frei.

Aber so weit ist man noch lange nicht bei dem Großprojekt, für das Kosten von 1,8 Millionen Euro veranschlagt werden. Hessen Mobil wird davon 500.000 Euro für die Fahrbahn zwischen Bordstein und Bordstein übernehmen, die Stadt Königstein 1,3 Millionen Euro für den Abwasserkanal und die Trinkwasserleitung sowie die Sanierung der Gehwege – bei Letzterer werden die Kosten zu 75 Prozent auf die Anwohner umgelegt.

Erstmal haben die Bauarbeiten planmäßig begonnen, wie Hossein Ahmadi, Polier der Baufirma Matthäi, die die Ausschreibung gewonnen hat, am vergangenen Freitag auf der Baustelle bestätigte. Nachdem die oberste Asphaltdecke abgefräst worden ist, konnte die Asphaltschicht mit abgetragen werden, die Schotterdecke wurde dabei so gut wie möglich befahrbar gehalten für die Anwohner im Baustellenbereich. Diese Woche wird dann zunächst die Trinkwasserleitung in Angriff genommen, welche sich in der Südseite der Straße befindet, der Kanal befindet sich in der Nordseite. Ebenso wurde bereits der Gehweg auf der Nordseite aufgefräst für Glasfaserkabel und eventuell auch Stromleitungen. Beides Zusatzwünsche der Telekom und der Stadt, wenn man schon einmal alles aufreißt, die aber auch noch den gesetzten Zeitrahmen belasten werden.

Am längsten erhalten bleibt der Gehweg auf der Südseite (Talseite), über den Fußgänger und Radfahrer – schiebend – die Baustelle passieren sollen. Zeitgenossen, die sich gleich zu Beginn der Baumaßnahme über den verengten Gehweg beschwerten, als der Bauzaun für die Fräsarbeiten noch auf dem Gehweg stand, und darüber, dass sich dieser nicht mehr mit dem Fahrrad befahren lasse, sollten eigentlich wissen, dass Gehwege ohnehin nicht fürs Fahrradfahren freigegeben sind. „Ich erlebe, dass die Arbeiter sehr kooperativ sind“, sagte Dirk Fuchs von den „Füchsen“, der mehrmals am Tag mit seinen Lieferfahrzeugen vom Hof mitten in der Baustelle durch diese in beide Richtungen hindurchfahren muss. Immerhin ist er mit seinem Bruder Frank der Caterer der Bischof-Neumann- und der St. Angela-Schule in Königstein sowie der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach und einiger Kitas. Eine Tonne Ware liefere er jeden Tag aus, sein Team fange morgens eine Stunde früher um 4.45 Uhr an, die Lieferanten kämen bereits um 5 Uhr. Respekt! Die Auslieferungsfahrten starten dann zwischen 10.30 und 12 Uhr, was von den Matthäi-Arbeitern bisher auch weitestgehend berücksichtigt worden sei.

Zum Dank gibt es bei den „Füchsen“ Kaffee für die Bauarbeiter. Dirk Fuchs ist guter Dinge, macht das Beste aus der Situation. Und er zeigt: Es ist durchaus möglich, sich zu arrangieren, wenn auf beiden Seiten guter Wille aufgebracht wird. Und nur so wird eine Baustelle, die zumindest in ihrem ersten Abschnitt keine innerörtliche Umfahrung ermöglicht, zu managen sein. Konfrontation, wie teilweise auf der Infoveranstaltung zu erleben, führt da nicht weiter.

Dass die Maßnahme erforderlich ist, wird im Grunde von den wenigsten bezweifelt. Die Fahrbahn hat starke Wellen, teilweise Risse, die Rinnenplatten der Bordsteine sind zum Teil herausgebrochen, die Gehwege in sehr unterschiedlichem Zustand – auch wenn einige Anwohner mit der Situation zufrieden sind und den Selbstkostenanteil von 75 Prozent verständlicherweise gerne verhindern würden, wie auf der Informationsveranstaltung deutlich wurde. Es geht letztlich um eine komplette Neuordnung auf der Kronthaler Straße. „Das Thema hat uns lange bewegt, es geht um Raserei, es geht um die Parkplatzanordnung. Die Parkplätze werden künftig komplett auf der Straße angeordnet, da die Gehwege zu eng sind“, versuchte Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko den mehr als 200 erschienenen Mammolshainern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber das wollte nicht so recht gelingen, zumal die Bürgermeisterin durchgehend Tempo 30 – was auch von der Verwaltung gewünscht ist – nicht zusagen konnte. Hier sind andere Behörden die Entscheider, siehe Blitzer Sodener Straße.

