Königstein (gs) – Am vergangenen Donnerstag mussten die Stadtverordneten in ihrer 19. Sitzung darüber entscheiden, ob die Stadt Königstein auf Antrag des Magistrats dem städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt Kronberg und der von Opel Hessischen Zoostiftung (Opel Zoo) beitritt. Dieser besagt – in Kurzform – dass die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Königstein die gleichen Rechte genießen, wie sie auch für die Bürgerinnen und Bürger Kronbergs gelten: die Möglichkeit, den Philosophenweg kostenfrei und innerhalb einer Zeitstunde zu passieren, und das Angebot des Erwerbs einer um 50 % reduzierten Jahreskarte für den Opel Zoo.
Hintergrund
Die Städte Königstein und Kronberg hatten über eine längere Zeit ein gemeinsames Bebauungsplanverfahren für den Opel Zoo betrieben, dessen Geltungsbereich später unter Federführung der Stadt Kronberg so reduziert wurde, dass er nur noch für die Gemarkung Kronberg erforderlich war. Die Stadt Königstein wurde daraufhin in die Verhandlungen zu einem Städtebaulichen Vertrag zwischen Kronberg, Königstein und dem Opel Zoo einbezogen. Dieser Vertrag wurde von den Stadtverordneten mit Änderungswünschen beschlossen, welche allerdings von den Vertragspartnern abgelehnt wurden. Die Stadtverordnetenversammlung half daraufhin einem gegen den Vertragsabschluss angestrengten Bürgerbegehren durch Aufhebung des Zustimmungsbeschlusses im Juli 2020 ab.
Im Rahmen des weitergeführten Bebauungsplanverfahrens der Stadt Kronberg wurde die Einziehung des bis dahin öffentlich zugänglichen „Philosophenweges“ vorbereitet. Im November 2021 wurde der Philosophenweg durch die Stadt Kronberg dem Gelände des Opel Zoos zugeschlagen. Darüber hinaus wurden das zuvor von beiden Städten ausgehandelte, zeitlich begrenzte Durchgangsrecht sowie die Möglichkeit des Erwerbs vergünstigter Jahreskarten aufgrund des Ausscheidens der Stadt Königstein nun ausschließlich für die Kronberger Bürgerinnen und Bürger in Kraft gesetzt. Die (kostenfreie) Durchquerung des Zoos auf dem Philosophenweg war somit nur noch für Kronberger Bürger möglich – die Königsteiner Bürger gingen leer aus.
Gesprächsbereitschaft
Wie im Vorfeld beschlossen, nahm Bürgermeister Leonhard Helm die Gespräche mit der Stadt Kronberg und dem Opel Zoo erneut auf. Ergebnis dieser Gespräche war es, dass die zuvor vereinbarten Punkte des bereits ausgehandelten Vertrages auch für Königsteiner Bürger wirksam werden können, allerdings lehnten die Vertragspartner die gewünschten Änderungen bezüglich der Gestaltung des Zugangs von Richtung Königstein weiterhin ab. Königstein kann dem Vertrag – allerdings (lediglich) zu den Bedingungen, die auch für die Kronberger Bürger gelten – nachträglich beitreten, was bereits bei Vertragsabschluss in Form einer Zusatzvereinbarung festgeschrieben wurde. Nachdem die Vertragspartner das Vorgehen erneut abgestimmt hatten, wurde eine zeitnahe Umsetzung der Vereinbarung angestrebt.
Im Stadtparlament
Erwartungsgemäß erfolgte die Abstimmung im Stadtparlament nicht ganz ohne vorhergehende Diskussionen, “Schuldzuweisungen” und dem Appell an die Anwesenden, doch nun bitte im Sinne der Bürgerinnen und Bürger Königsteins abzustimmen. Nachdem auch Ulrich Boller von Seiten des Haupt- und Finanzausschusses eine positive Abstimmung (9 Ja- und 1 Nein-Stimme) vermelden konnte, signalisierte auch Andreas Colloseus (ALK) die Zustimmung seiner Fraktion, jedoch nicht ohne noch einmal auf alle Tatsachen hinzuweisen, die nach seiner Auffassung überhaupt erst zur Schließung des Philosophenweges als öffentlichem Verbindungsweg zwischen Königstein und Kronberg geführt haben. Für ihn ist der Beitritt Königsteins zum ausgehandelten Vertrag ein mehr als unbefriedigender Abschluss dieses langjährigen Themas. Der Durchgang wäre, so Colloseus, beileibe nicht so unkompliziert wie oft beschrieben. Familien mit Kinderwagen oder Personen, die auf den Rollstuhl angewiesen seien, könnten den Eingang zum Philosophenweg auf Königsteiner Seite nicht passieren und müssten den Haupteingang ansteuern. Kinder unter 12 Jahren dürfen den Weg nicht ohne Begleitung der Eltern passieren, was viele Schülerinnen und Schüler auf dem Schulweg behindere. Darüber hinaus monierte er die Tatsache, dass ein Durchgang für Gäste gar nicht mehr möglich und für alle Berechtigten nur während der Öffnungszeiten des Zoos möglich sei. Allerdings, so merkte er an, gelten die Vergünstigungen für die gesamte Dauer der Ausweisung des Weges als “Privatweg” und nicht – wie zunächst angedacht – für zehn Jahre. Bürgermeister Leonhard Helm zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der Verhandlungen und bewertet die Vorteile für die Bürger Königsteins positiv. Man müsse, so Helm, den Opel Zoo als Partner sehen und dessen positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit unterstützen. Auch die Vertreterinnen und Vertreter der FDP, CDU, SPD und Bündnis90/Die Grünen werteten das erzielte Ergebnis positiv. Das Thema sei, so Bärbel von Römer-Seel (Bündnis 90/Die Grünen), zu einer Farce geworden, und man könne als Stadt dankbar sein, dass nun auch Königstein die Vorteile genießen könne.
Positives Abstimmungsergebnis
Bei der anschließenden Abstimmung stimmten 29 Stadtverordnete mit “Ja”, zwei stimmten mit “Nein” – bei zwei Enthaltungen. Damit war der Antrag des Magistrats, dass die Stadt Königstein dem städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt Kronberg und dem Opel Zoo beitritt, angenommen. Die Königsteiner Bürger können sich also in Zukunft auf die Möglichkeit freuen, wieder kostenfrei den Philosophenweg nutzen zu können und darüber hinaus – besonders interessant für Familien – die Jahreskarten mit 50 Prozent Ermäßigung erwerben zu können. Der genaue Zeitpunkt, ab dem die Durchgangs- und ermäßigten Jahreskarten beantragt werden können, sowie die damit verbundenen Legitimationsverfahren werden in Kürze bekanntgegeben.
