Königstein (as) – Annette Hogh ist wieder voller Tatendrang. Wahlkampf, das ist genau ihr Ding. Wie zuletzt in den Jahren 2022/23, als die CDU Königstein und ihre Vorsitzende keine Mühen scheuten, um die in der Stadt unbekannte Kandidatin Beatrice Schenk-Motzko mehrheitsfähig zu machen. Als sich die CDU-Kandidatin im Februar 2024 bei der Stichwahl durchsetzte, lagen sich Hogh und der damalige Fraktionsvorsitzende Alexander Hees in den Armen. Die Arbeit hatte sich ausgezahlt.
Keiner sah ihr das an, aber fast jeder wusste es bei dieser Wahlparty im Magistratssaal des Königsteiner Rathauses: Annette Hogh hatte gerade das Schlimmste hinter sich gebracht. 2023 war bei ihr bei einer Routineuntersuchung Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium festgestellt worden. Chemotherapie und Operation („Der Tumor war riesig“) hatte sie gerade erst überstanden. Zwei Jahre später sagt sie: „Ich bin stabil, sagt meine Ärztin“. Der Krebs ist – hoffentlich endgültig – weg und Annette Hogh voller Tatendrang. „Es geht mir wieder gut, habe wieder die Kraft und kann durchstarten,“ Sie ist Spitzenkandidatin der Königsteiner CDU für die Kommunalwahl und auch durch ihren Listenplatz 4 sicher im kommenden Kreistag dabei. Bevor der Wahlkampf in den Endspurt geht, feiert sie am kommenden Samstag ihren 50. Geburtstag.
Drei bis vier Abende in der Woche
Politik und Familie sind die Anker im Leben der Annette Hogh. Vier Kinder hat sie zusammen mit ihrem Mann Matthias großgezogen, mittlerweile sind Jonas, Laurens, Amalie und Magnus zwischen elf und 20 Jahre alt. Magnus studiert in Frankfurt Politikwissenschaften wie einst seine Mutter, die einen Abschluss als Diplom-Politologin hat. Zum Beruf hat sie diese Ausbildung durch ihre familiären Aufgaben nicht gemacht, aber dafür ist sie früh in die ehrenamtliche Politik in ihrer Geburtsstadt Königstein eingestiegen, wo ihr Großvater Reinhold Knab Chefarzt am St. Josef Krankenhaus war. Nachdem die noch junge Familie aus Schwäbisch-Hall in den Taunus umgezogen war, wurde Annette Hogh im Jahr 2006 erstmals in die Königsteiner Stadtverordnetenversammlung gewählt, in der sie mit einem zweijährigen Intermezzo im Magistrat bis zur Erkrankung im September 2023 saß. Seit 2009 ist sie zudem Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, und das ist sie auch während ihrer Erkrankung geblieben – so kamen auch die Pressemitteilungen der Partei stets von ihr. Amt und Mandat seien einfach zwei paar Schuhe vom zeitlichen Aufwand, sagt Annette Hogh. Für Letzteres gingen drei bis vier Abende in der Woche und viele Wochenenden drauf. Neben den Sitzungen und Abstimmungen in der Fraktion gelte es ja auch noch, Präsenz bei Vereinen und Veranstaltungen – selbst ist sie für Königstein–Le Cannet aktiv – zu zeigen.
Beruflich macht Annette Hogh gerade ein Sabbatical, nachdem sie bis Ende des vergangenen Jahres halbtags bei der CDU Hochtaunus, auch hier ist sie im Vorstand, angestellt war. Sie plant, in diesem Jahr ihren Vater, der mit 86 Jahren immer noch allein im Elternhaus in Friedrichshafen am Bodensee wohnt und jetzt schwer erkrankt ist, nach Königstein zu holen.
Trotzdem strebt sie zurück auf die politische Bühne – der erste Wiedereinstieg gelang ja im vergangenen Herbst, als sie in den Königsteiner Magistrat zurückkehrte, wo sie aktuell die Ausländerbeiratssitzungen betreut. „Die Arbeit macht mir großen Spaß“, sagt sie, aber jetzt hätten der „Wähler und die Fraktion das Wort“, ob sie in der kommenden Wahlperiode weiter im Magistrat sitzt oder wieder Stadtverordnete wird. Dass sie zudem in den Kreistag zurück möchte, begründet sie auch damit, dass es „einfacher ist, in Königstein tätig zu sein, wenn man auch darüber hinaus die Zusammenhänge sieht“. Natürlich koste zum Beispiel das Schulbauprogramm des Hochtaunuskreises viel Geld und belaste mit der Schulumlage auch die Kommunen. „Aber wenn man die maroden Schulen in Frankfurt sieht, sind diese Investitionen für die Zukunft wichtig“, betont Hogh.