Der Ärger der Mammolshainer gegenüber Stadt und Hessen Mobil entlud sich insbesondere in der kurzfristigen Ankündigung der Maßnahme rund drei Wochen vor Baubeginn, obwohl diese bereits seit zwei Jahren im Haushaltsplan steht und eigentlich jeder ahnen konnte – manche wussten es –, dass es irgendwann nach dem Radrennen ernst werden würde.

Hessen Mobil habe die Aufgabe gehabt, zu informieren, so die Bürgermeisterin. Jens Arnold, Dezernatsleiter für Planung und Bau für die Region Rhein-Main bei Hessen Mobil, erklärte, dass die sogenannte verkehrliche Abfrage mit allen beteiligten Behörden sei am 14. November 2025 gewesen, erklärte Jens Arnold, Dezernatsleiter Planung und Bau für die Region Rhein-Main bei Hessen Mobil. Einige hätten sich für die Antwort viel Zeit gelassen. Auf Nachfrage nach der Sitzung sagte Arnold, dass etwa seit dem 10. März bekannt gewesen sei, dass die Baumaßnahme konkret am 4. Mai beginnen werde. Es hätte also durchaus vier Wochen vorher informiert werden können. Letztlich entschuldigten sich sowohl die Vertreter von Hessen Mobil als auch die Bürgermeisterin etwas kleinlaut für die „Kommunikationspanne“ und versprachen Besserung für die Zukunft: Per WhatsApp-Kanal und über die Internetseiten der Behörden sollen die Informationen schneller fließen.

Es gab aber noch viele Fragen, Wünsche und Forderungen aus dem Publikum, die an dem Abend lebhaft bis kontrovers besprochen wurden.

Parken

Wohin mit all den Autos der Anwohner, wo auch noch die Hälfte des Parkplatzes „Am Mönchswald“ als Baustellenlager wegfällt? Hier gab es viele Vorschläge einschließlich Anliegerparkausweisen „Am Steinbruch“, die Nutzung der Busspur nach der Kehre und der linken Fahrbahnseite auf der Kronthaler Straße unterhalb der Baustelle. Noch ist nichts fix geklärt, sprich „in Prüfung“ (s. Text zur Sitzung des Ortsbeirats S. 7). Dass das Königsteiner Ordnungsamt aber bereits am ersten Abend auf der Kronthaler Straße „Knöllchen“ verteilte, kam nicht gut an bei den Bürgern. Es ist halt so: Solange ein Halteverbotsschild steht, gilt es auch. Auch wenn alte Schilder vom Radrennen noch nicht abgeräumt wurden.

Vorfahren vor der Haustür

In Absprache mit der Bauleitung, sprich dem Polier vor Ort, sei es möglich, dass man durch die Absperrung über die Schotterschicht zum eigenen Haus vorfahren kann. Das gilt insbesondere für wichtige Anlieferungen, Tankzüge und Arzttransporte immobiler Mitmenschen. Feuerwehr und Rettungskräfte könnten jederzeit in die Baustellen einfahren. Der Müll wird von der Baufirma betreut und außerhalb bereitgestellt Nichts gehen wird nur für die drei bis vier Tage, wenn die Asphaltschicht aufgetragen und mit der Walze bearbeitet wird.

Schleichwege und Umleitung

Die Fahrt von der Schwalbacher Straße über den Zeilweg, einen asphaltierten Wirtschaftsweg, ins Kronthal wurde vom Königsteiner Ordnungsamt verworfen – aus Sicherheitsgründen für Fußgänger und weil Begegnungsverkehr schwierig ist. Dort wurde auch schon kontrolliert. Auch der zunächst parallel führende Weg zum Alt-Mammolshainer Feldkreuz und dann entlang der Sportanlage im Sauerborn in Richtung Kreiskrankenhaus Bad Soden wurde offenbar schon intensiv genutzt, was die Sache nicht besser macht. Die beiden offiziellen Umleitungen – entweder über Kronberg und den Kreisel oder über Bad Soden-Neuenhain und die Königsteiner Straße – sind frühzeitig ausgeschildert. Allerdings wird Auswärtigen nicht klar, über welche Umleitungsstrecke sie in welchen Teil Mammolshains gelangen können.

ÖPNV

Genau das war den Fahrern mehrerer Anruf-Sammeltaxen nicht bekannt, die zu Randzeiten die Linie 85 ersetzen. Nach Aussage mehrerer Mammolshainer standen sie in der ersten Woche oft auf der falschen Seite der Baustelle. Der Schulbus 261 nach Kronberg fährt rund zehn Minuten früher, allerdings nur zur ersten Stunde. Die Linie 85 von Falkenstein und Königstein fährt nur bis Mammolshain. Um nach Kronberg zu gelangen, muss am Königsteiner Kreisel auf Bus 261 umgestiegen werden, oft verbunden mit längeren Wartezeiten. Hierzu gab es auf der Infoveranstaltung mit das größte Rätselraten, zumal die Online-Fahrplanauskunft zu diesem Zeitpunkt noch nicht angepasst war. Vertreter des RMV oder des VHT waren an dem Abend allerdings nicht vertreten.

Sicherheit

Heiß diskutiert wurden die Gehwegbreiten von abschnittsweise nur rund 40 Zentimetern in der Oberstraße und der daraus resultierende gefährliche Schulweg für Kinder. „Wie ist die Absicherung geplant, wenn da während der Bauarbeiten eine Ampel steht? Bei Begegnungen müssen Busse jetzt schon über den Gehweg fahren“, fragte eine Mutter. Das Problem sei erkannt, sagte Jaksch, deswegen werde die Ampel in der Oberstraße auch ein Stück zurückversetzt. Das Thema stelle sich auch erst ganz zum Schluss von Bauabschnitt eins, wenn sich die Baustelle direkt vor der Oberstraße befindet. „Ich denke, der Engpass wird nur zwei bis drei Wochen sein. Ich versuche, es in die Herbstferien zu legen“, versprach Jaksch. Auch Schülerlotsen sollen eingesetzt werden (s. Ortsbeirat).

Kosten

Fakt ist, dass Hessen Mobil nur das Budget für die Erneuerung der Straße im bekannten Abschnitt aufbringt. Der unter Teil der Kronthaler Straße (in dem auch ein anderer Kanal liegt, der von der Straße „Am Steinbruch“ einmündet), auch das war eine Frage, wird auf absehbare Zeit nicht angepackt. Voll gebührenfinanziert sind nach Angaben der Stadt der neue Abwasserkanal und die Trinkwasserleitung. Zur Kasse gebeten werden die Anlieger für den mit 250.000 Euro angesetzten Gehweg und – sofern sie sanierungsbedürftig sind – die Hausanschlüsse auf dem eigenen Grundstück, was oft erst herauskommt, wenn sie erstmal freigelegt sind. Natürlich wurde nach den Kosten gefragt, die auf dem eigenen Grundstück abhängig von der Entfernung des Hauses von den Hauptleitungen sind und die sich für den Gehweg noch nicht beziffern lassen (s. Ortsbeirat).

„Baustelle nie bequem“

Am Ende versuchten alle, die Gemüter zu beschwichtigen: „Eine Baustelle ist nie bequem, aber lassen Sie uns erst einmal mit der Baustelle anfangen. Wir lassen Sie nicht allein“, sagte die Bürgermeisterin, die versprach, sich der Probleme anzunehmen. Sie sei erreichbar für die Bürger. Jens Albrecht, der sich nicht alle Vorwürfe aus der Bürgerschaft gefallen lassen wollte, drückte sich etwas anders aus als die Bürgermeisterin, meinte aber im Prinzip das Gleiche. Es könne nur gelingen, wenn sich alle Beteiligten und Betroffenen zusammenreißen. „Die Baumaßnahme ist sehr schwierig, es handelt sich um einen komplexen Kompromiss für alle.“

Weitere Artikelbilder



X