Das größte Gegenwarts- und Zukunftsthema Königsteins ist die Neue Stadtmitte, die vor allem von der CDU-Fraktion getragen wird und an der letztlich auch die Zusammenarbeit mit der ALK im Stadtparlament scheiterte. Eine „Schieberitis“ sei nicht zielführend, stattdessen erfordere die Bundesförderung „mutige Schritte“, anstatt das Thema kaputtzureden. Hogh vergleicht die Situation mit der Entscheidung zur Renovierung des Hauses der Begegnung, die von FDP, SPD und Bürgermeister Leonhard Helm gewollt wurde, aber nicht vom CDU-Stadtverband. „Wir wären nie auf die Idee gekommen, das zu torpedieren. Es gilt, demokratische Entscheidungen zu akzeptieren“, lautet ihre Botschaft an die ALK, die allein schon durch die Dominanz der beiden Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung als der politische Hauptgegner der Christdemokraten ausgemacht ist. Die CDU habe es früher mit Koalitionen, dann mit Kooperationen und schließlich mit losen Mehrheiten geschafft, Politik zu machen, gibt sich Annette Hogh zuversichtlich für die kommende Wahlperiode.
Als Beispiel, dass der stressige Wahlkampf auch Spaß mache, führt sie den Haustürwahlkampf vor der Bürgermeisterwahl an. „Wir haben gesehen, dass wir damit Erfolg hatten, deswegen werden wir es auch dieses Mal so machen.“ Sie habe keinen einzigen unhöflichen Bürger dabei erlebt. Es gehe an der Haustüre gar nicht darum, tief in politische Themen einzusteigen, sondern die Bürgerinnen und Bürger einfach darauf aufmerksam zu machen, dass am 15. März Kommunalwahl ist. „Sie glauben gar nicht, wie viele so etwas nicht mitbekommen, auch wenn in der ganzen Stadt Plakate hängen.“ Und die Kommunalwahl sei wirklich wichtig, nicht nur weil die Politik die Menschen direkt betreffe, sondern gerade auch, weil die Wähler durch das Kumulieren und Panaschieren bei der Verteilung der Stimmen auf einzelne Kandidaten sehr viel bewegen könnten.
Deswegen feiert sie auch das „Meme“ von Schauspieler Florian David Fitz, der auf seinen Social-Media-Kanälen allen Menschen dankte, die sich in der Kommunalpolitik engagieren. „Ich bin faul, zahle Steuern und kaufe dafür gute Politik“, so Fitz und fügt an: „Aber so ist das nicht. Also danke an alle, die rausgehen und Demokratie noch machen.“
Zweiter Geburtstag 4. September
Ihren 50. Geburtstag am 7. Februar wird sie dennoch nur im kleinen Kreis in der Familie feiern. Es gibt schon wieder Sorgen in der Familie Hogh. Ihren Vater Gert muss sie am Montag darauf ins Krankenhaus bringen. Wie bei der Tochter steht eine Darmkrebsoperation an – und die weiß natürlich genau, welch ein großer Eingriff das ist. Deshalb plant sie, an ihrem „zweiten Geburtstag“, am 4. September, dem Tag ihrer eigenen Operation, groß zu feiern. Am liebsten natürlich mit einem Vater, der ebenfalls das Schlimmste überstanden hat. Denn eigentlich feiert man in der Familie Hogh alles, was man feiern kann: jeden Geburtstag, Weihnachten, Ostern. Verständlich bei ihrer Lebensgeschichte – der eigenen und der der Mutter, die ihren 70. Geburtstag nicht feiern wollte und den 75. nicht mehr erlebt hat.
Und was macht Annette Hogh gerne, wenn es mal eine Auszeit sein soll vom Politbetrieb? Mit der Familie unternimmt sie Ausflüge im Taunus und in den Rheingau, und zum Skiurlaub kommen auch noch alle Kinder mit. Erst kürzlich machte die Familie einen Abstecher vom Besuch des Vaters am Bodensee ins nahe Montafon in Vorarlberg. Und nur für sich? „Lesen und Klavier spielen. Und ich bin ich gerne im Garten“, erzählt sie. „Ich mag daran, dass man schnell ein Ergebnis sieht, das gibt mir viel Zufriedenheit.“ Und sie lacht, wenn sie hört, dass das ja genau das Gegenteil zur Politik ist.
